BVB-Aus in der Champions League: Bensebainis Albtraum und Kovacs strukturelles Problem
BVB-Aus: Bensebainis Albtraum und Kovacs strukturelles Problem

Ein Abend zum Vergessen für Bensebaini und den BVB

Ramy Bensebaini erlebte beim Ausscheiden von Borussia Dortmund in der Champions League gegen Atalanta Bergamo einen rabenschwarzen Tag – vielleicht den schwärzesten seiner gesamten Dortmunder Karriere. Der algerische Verteidiger trug an allen vier Gegentreffern eine erhebliche Mitschuld, was eine traurige Premiere darstellte. Doch die alleinige Fokussierung auf die individuelle Leistung Bensebainis greift entschieden zu kurz, denn das eigentliche Problem des BVB sitzt deutlich tiefer und struktureller.

Die vierfache Tragödie eines Verteidigers

Schon beim 0:1 begann das Unglück: Bensebaini wollte eine Flanke klären, grätschte jedoch unglücklich in den Ball und servierte ihn direkt vor die Füße von Gianluca Scamacca. Beim zweiten Gegentor folgte eine unglückliche Abfälschung ins eigene Netz. Beim dritten Treffer stand er viel zu weit von seinem direkten Gegenspieler entfernt, ohne jeglichen Zugriff oder Timing. Und als wäre das nicht genug, verursachte er beim vierten Gegentor mit einem zu hohen Bein auch noch den entscheidenden Elfmeter – inklusive Gelb-Rot und frühem Platzverweis.

Bereits in der zwölften Minute hatte Bensebaini seine erste gelbe Karte gesehen. Früh war klar: Dieses wichtige K.-o.-Spiel lief sowohl an ihm als auch an der gesamten Dortmunder Mannschaft vorbei. Die Italiener von Atalanta Bergamo erwiesen sich durchgehend als schneller, wacher und deutlich giftiger in ihren Zweikämpfen.

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Kovacs Kritik und die Solidarität der Mannschaft

Niko Kovacs Generalkritik an seiner Mannschaft nach der bitteren Niederlage dürfte vor allem auch an Bensebaini gerichtet gewesen sein: „Du musst die Zweikämpfe annehmen, du musst sie führen. Du musst dort scharf sein, du musst giftig sein. Das waren die anderen sehr viel mehr als wir“, so der BVB-Coach in der Nachbetrachtung. Auf die Frage, ob man Bensebaini nach diesem traumatischen Abend nun trösten müsse, antwortete Torhüter Gregor Kobel solidarisch: „Ja, wir sind eine Mannschaft, wir stehen alle zusammen. Wir gewinnen zusammen, wir verlieren zusammen.“

Bensebaini als Opfer struktureller Schwächen

Es war einer dieser verhängnisvollen Tage, an dem einfach alles schiefläuft. Bensebaini klebte dabei auch eine gehörige Portion Pech an den Schuhsohlen. Das ist besonders ungewöhnlich, denn eigentlich gilt der Algerier in dieser Spielzeit als Verlässlichkeit in Person: laufstark, zweikampfhart, technisch sauber und mit einer Elfmeterquote von 100 Prozent. Dass er einen seiner dunkelsten Auftritte ausgerechnet im entscheidenden K.-o.-Spiel in Bergamo erwischte, ist für ihn persönlich und den BVB doppelt bitter.

Doch Bensebaini allein an den Pranger zu stellen, wäre zu einfach und unfair. Denn obwohl er das Gesicht des schmerzhaften Ausscheidens ist, wurde er gleichzeitig zum Opfer eines strukturellen Problems. Ihn frühzeitig zu erlösen oder auszuwechseln, war schlicht nicht möglich. Trainer Kovac waren in der Defensive die Hände gebunden, da er auf der linken Innenverteidigerposition bevorzugt einen Linksfuß einsetzt. In Bergamo war Bensebaini der Einzige, der dieses Profil erfüllte.

Personalmangel mit fatalen Folgen

Nico Schlotterbeck war nicht einsatzbereit. Kovac erklärte: „Die Ärzte und er selbst haben gesagt, dass er nicht von Beginn an spielen kann. Deshalb mussten wir so agieren.“ Auch Emre Can erlebte keinen guten Abend, doch auch er war letztlich nur eine Notlösung. Der Kapitän hatte zuvor vier Wochen wegen Adduktorenproblemen gefehlt. Sein Startelfeinsatz markierte gleichzeitig sein Comeback – Matchpraxis fehlte komplett, was man deutlich spürte.

Weitere Alternativen waren kaum vorhanden:

  • Filippo Mané fällt weiterhin mit einer Muskelverletzung aus
  • Youngster Luca Reggiani wollte Kovac „nicht das vierte Spiel in zehn Tagen zumuten“
  • Leihspieler Aaron Anselmino musste im Sommer zurück nach London und weiter nach Straßburg

Trotz dieser prekären Personalsituation verzichteten die Verantwortlichen bewusst auf einen Winterneuzugang. Die Folgen dieses Mangels zeigten sich in Bergamo auf äußerst schmerzhafte Weise – nicht nur sportlich, sondern auch finanziell trifft dieses frühe Ausscheiden den Verein hart.

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Ausblick und mögliche Erlösung

Am kommenden Wochenende gegen den FC Bayern soll Schlotterbeck wieder von Beginn an in der Startelf stehen, wie Kovac auf der Pressekonferenz am Freitag verriet. Für Bensebaini dürfte das fast wie eine Erlösung klingen: eine dringend benötigte Pause, um Luft zu holen und Abstand zu gewinnen. Dennoch wird dieser verhängnisvolle Abend in Bergamo noch lange nachhallen und sowohl den Spieler als auch den Verein beschäftigen. Die strukturellen Probleme des BVB in der Defensive wurden schonungslos offengelegt und erfordern dringend Lösungen.