Berater-Debatte erreicht neuen Höhepunkt
Die kontroverse Diskussion um die Rolle und Bezahlung von Spielerberatern im deutschen Fußball hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Nachdem die Bayern-Legenden Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge in den vergangenen Wochen deutliche Kritik an der Berater-Branche geäußert hatten, meldet sich nun einer der einflussreichsten Vertreter dieser Zunft mit einer scharfen Erwiderung zu Wort.
„Mir ist das Wurst, was die sagen“
Roger Wittmann, Gründer der Agentur Rogon und einer der bekanntesten Spielervermittler Deutschlands, äußerte sich im „Triple – der Hagedorn-Fussballtalk“ bei Sky Sport News ungewöhnlich direkt. „Mir ist das Wurst, was die sagen“, so Wittmann über die Äußerungen von Hoeneß und Rummenigge. „Der eine schreit die Welt voll. Der andere sagt etwas, das er gar nicht weiß.“
Der Berater wirft den beiden Bayern-Bossen vor, den tatsächlichen Aufwand ihrer Arbeit nicht einschätzen zu können. „Die wissen beide nicht, ob der Berater mit dem Spieler jeden Tag in Kontakt steht. Das ist das, was sie bräuchten. Deshalb sagen sie das auch.“ Wittmann betonte, dass die aktuelle Debatte „nur ein Thema von Bayern München“ sei, aber behandelt werde, „als wenn das jetzt der Nabel der Welt wäre“.
Vorwurf der Heuchelei
Besonders deutlich wurde Wittmann in seiner Kritik an Karl-Heinz Rummenigge. „Ich glaube, dass Karl-Heinz Rummenigge nicht der Richtige ist, um über Moral und Unmoral zu sprechen. Warum? Weil er mitten in diesem Geschäft steckt.“ Der Berater argumentiert, dass Rummenigge und Hoeneß das aktuelle System maßgeblich mit aufgebaut hätten.
„Sie haben das System doch selbst mit aufgebaut“, so Wittmann weiter. „Berater werden heute so bezahlt, wie es der Norm entspricht. Was genau soll daran unmoralisch sein? Die Regeln haben sie selbst gemacht.“ Diese Aussage stellt die moralische Autorität der Kritiker in Frage und unterstellt ihnen eine gewisse Heuchelei.
Eberl appelliert an Vernunft
Parallel zu dieser scharfen Auseinandersetzung hat sich auch Bayerns Sportdirektor Max Eberl zu Wort gemeldet. In deutlich versöhnlicherem Ton appellierte er an die Vernunft aller Beteiligten. „Wir müssen uns alle bewusst sein, wir haben nur dieses eine Boot und das eine Boot sollten wir nicht zum Kentern bringen“, sagte Eberl.
Der 52-Jährige nutzte eine bildhafte Sprache, um die finanzielle Dimension des Konflikts zu beschreiben: „Wir sitzen natürlich alle in diesem Boot des Fußballs und dieses Boot hat nur eine gewisse Anzahl an Paddeln. Wenn ich das Paddel jetzt mal mit finanziellen Möglichkeiten nehme und wenn irgendwann keine Paddel mehr da sind, dann rudert keiner mehr von uns.“
Hintergrund der Kontroverse
Angestoßen wurde die Debatte ursprünglich von Bayerns Ehrenpräsident Uli Hoeneß, der nach zähen Verhandlungen mit Innenverteidiger Dayot Upamecano in einem Interview mit der „Bild“-Zeitung sogar eine Berater-Blacklist ins Spiel gebracht hatte. Auch Karl-Heinz Rummenigge äußerte sich kritisch zur wachsenden Macht der Agenten: „Wir geraten immer mehr in Abhängigkeiten von Beratern – und der Einfluss auf Spieler ist mittlerweile ungeheuerlich.“
Roger Wittmann selbst ist eine polarisierende Figur in der Fußball-Branche. Der 65-Jährige gründete seine Agentur bereits in den 1990er Jahren und zählt zu den umstrittensten Beratern im deutschen Fußball. Privat ist er mit der Schwester des ehemaligen Bayern-Spielers Mario Basler liiert, den er während dessen aktiver Karriere ebenfalls beraten hat.
Konflikt mit Hoffenheim
Besonders für Diskussionen sorgte in den vergangenen Jahren Wittmanns enge Verbindung zur TSG Hoffenheim und deren Mäzen Dietmar Hopp. Da er bei dem Bundesligisten zahlreiche Spieler vertritt, wird er von Fans und Kritikern oft als „Schatten-Sportdirektor“ bezeichnet, dem ein zu großer Einfluss auf die Kaderplanung des Vereins nachgesagt wird.
Im Jahr 2025 eskalierte dieser Konflikt massiv, als die TSG ein Stadionverbot gegen Wittmann verhängte, nachdem er Vereinsvertreter in Sprachnachrichten beleidigt und bedroht haben soll. Ein Gericht hob dieses Verbot später wieder auf, doch die Vorwürfe belasten das Verhältnis bis heute.
Die aktuelle Debatte zeigt, wie tief die Gräben zwischen Vereinsverantwortlichen und Spielerberatern inzwischen sind. Während die einen vor zu großer Einflussnahme und überhöhten Provisionen warnen, fühlen sich die Berater ungerecht behandelt und verweisen auf ihre legitime Rolle im modernen Fußballgeschäft.



