Umstrittener Top-Berater wehrt sich gegen Kritik von Bayern-Bossen
Die hitzige Debatte um die Rolle von Spielerberatern im Profifußball nimmt eine neue Wendung. Nachdem die Bayern-Legenden Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge in den vergangenen Wochen massive Kritik an der Berater-Branche geäußert hatten, meldet sich nun einer der einflussreichsten deutschen Spieleragenten zu Wort und kontert scharf.
Wittmann: "Die wissen nicht, was Berater leisten"
Roger Wittmann, Gründer der Agentur Rogon und seit den 1990er Jahren in der Branche aktiv, äußerte sich im Sky-Sport-News-Format "Triple – der Hagedorn-Fussballtalk" deutlich. "Mir ist das wurst, was die sagen", so der 65-Jährige über die Äußerungen von Hoeneß und Rummenigge. "Der eine schreit die Welt voll. Der andere sagt etwas, das er gar nicht weiß."
Wittmann wirft den beiden Bayern-Bossen vor, den Aufwand von Spielerberatern nicht einschätzen zu können. "Die wissen beide nicht, ob der Berater mit dem Spieler jeden Tag in Kontakt steht. Das ist das, was sie bräuchten. Deshalb sagen sie das auch." Generell handele es sich bei der Debatte "nur um ein Thema von Bayern München. Es wird aber behandelt, als wenn das jetzt der Nabel der Welt wäre".
Vorwurf: Bayern-Bosse haben System selbst mitaufgebaut
Besonders deutlich wird Wittmann in seiner Kritik an Karl-Heinz Rummenigge. "Ich glaube, dass Karl-Heinz Rummenigge nicht der Richtige ist, um über Moral und Unmoral zu sprechen. Warum? Weil er mitten in diesem Geschäft steckt. Sie haben das System doch selbst mit aufgebaut."
Der erfahrene Berater verteidigt die aktuellen Bezahlstrukturen in der Branche. "Berater werden heute so bezahlt, wie es der Norm entspricht. Was genau soll daran unmoralisch sein? Die Regeln haben sie selbst gemacht." Damit bezieht sich Wittmann auf die Entwicklung des modernen Profifußballs, an der Bayern München maßgeblich beteiligt war.
Eberl appelliert an Vernunft aller Beteiligten
Parallel zur scharfen Kontroverse zwischen Wittmann und den Bayern-Bossen hat sich auch Sportdirektor Max Eberl zu Wort gemeldet. Der 52-Jährige appellierte an die Vernunft aller Beteiligten und warnte vor einer Eskalation. "Wir müssen uns alle bewusst sein, wir haben nur dieses eine Boot und das eine Boot sollten wir nicht zum Kentern bringen", sagte Eberl.
In einer bildhaften Sprache fügte er hinzu: "Wir sitzen natürlich alle in diesem Boot des Fußballs und dieses Boot hat nur eine gewisse Anzahl an Paddeln. Wenn ich das Paddel jetzt mal mit finanziellen Möglichkeiten nehme und wenn irgendwann keine Paddel mehr da sind, dann rudert keiner mehr von uns."
Hintergrund der aktuellen Debatte
Ausgelöst wurde die Diskussion von Ehrenpräsident Uli Hoeneß, der nach zähen Verhandlungen mit Innenverteidiger Dayot Upamecano in einem "Bild"-Interview sogar eine Berater-Blacklist ins Spiel gebracht hatte. Auch Karl-Heinz Rummenigge äußerte sich kritisch zur wachsenden Macht von Agenten: "Wir geraten immer mehr in Abhängigkeiten von Beratern – und der Einfluss auf Spieler ist mittlerweile ungeheuerlich."
Wittmann: Polarisiert seit Jahrzehnten
Roger Wittmann zählt zu den umstrittensten Figuren der deutschen Fußball-Branche. Privat mit der Schwester des ehemaligen Bayern-Spielers Mario Basler liiert, den er während dessen Karriere beraten hat, kreuzten sich seine Wege mit dem Rekordmeister bereits früh.
Besonders seine enge Verbindung zur TSG Hoffenheim und zu Mäzen Dietmar Hopp sorgte in den vergangenen Jahren für Diskussionen. Da Wittmann zahlreiche Spieler des Vereins vertritt, wird er von Kritikern als "Schatten-Sportdirektor" bezeichnet, der zu großen Einfluss auf die Kaderplanung ausübe.
Im Jahr 2025 eskalierte dieser Konflikt, als die TSG ein Stadionverbot gegen Wittmann verhängte, weil er Vereinsvertreter in Sprachnachrichten beleidigt und bedroht haben soll. Ein Gericht hob dieses Verbot später wieder auf.
Die aktuelle Debatte zeigt, wie tief die Gräben zwischen Vereinsverantwortlichen und Spielerberatern inzwischen sind. Während die einen vor zu großem Einfluss warnen, wehren sich die Berater gegen pauschale Verurteilungen und verweisen auf ihre legitime Rolle im modernen Fußballgeschäft.



