Die große schwarze Musikbox wird auch auf der Fahrt zum Stadion in Houston im Mannschaftsbus von Curaçao nicht fehlen. Mit karibischen Klängen werden sich die Spieler an diesem Sonntag auf ihre WM-Premiere gegen Deutschland in Stimmung bringen. Der kleinste WM-Teilnehmer mit 156.000 Einwohnern trifft auf den übermächtigen viermaligen Weltmeister. Auf dem Papier eine klare Sache. Der Kader-Marktwert von Curaçao liegt bei 26 Millionen Euro, der der DFB-Auswahl bei rund 950 Millionen Euro. Doch die Reggae-Boys glauben an sich!
Außenseiterrolle als Motivation
Abwehrspieler Juriën Gaari (32) erklärte gegenüber BILD: „Wir werden von allen als krasser Außenseiter gesehen, aber wir können für eine Überraschung sorgen. Wir sind das ,Cool Runnings‘ des Fußballs – nur wollen wir erfolgreich sein.“ Er bezog sich auf das jamaikanische Viererbob-Team, das 1988 bei Olympia in Calgary als Exot an den Start ging. Die vier Athleten wurden zu den Lieblingen der Winterspiele, obwohl sie der Konkurrenz klar unterlegen waren. Ihr Motto lautete: „Dabeisein ist alles.“ Später wurde ihre Geschichte verfilmt.
Helden auf der Insel
Filmreif ist auch die Leistung des deutschen Auftaktgegners angesichts der Voraussetzungen. Gaari: „Wir sind Helden in Curaçao. Ich denke, für die Menschen auf der Insel und auch in den Niederlanden – denn fast alle von uns sind dort geboren und groß geworden – sind wir bereits Weltmeister. Weil wir mit der WM-Qualifikation etwas ganz Großes erreicht haben.“
Advocaat wie ein strenger Vater
Es gleicht einem Wunder, dass Trainer Dick Advocaat (78) die ehemalige holländische Kolonie erstmals zu einer WM führte. Doch im Gegensatz zu den „Cool Runnings“ wollen die Reggae-Boys aus Curaçao mehr als nur dabeisein. Gaari: „Das Spiel gegen Deutschland ist ganz besonders. Die ganze Welt schaut auf uns. So viel Aufmerksamkeit hat es für Curaçao noch nie gegeben. Das ist ein zusätzlicher Antrieb. Wir wollen nun allen zeigen, dass wir auch gegen große Nationen überraschen können.“
Teamgeist als Trumpf
Dabei helfen soll vor allem der Teamgeist. Gaari: „Unser Trainer ist wie ein strenger Vater, aber sehr beliebt. Wir sind eine Familie. Wir Spieler verstehen uns alle wie Brüder und haben viel Spaß miteinander. Das ist eine der Qualitäten, die uns auszeichnen.“ Und die soll Deutschland heute zu spüren bekommen!



