Debatte um Vaterrolle im Fußball: Von Bebeto bis Doku
Debatte um Vaterrolle im Fußball: Von Bebeto bis Doku

Die Kritik einer französischen Moderatorin an Jeremy Doku, der während der Weltmeisterschaft zur Geburt seines ersten Kindes reiste, hat eine breite Debatte über die Rolle von Vätern im Fußball ausgelöst. Doku, belgischer Nationalspieler, flog von der US-Westküste zu seiner Frau nach London, um die Geburt seines Sohnes Praise mitzuerleben. Die Moderatorin France Pierron hatte in der Sendung „L'Équipe de Choc“ gesagt: „Du willst all das verlassen, um bei der Geburt deines Kindes dabei zu sein, die ein ekelhafter Moment ist, wo der Papa zu nichts gut ist und eine Nebenrolle hat.“ Der Sender „L'Équipe“ distanzierte sich umgehend von diesen Aussagen und entschuldigte sich bei Doku und dem Publikum. Pierron fehlte in der folgenden Sendung.

Zuspruch für Doku aus der Fußballwelt

Doku erhielt breite Unterstützung – vom belgischen Verband und von anderen Spielern. Der deutsche Nationalspieler Nadiem Amiri, selbst Vater zweier Söhne, sagte: „Ich habe gar kein Verständnis dafür, dass er kritisiert wird für so etwas. Alle, die Eltern sind, wissen, was für ein besonderer Moment das ist. Für die Geburt seines ersten Kindes muss er da hingehen.“ Belgiens Kapitän Youri Tielemans, der Doku per Textnachricht gratulierte, erklärte: „Ein Kind zu haben, ist das Schönste, was man sich wünschen kann, und dabei zu sein, ist als Vater mehr als selbstverständlich.“

Bebeto und die ikonische Wiege-Geste

Der Brasilianer Bebeto hatte 1994 bei der WM in den USA nicht das Glück, bei der Geburt seines Sohnes Mattheus dabei zu sein. Stundenlang wartete er im Teamcamp auf den Anruf, dass alles gutgegangen sei. Nach dem erlösenden Anruf bejubelte er sein Tor im Viertelfinale gegen die Niederlande mit der berühmten Wiege-Geste. „Ich habe viele Tore geschossen – Traumtore, Tore, die Titel gebracht haben –, aber alle erinnern sich nur an das Mattheus-Tor“, sagte der heute 62-Jährige im FIFA-Interview.

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Wandel im Fußball und in der Gesellschaft

Die unterschiedlichen Reaktionen auf Doku und Bebeto zeigen, wie sich der Umgang des Fußballs mit Vaterschaft verändert hat. Während Bebeto 1994 noch auf die Geburt verzichten musste, wird Doku heute für seine Entscheidung gefeiert. Ein berühmtes Negativbeispiel ist der Engländer Martin Allen, der 1989 von den Queens Park Rangers mit einer Geldstrafe in Höhe seines Zweiwochengehalts belegt wurde, weil er wegen der Geburt seines Sohnes ein Spiel verpasste. Heute ist Elternzeit für Väter in vielen Berufen üblich, doch im Fußball bleibt dies eine Ausnahme. Die Debatte um Doku zeigt, dass sich die Einstellung langsam wandelt, aber der Profifußball noch immer hinter der gesellschaftlichen Entwicklung hinterherhinkt.

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