DFB-Reform-Zoff: Wie die Aufstiegsregelung die Nachwuchsförderung gefährdet
DFB-Reform: Aufstiegsregel gefährdet Nachwuchsförderung

DFB-Reform-Zoff: Wie die Aufstiegsregelung die Nachwuchsförderung gefährdet

Noch knapp eine Woche bis zur nächsten Sitzung der AG Regionalliga-Reform in der DFB-Zentrale! Der Druck ist nie höher gewesen, eine Lösung für den Drittliga-Aufstieg auf den Weg zu bringen. BILD zeigt, welche verheerenden Folgen die bisherige Regelung hat.

Hintergrund der umstrittenen Aufstiegsregel

Aus den fünf Regionalliga-Staffeln gibt es lediglich vier Aufsteiger. Während die Meister im Südwesten und Westen immer direkt in die 3. Liga aufsteigen dürfen, müssen die Erstplatzierten in Bayern, dem Norden und Osten in zwei von drei Jahren in eine umstrittene Relegation um den letzten Startplatz. Diese Ungleichbehandlung hat weitreichende Konsequenzen.

Negativer Effekt auf die Nachwuchsleistungszentren

Ein bisher kaum beachteter Aspekt: Die Regelung hat sogar negative Auswirkungen auf die Nachwuchsleistungszentren (NLZ). Nirgendwo gibt es mehr Talenteschmieden, deren Profimannschaften in der Regionalliga feststecken, als im Nordosten. Mit jeder weiteren Saison in der 4. Liga droht, dass der Rotstift erneut im Jugendbereich angesetzt werden muss.

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Sportdirektor Daniel Meyer (46) vom Halleschen FC erklärt: „Wir mussten für die nächste Saison den Etat für das NLZ um eine sechsstellige Summe kürzen, weil wir den Aufstieg zum zweiten Mal nicht geschafft haben. Mit jedem weiteren Regionalliga-Jahr ist man gezwungen, sich die Zahlen umso genauer anzusehen. Gerade als Meister ist es niemandem vermittelbar, im Nachwuchs zu kürzen, nur weil man nicht aufsteigen darf.“

Als fünfter Verein wird es demnächst wohl den FC Erzgebirge Aue betreffen, der in der 3. Liga wohl nicht mehr zu retten ist. BILD hat die Etats dieser NLZ abgefragt:

  • Rot-Weiß Erfurt: 760.000 Euro
  • Carl Zeiss Jena: 1,3 Millionen Euro
  • Chemnitzer FC: 1,0 Millionen Euro
  • Hallescher FC: 1,1 Millionen Euro
  • Erzgebirge Aue: 1,0 Millionen Euro

Die Folgen für den deutschen Fußball

Auch wenn es Förderungen gibt, kann vor allem in die Jugend investiert werden, wenn es den Vereinen an sich gut geht. Der DFB ist generell nicht in der Verantwortung für den sportlichen Erfolg der Klubs, aber in diesem Fall schon, wenn aufgrund einer strukturellen Benachteiligung die Nachwuchsförderung in einer Region in der Breite geschädigt wird. Dann bleiben Talente auf der Strecke, die dem deutschen Fußball fehlen und später auch nicht von Erst- oder Zweitligisten abgegriffen werden können.

Sportchef Chris Löwe (36) vom Chemnitzer FC betont: „Meine eigene Karriere begann im Nachwuchs des CFC und ich habe enorm davon profitiert.“ Der Außenverteidiger spielte später unter Jürgen Klopp für Borussia Dortmund. Auch Ex-Nationalelf-Kapitän Michael Ballack (49) wurde in Chemnitz ausgebildet. Die Beispiele ziehen sich bis heute.

„Cenny Neumann wurde sieben Jahre beim CFC ausgebildet, ging seinen Weg über RB Leipzig und der mündete kürzlich im Bundesliga-Debüt beim 1. FC Köln – ein eindrucksvoller Beleg dafür, welchen Beitrag Regionalligisten leisten“, sagt Löwe. „Es ist eine enorme Anstrengung, als Viertligist ein zertifiziertes NLZ zu betreiben. Gleichzeitig bedeutet es einen Wettbewerbsnachteil, da diese Mittel nicht ins Profi-Team fließen.“

Regionalliga-Reform als Schutz für die Talentförderung

Erfolg in der Durchlässigkeit zu den Profis kann besonders auch Carl Zeiss Jena vorweisen. Innenverteidiger Maxim Hessel (20) wird aktuell vom VfB Stuttgart beobachtet. Bei den Nordost-Regionalligisten liegt der NLZ-Etat meist nur knapp unter den Ausgaben für den Profikader. Die anvisierte Regionalliga-Reform würde die Talentförderung insgesamt auf mehreren Ebenen stabilisieren.

Jena-Präsident Ralph Grillitsch (55) erklärt: „Der DFB und die DFL haben ein eigenes Interesse an der Beendigung des Regionalliga-Streits. Durch das durchwachsene Abschneiden der Nationalmannschaft bei den letzten Turnieren geht es um die Stärkung des deutschen Nachwuchses durch eine Verdichtung der Qualität in der Regionalliga. Wir wollen das Beste für den deutschen Fußball und lassen uns das nicht nochmal kaputt machen!“

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Das systemische Problem

Ein gravierendes Problem: Wenn ein Meister nicht aufsteigt und im nächsten Jahr wieder Erster wird, kann auch kein anderer Klub nachrücken. Dieses Problem vervielfacht sich und untergräbt die Fairness des Wettbewerbs. Am 25. März hilft es den Verantwortlichen nur, die Augen aufzumachen und einen schweren Systemfehler schnellstmöglich zu beheben.