Das zweite Spiel – die große Hürde für das DFB-Team
Nach dem beeindruckenden 7:1-Auftaktsieg gegen Curaçao steht die deutsche Fußball-Nationalmannschaft vor ihrer nächsten Herausforderung bei der Weltmeisterschaft in Nordamerika. An diesem Samstag (22 Uhr MESZ, ZDF und Magenta) trifft das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann in Toronto auf die Elfenbeinküste. Ein Gegner, der ebenfalls mit einem 1:0-Erfolg gegen Ecuador ins Turnier gestartet ist und über erhebliche Qualität verfügt.
Die Partie gegen die Ivorer ist jedoch nicht nur aufgrund der Stärke des Gegners brisant. Die Geschichte der deutschen Nationalmannschaft bei großen Turnieren zeigt eine auffällige Schwäche im zweiten Gruppenspiel. Bereits der „Spiegel“ prägte vor Jahren den Begriff „Fluch des zweiten Spiels“. Die Bilanz seit der Jahrtausendwende spricht Bände: In der erfolgreichen Ära zwischen 2006 und 2016, als Deutschland stets unter die besten vier kam, begann das Team jedes Turnier mit einem Sieg. Doch im zweiten Spiel haperte es oft.
Historische Beispiele für die Schwäche im zweiten Spiel
Bei der EM 2008 unterlag die Mannschaft Kroatien mit 1:2, und Bastian Schweinsteiger sah kurz vor Schluss die Rote Karte. Zwei Jahre später, bei der WM in Südafrika, flog Miroslav Klose gegen Serbien mit Gelb-Rot vom Platz, das Spiel endete 0:1. Selbst beim WM-Titel 2014 reichte es gegen Ghana nur zu einem 2:2-Unentschieden durch ein Tor des eingewechselten Klose. Bei der EM 2016 folgte auf ein 2:0 gegen die Ukraine ein enttäuschendes 0:0 gegen Polen.
„Vielleicht waren wir nach dem guten ersten Spiel zu zufrieden“, sagte Sami Khedira damals. Diese Nachlässigkeiten zwangen die Mannschaft oft, im letzten Gruppenspiel alles zu geben. Im Nachhinein betrachtet könnte dies jedoch auch ein Vorteil gewesen sein, da die Sinne früh geschärft wurden und das Team früh im Turnier in den Alles-oder-nichts-Modus schalten musste.
Die aktuelle Situation: Respekt vor dem Gegner
Kapitän Joshua Kimmich zeigt großen Respekt vor der Elfenbeinküste: „Sie haben spektakuläre Spieler in der Offensive.“ Die Defensive der Ivorer ist ebenfalls beeindruckend: In zehn WM-Qualifikationsspielen kassierten sie kein einziges Gegentor, in den letzten vier Länderspielen nur eines – gegen den WM-Favoriten Frankreich. Dieses Spiel gewann die Elfenbeinküste trotzdem.
Die deutsche Mannschaft, die ihr Quartier in North Carolina bezogen hat, ist mit der Tierwelt des Bundesstaates konfrontiert – Joshua Kimmich begegnete einer giftigen Schlange. „Ich glaube nicht, dass man stirbt, aber es ist zumindest mal gefährlich“, sagte er. Ähnlich gefährlich könnte eine Niederlage gegen die Elfenbeinküste für den Turnierverlauf sein. Ein Sieg wäre dagegen ein wichtiger Schritt in Richtung Achtelfinale.
Die Partie verspricht Spannung, denn das zweite Spiel war für die DFB-Elf schon oft die größte Hürde. Ob der Fluch diesmal gebrochen werden kann, wird sich am Samstag zeigen.



