Die monatelange, chaotische Suche nach einem neuen Fußball-Nationaltrainer für Italien ist beendet: Roberto Mancini kehrt zurück. Das gab Verbandspräsident Giovanni Malagò in einer Sitzung in Rom bekannt, wie die Sportzeitung „La Gazzetta dello Sport“ und weitere Medien übereinstimmend berichten. Der 61-Jährige hatte die Squadra Azzurra bereits von 2018 bis 2023 trainiert und 2021 sensationell zum Gewinn der Europameisterschaft geführt.
Vakant seit April – Gattuso musste gehen
Der Posten des Commissario Tecnico war seit Anfang April unbesetzt, nachdem der damalige Coach Gennaro Gattuso zurücktreten musste. Der viermalige Weltmeister war zum dritten Mal nacheinander in der WM-Qualifikation gescheitert. Die anschließende Trainersuche entwickelte sich jedoch zum Debakel.
Guardiola sagte ab, Pirlo scheiterte an Russland-Kontakten
Zunächst lehnte der Wunschkandidat Pep Guardiola ab. Als Alternative war Andrea Pirlo im Gespräch, der Italien 2006 als Spieler zum WM-Titel geführt hatte. Doch Pirlo, der in Dubai den United FC trainiert – ein Club, der einem russischen Milliardär gehört –, geriet wegen seiner Nähe zu Russland in die Kritik. Er wirbt für einen russischen Wettanbieter und gab während des Ukraine-Kriegs Autogrammstunden in Moskau. Verbandspräsident Malagò legte laut Medienberichten sein Veto gegen Pirlo ein. Auch aus der Politik gab es massive Kritik.
Maldini und Leonardo traten zurück
Daraufhin erklärten der erst vor zwei Wochen verpflichtete Technische Direktor Paolo Maldini und dessen Berater Leonardo den Rücktritt. Beide hatten Pirlo offenbar favorisiert – ein Vierjahresvertrag bis zur WM 2030 mit einem Jahresgehalt von 1,5 Millionen Euro plus Prämien war im Gespräch. Mit dem Rücktritt der beiden Weltklassespieler war der Weg frei für Mancini.
Mancini: Vom EM-Helden zum Abtrünnigen?
Mancini, ein persönlicher Freund von Verbandspräsident Malagò, soll Italien nun zurück zu alter Größe führen. Sein Ruf in der Heimat hatte allerdings gelitten, als er 2023 trotz laufendem Vertrag überraschend nach Saudi-Arabien wechselte – angeblich für 25 Millionen Euro pro Saison. Er blieb nur etwas mehr als ein Jahr und wechselte dann zu Al-Sadd nach Katar, ebenfalls gegen hohes Gehalt. Als Spieler war Mancini in den 1980er und 1990er Jahren Stürmer bei Sampdoria Genua, gewann viermal den italienischen Pokal und einmal die Meisterschaft. Als Trainer holte er mit Inter Mailand und Manchester City nationale Titel.
Ranieri wird Technischer Direktor
Als Technischer Direktor soll Claudio Ranieri an der Seite von Mancini arbeiten. Der 74-Jährige trainierte zuletzt die AS Rom und war auch für mehrere andere Vereine im In- und Ausland tätig. Zuvor war für diesen Posten auch Giorgio Chiellini im Gespräch, der Europameister von 2006, der jedoch ablehnte, weil er mit seiner Arbeit als Manager bei Juventus Turin zufrieden ist.
Die nächsten Spiele für Italien stehen Ende September in der Nations League an: gegen Belgien, die Türkei und dann Frankreich. Mancini soll das Team auf diese Begegnungen vorbereiten.



