Die Gewalt mit Schusswaffen in der Hauptstadt eskaliert. In nur einem Jahr stieg die Zahl der Schussabgaben um über fünfzig Prozent. Berlin im Würgegriff von Banden und Clans! Vier Beispiele zeigen das ganze Ausmaß der Bedrohung: Schüsse auf offener Straße, Handgranatenwürfe in Klubs, brutale Schutzgelderpressungen. Ziel des Bandenkrieges ist die Kontrolle über den illegalen Drogenmarkt.
Die alten arabischen Clanstrukturen geraten unter Druck. Neue, straff organisierte Allianzen aus der Türkei greifen nach der Macht: die „Daltons“, die „Ezgins“ und die berüchtigte „Casper“-Bande. Die Zahlen des Landeskriminalamtes spiegeln das wider. Registrierte die Polizei im Jahr 2024 noch 363 Fälle, in denen in Berlin scharf geschossen wurde, explodierte diese Zahl im Folgejahr 2025 auf 543 Fälle von Schussabgaben. Dazu kommen über 600 bewaffnete Drohungen.
Skrupellose Täter und neue Rekrutierungsmethoden
Die Täter sind skrupellos. Sogar minderjährige Killer oder extra eingeflogene Auftragstäter mit Touristenvisum erledigen die brutalen Jobs. Sie schießen auf Restaurants, Cafés und Wohnhäuser, um Geschäftsleute einzuschüchtern. Allein in Verfahren gegen die Casper-Bande stehen aktuell rund 70 Jugendliche vor Gericht. Die Polizei jagt die Kartelle mit Großrazzien, doch der Nachschub an scharfen Waffen reißt nicht ab.
An Beispielen aus vier Bezirken wird exemplarisch gezeigt, wie die Gewalt mit Schusswaffen in der Hauptstadt eskaliert. Nach Auswertung von Tatortfotos und Berichten wurde der Tathergang illustriert.
Der Handgranaten-Anschlag auf den „Sinatra Club 04“
Zwei maskierte Auftragstäter werfen am 16. Dezember 2025 eine scharfe Handgranate in den „Sinatra Club 04“ in Kreuzberg. Die heftige Detonation verwüstet das komplette Inventar. Das LKA ordnet die Tat der neuen Generation Z der türkisch-kurdischen Mafia zu. Diese drängt neben den etablierten arabischen Clans mit brutaler Gewalt nach Berlin. Die Täter erpressen gezielt türkische und kurdische Ladenbesitzer. Wer die geforderten 250.000 bis 500.000 Dollar nicht zahlt, erlebt extreme Gewalt.
Für diese Anschläge schmuggeln die Banden Kriegswaffen über den Balkan und die Türkei nach Berlin. Die Polizei führt regelmäßig Großrazzien durch und hebt Waffenlager aus. Doch der Nachschub aus dem Osten reißt nicht ab. Die Kriminellen sind der Polizei durch globale Millionenbudgets logistisch oft einen Schritt voraus.
Spandau: sieben Schüsse in die Beine
Ein türkisch-kurdisches Trio lauert am 30. März 2025 einem 36-jährigen Türken in Spandau auf. Gegen 15.00 Uhr feuert ein 21-jähriger Schütze aus fünf Metern Entfernung siebenmal auf die Beine des Opfers. Der Mann überlebte schwer verletzt mit mehreren Knochenbrüchen. Die Tat zeigt die eiskalte Hierarchie von Banden wie den „Daltons“ oder „Caspers“. Die obersten Bosse kommunizieren untereinander digital und steuern die Verbrechen aus dem sicheren Ausland. Austauschbare Handlanger vor Ort erledigen die brutale Drecksarbeit.
Die Gewinnmargen aus Rauschgifthandel und Erpressungen sind gigantisch. Festnahmen und Haftstrafen kalkulieren die Bosse im Vorfeld wie normale Betriebsausgaben ein. Die gezielten Schüsse in die Beine dienen im Milieu als unmissverständliche Warnung an die kriminelle Konkurrenz. Oft folgen Racheakte unmittelbar. Ob es den Ermittlern gelingt, die Gewaltspirale zu durchbrechen, hängt hauptsächlich vom politischen Willen der Landesregierung und einigen mutigen Beamten bei Polizei und Staatsanwaltschaft ab.
Terror gegen die Supermarktkette Eurogida
Am 3. März 2025 schießt der 20-jährige Asylbewerber Alican C. innerhalb von 30 Minuten auf zwei Filialen der von einer türkischstämmigen Familie geführten Supermarktkette Eurogida in Spandau und Wilmersdorf. Er feuert insgesamt neun Kugeln auf die Schaufenster der Supermärkte. Zuvor fordert die Mafia telefonisch bis zu 500.000 Dollar Schutzgeld von den Eigentümern.
