VfB-Stürmer Demirovic: Die emotionale Geschichte hinter der Bundesliga-Karriere
Ermedin Demirovic, der 28-jährige Stürmer des VfB Stuttgart, zählt aktuell zu den erfolgreichsten Angreifern der Bundesliga. Mit über 50 Toren in der höchsten deutschen Spielklasse und Einsätzen in der WM-Qualifikation für Bosnien und Herzegowina scheint seine Karriere perfekt zu verlaufen. Doch der Weg dorthin war geprägt von emotionalen Herausforderungen, finanziellen Schwierigkeiten und Momenten des Zweifels, wie der Fußballprofi nun in einem persönlichen Podcast-Interview offenbarte.
Die schwierige Entscheidung: Mit 16 Jahren die Familie verlassen
Im YouTube-Format mit seinem Freund Kawa Acar sprach Demirovic über den schmerzhaften Beginn seiner Profilaufbahn. „Als ich mit 16 Jahren meine Heimat Hamburg verlassen habe und zu RB Leipzig gegangen bin, war das die schwerste Entscheidung meines Lebens“, gestand der Stürmer. Die Trennung von seiner Familie, die ihm immer Rückhalt gegeben hatte, fiel ihm außerordentlich schwer.
Besonders seine Mutter Fatima hatte enorme Probleme, die Entscheidung ihres Sohnes zu akzeptieren. „Dass ich mich damals so entschieden habe, war für meine Mama der schlimmste Moment ihres Lebens“, erklärte Demirovic. Bis heute leidet die Mutter unter dieser Trennung: „Ich bin heute 28 Jahre alt. Trotzdem weint sie jedes Mal, wenn sie bei mir zu Besuch war und wieder nach Hause fährt. Sie wirft sich bis heute vor, ihr Kind mit 16 Jahren weggegeben zu haben“. Für Fatima Demirovic spielen der ganze Rummel, das Geld und der Ruhm ihres Sohnes keine Rolle – ihr geht es ausschließlich um das Wohl ihres Kindes.
Familienbande und väterliche Führung
Neben seiner Mutter spielt auch der Rest der Familie eine zentrale Rolle im Leben des Fußballprofis. Sein Bruder Semir (25) ist ebenfalls im Fußball aktiv und spielt für den HEBC Hamburg in der Oberliga. Doch die wichtigste Bezugsperson neben der Mutter ist Vater Nihat. „Er ist zu Hause der Chef. Egal, was ich mache“, beschrieb Demirovic das Verhältnis zu seinem Vater.
Selbst bei scheinbar einfachen Entscheidungen wie dem Kauf einer Uhr holt der Bundesliga-Profi die Zustimmung seines Vaters ein. Diese enge Bindung und der Respekt vor den Eltern resultieren aus den bescheidenen Anfängen der Familie. „Wir schauen schon genau auf das Geld, weil wir wissen, wo wir herkommen. Wir sind nicht mit der Rolex am Arm aufgewachsen, haben uns alles hart erarbeitet“, betonte der Stürmer. Die Demirovics haben ihren heutigen Wohlstand durch harte Arbeit erreicht, was den Zusammenhalt der Familie zusätzlich stärkt.
Karrierezweifel und finanzielle Nöte in Spanien
Nach seinem Wechsel zu RB Leipzig folgte mit 18 Jahren der nächste große Schritt: Der Transfer zu Deportivo Alavés nach Spanien. Diese Zeit beschreibt Demirovic als besonders schwierige Phase seiner Karriere. „Ich war mit 18 Jahren allein in Spanien, habe die Sprache nicht gesprochen. Und dann durfte ich nur in der zweiten Mannschaft spielen“, erinnerte sich der Bosnier.
Die Situation führte zu ernsthaften Zweifeln am gewählten Berufsweg: „Da gab es Tage, die schwer waren, an denen ich gedacht habe ‚Wofür mache ich das?‘“. Neben dem sportlichen Frust kamen finanzielle Probleme hinzu. Obwohl er offiziell als Profi geführt wurde, entsprachen die Bedingungen nicht seinen Erwartungen. „Im ersten Jahr in Spanien war ich nur auf dem Papier Profi. Ich habe auf Plätzen gespielt, da spielt mein Bruder in der Oberliga auf besseren Plätzen. Das hatte nichts mit Profi zu tun“, kritisierte Demirovic.
Die finanzielle Lage war so angespannt, dass selbst Urlaubspläne mit seiner Frau gekürzt werden mussten. „Am Ende des Monats war nicht viel Geld übrig. Ich wollte mit meiner Frau in den Urlaub fahren. Wir mussten das Ganze kürzen, weil nicht genug Geld da war“, gestand der Stürmer. In dieser schwierigen Phase dachte er regelmäßig über ein Karriereende nach: „In dieser Zeit habe ich jeden zweiten Tag darüber nachgedacht, mit dem Fußball aufzuhören“.
Vom Zweifler zum Bundesliga-Profilerfolg
Dass Demirovic diese schwierige Zeit überwand und heute als erfolgreicher Bundesliga-Stürmer beim VfB Stuttgart spielt, macht seine Geschichte umso bemerkenswerter. Die emotionalen Bindungen zu seiner Familie, die ihn in schwierigen Momenten stützten, und sein eigener Durchhaltewillen führten letztlich zum Erfolg.
Die Offenheit, mit der der 28-Jährige nun über seine privaten und beruflichen Herausforderungen spricht, zeigt eine Seite des Profifußballs, die oft im Schatten von Ruhm und Reichtum verborgen bleibt. Demirovics Geschichte erinnert daran, dass auch erfolgreiche Sportler mit persönlichen Opfern, emotionalen Belastungen und existenziellen Ängsten konfrontiert werden können, bevor sie ihre Ziele erreichen.



