BVB-Bosse kochen nach schwachem Sieg: Kabinen-Konfrontation mit Stars
Trotz eines knappen 2:1-Auswärtssiegs beim 1. FC Köln herrscht beim Borussia Dortmund keine Siegesfreude. Im Gegenteil: Die Verantwortlichen des Bundesligisten reagierten nach dem enttäuschenden Auftritt ihrer Mannschaft mit deutlicher Kritik und einer hitzigen Kabinensitzung.
Lustloser Sieg bringt Bosse zum Kochen
Der BVB hatte das Spiel zwar gewonnen, ließ dabei aber Kampf, Leidenschaft und spürbaren Siegeswillen vermissen. Besonders ärgerlich für die Verantwortlichen: Trotz expliziter Vorwarnungen kam es zum Spannungsabfall, und die Mannschaft ließ sich in der zweiten Halbzeit hängen – obwohl sie sogar in Überzahl spielte. Kölns Simpson-Pusey hatte in der Nachspielzeit der ersten Hälfte für ein Foul an Maxi Beier die rote Karte gesehen.
Sportdirektor Sebastian Kehl (46) äußerte sich deutlich nach dem Spiel: „Wir haben gerade sehr intensiv mit der Mannschaft diskutiert, um ein Gefühl dafür zu bekommen, warum wir nach dem 2:0 nicht weiter nach vorne spielen und auf ein drittes oder viertes Tor gehen.“ Und weiter: „Ich habe die Erwartungshaltung, dass jeder Spieler von Borussia Dortmund für diesen Klub an jedem Wochenende alles gibt.“
Kovac mit klaren Worten
Trainer Niko Kovac (54) zeigte sich ebenfalls unzufrieden: „Man denkt, man kann mal ein bisschen weniger machen, weil wir schon 2:0 führen und ein Mann mehr sind. Aber es geht nicht, es geht nicht! Das ist nicht unser Anspruch, das werden wir aufarbeiten müssen.“
Die Bosse um Kovac, Kehl und Sport-Geschäftsführer Lars Ricken (49) versammelten ihre Stars nach Abpfiff zu einer Krisensitzung in der Kabine. Die Diskussion verlief offenbar hitzig, als die Verantwortlichen deutliche Kritik an der Leistung ihrer Spieler übten.
Größeres Problem im Hintergrund
Das aktuelle Dortmund-Problem geht über die einzelne Partie hinaus. Die Mannschaft hat die Ziele im DFB-Pokal mit dem Achtelfinal-Aus und in der Champions League mit dem Playoff-Aus bereits krachend verfehlt. In der Liga ist der Meisterkampf aufgrund des elf Punkte Rückstands auf den FC Bayern längst abgehakt.
Dem Team fehlt offenbar ein großes Ziel, für das es sich noch zu kämpfen lohnt. Der Anspruch, den Torschütze und Vorbereiter Maxi Beier (23) formulierte – „Wir wollen alle verbleibenden neun Spiele gewinnen“ – war nicht bei allen Stars zu spüren.
Finanzielle Brisanz der Situation
Die Bosse beäugen die Entwicklung mit Sorge. Einerseits hat die Absicherung des zweiten Platzes – aktuell sechs Punkte Vorsprung auf Hoffenheim – höchste Priorität. Andererseits muss der BVB in der finanziell angespannten Lage, in der ein Finanzloch von bis zu 27 Millionen Euro droht, unbedingt die Marktwerte seiner potenziellen Verkaufskandidaten hochhalten.
Beides schwebt mit Leistungen wie in Köln in ernsthafte Gefahr. Die Verantwortlichen wissen, dass solche Auftritte nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich Konsequenzen haben können.
Guirassy-Thema überraschend abgeräumt
Ein anderes Stör-Thema räumten die Verantwortlichen dagegen überraschend ab. Serhou Guirassy (29), der mit dem 1:0 das erste Tor erzielt hatte, hatte Kovac nach seiner frühen Auswechslung in der 61. Minute nicht eindeutig abgeklatscht. Den Handschlag hatte er bereits auch beim 2:1 gegen Leverkusen im vergangenen November verweigert.
Kehl verteidigte seinen Stürmer nun: „Damals haben wir das besprochen und auch sanktioniert. Ich fand, das war diesmal ganz anders. Es hat vielleicht auch damit zu tun, dass die Jungs mit sich selbst nicht zufrieden sind. Frustration und Enttäuschung über die eigene Leistung. Vielleicht können wir es auch mal so werten.“
Die Situation beim BVB bleibt angespannt. Während die Tabelle den zweiten Platz zeigt, offenbaren die jüngsten Leistungen tiefgreifende Probleme innerhalb des Teams. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die deutlichen Worte der Verantwortlichen die gewünschte Wirkung zeigen und die Mannschaft zu alter Stärke zurückfindet.