Der Fall enthüllt die perfide Rekrutierungsmethode der Gen-Z-Mafia. Die Bosse inszenieren sich auf TikTok mit Luxuskarossen und ködern so gezielt junge Geflüchtete. Am erfolgreichsten die, die drogensüchtig und perspektivlos sind. Diese Handlanger agieren dann als billige „Wegwerf-Schützen“. Die Gang versorgt den Schützen Alican C. mit Kokain, einem Auto und einer Wohnung. Für den Auftrag werden ihm zusätzlich 1000 Euro Gangster-Lohn versprochen. Er drückt neunmal ab. Alican C. wird gefasst, legt ein Geständnis ab und wird zu zwei Jahren und neun Monaten Jugendstrafe verurteilt. Trotz des Terrors gehen betroffene Ladenbesitzer aus Angst vor den brutalen Banden kaum zur Polizei.
Kreuzberg: Schüsse aus dem Gegenverkehr
Zwei unbekannte Täter feuern am 21. Mai 2026 von einem Motorroller fünf Schüsse auf einen entgegenfahrenden VW Passat in Kreuzberg. Im Wagen sitzen vier Männer des berüchtigten arabischen Remmo-Clans. Drei Projektile durchschlagen das Auto im Fahrerbereich, doch die Insassen bleiben unverletzt. Diese Tat markiert die radikale Verschiebung in der Berliner Unterwelt. Die jungen türkisch-kurdischen Banden fordern die alten arabischen Großfamilien heraus. Traditionelle Milieu-Hierarchien spielen keine Rolle mehr. Bei der Polizei schweigen die Clan-Mitglieder. Ein klares Zeichen, dass im Kiez blutige Racheakte bevorstehen.
Schüsse und Schießereien im öffentlichen Raum werden so zu einer beängstigenden Normalität. Die Täter nutzen dafür scharfe halb- oder vollautomatische Kriegswaffen. Es werden auch billige Schreckschusswaffen in geheimen Werkstätten für scharfe Munition aufgebohrt.
Der vermeintliche Drahtzieher: Ein verurteilter Mörder auf der Flucht
Einer der Drahtzieher hinter der ausufernden Gewalt mit Schusswaffen in Berlin soll Koray T. (31) aus Berlin-Kreuzberg sein. Seit Jahren verkehrt er im Berliner Rocker- und Unterweltmilieu. Laut Ermittlern ist er ein extrem gewaltbereiter Intensivtäter mit besten Kontakten ins Umfeld der Hells Angels. In der Gangsterszene ist sein harter Führungsstil gefürchtet. Er fordert absolute Loyalität. Konflikte und Revierstreitigkeiten werden mit Einschüchterung und extremer Gewalt geregelt.
2016 erschoss Koray T. am Kottbusser Tor einen 32-jährigen Mann mit mehreren Schüssen. Anschließend floh er zunächst ins Ausland, später wurde er festgenommen und zu acht Jahren Haft wegen Mordes verurteilt. 2022 kehrt er von einem Freigang aus der JVA Tegel nicht zurück und ist seitdem auf der Flucht. Sein Name tauchte immer wieder im Zusammenhang mit Machtkämpfen, Bedrohungen und Gewalt im Berliner Milieu auf. Ermittler ordneten ihn einem Umfeld zu, in dem Waffen, Druck auf Gegner und strenge Hierarchien zum Alltag gehörten. Wahrscheinlich leitet er die kriminellen Aktionen weiterhin aus dem Ausland.
Was tun Polizei und Justiz?
Ermittlern der Polizei gelingt es, Gangmitglieder aus den Bandenstrukturen umzudrehen. Die Informanten erzählen von Kopfgeldern und Todeslisten gegen deutsche Staatsanwälte und Richter, ausgesetzt von der türkischen Mafia. Berlins Justizsenatorin Felor Badenberg leitet umfangreiche Schutzmaßnahmen für die bedrohten Beamten ein. Bosse wie der Dalton Clan steuern die Netzwerke mittels Kryptowährung und verschlüsselter Kommunikation aus Russland und der Türkei. Die Kriminellen sind Polizei und Justiz technisch oft einen Schritt voraus. Die nahezu unerschöpflichen Gewinnaussichten treiben die Banden an, ständig neue Täter zu rekrutieren und aufzurüsten. Selbst internationale Schläge wie die Stürmung einer Dalton-Waffenfabrik in Istanbul stoppen die Nachschubwege für Schusswaffen für Berlin, wenn überhaupt, nur kurzzeitig.



