Nach dem 1:2 (1:1) gegen Ecuador ist die Stimmung in der deutschen Nationalmannschaft angespannt. Bundestrainer Julian Nagelsmann muss sich vor dem Achtelfinale am Montag (22.30 Uhr/ZDF und MagentaTV) in Foxborough mit zahlreichen Baustellen auseinandersetzen. Die erste Turnier-Niederlage im Finalstadion bei New York hat nicht nur Fragen, sondern massive Bedenken aufgeworfen.
Nagelsmann: Niederlage als Warnschuss
Nagelsmann bemühte sich um einen verbalen Spagat zwischen lehrreichem Dämpfer und Warnschuss. „Niederlagen sind nie gut, auch nicht in einem Spiel, wo es tabellarisch um nichts geht. Es ist wichtig, dass wir Lehren daraus ziehen, es dann aber rechtzeitig abhaken und nach vorn schauen“, sagte der 38-Jährige. „Jetzt geht es darum, das nächste Spiel gut anzugehen, da alles reinzulegen, um zu gewinnen und die nächste Runde zu erreichen.“ Dafür müsse man allerdings schon „ein paar Dinge besser machen“.
Mögliche Gegner im Achtelfinale
Nach den Ergebnissen vom Donnerstag kommen als Gegner für den ersten Showdown drei Gruppendritte infrage: Schottland, Schweden und – als wahrscheinlichste Option – Paraguay. Keiner aus dem Trio ist ein Überteam. Aber nach dem mehr erzwungenen als erspielten 2:1-Wendesieg gegen die Elfenbeinküste und der ersten Niederlage nach zuvor elf Siegen seit September 2025 gegen die körperlich robusten Ecuadorianer ist ein Achtelfinaleinzug nicht mehr programmiert.
Kimmich: Keine weitere Niederlage erlauben
Joshua Kimmich sprach trotz des bereits feststehenden Gruppensieges eine deutliche Warnung aus: „Wir dürfen uns keine weitere Niederlage erlauben.“ Denn dann ginge es heim. Der Kapitän ärgerte sich über das mangelnde Engagement: „Das ist das, was mich so ein bisschen ärgert, oder was mich am meisten ärgert: Dass man das Gefühl hatte, dass der Gegner mehr gewinnen wollte als wir.“ Deniz Undav, der erstmals nicht als Super-Joker in Erscheinung treten konnte, attestierte dem Gegner ebenfalls mehr Einsatz: „Ich hatte das Gefühl, dass sie es mehr wollten, als wir. Die waren griffiger. Bei denen ging es noch um alles.“
Baustellen: Neuer, Pavlovic, Wusiala
Nagelsmann sieht sich plötzlich mit mehreren Baustellen konfrontiert. Wo ist Manuel Neuers Aura? Was ist los im zentralen defensiven Mittelfeld, wo Aleksandar Pavlović erneut schwächelte? Wo ist die Antriebskraft von Kapitän Kimmich, dessen Auswechslung nach einer Stunde allerdings abgesprochen war? Wann zünden Jamal Musiala und Florian Wirtz als Zauberduo „Wusiala“? Und wofür ist eigentlich Null-Minuten-Mann Nick Woltemade in Amerika dabei?
Nagelsmann: Kein freier Tag mehr
Als erste Maßnahme passte Nagelsmann die Abläufe an. Einen komplett freien Tag gibt es vor der Reise am Sonntag Richtung Boston nicht mehr. „Wir werden schon trainieren, weil wir nicht so viel Zeit haben“, kündigte Nagelsmann an. Er schützte Neuer, für den nach seinem DFB-Comeback „bis jetzt noch kein Torwartspiel“ dabeigewesen sei. Nach Leroy Sanés erstem Turniertor nach 109 Sekunden und dem schnellen Ausgleich sei das Siegtor „eine extrem undankbare Situation“ für den 40-Jährigen gewesen. Neuer selbst wies die Frage nach einem Torwartfehler brüsk zurück: „Auf gar keinen Fall.“
Keine Rochade für Kimmich
Aktionismus lehnt Nagelsmann ab. Eine Umstellung von Kimmich ins Mittelfeld lehnt der Bundestrainer ab. „Und was machen wir mit Pavlovic? Ich will auf Felix und Pavlo nicht verzichten. Ich finde, dass sie es gut machen. Im Fußball kann man nichts ausschließen, aber ein Wechsel ist akut nicht geplant“, sagte Nagelsmann. Kimmich sagte zum Reizthema: „Das ist einzig und alleine die Entscheidung des Trainers. Und wo er das Gefühl hat, wo ich am besten weiterhelfen kann. Da spiele ich dann.“
Wusiala noch nicht in Form
Höchste Zeit wird es auch für den großen „Wusiala“-Moment. Bei der Heim-EM 2024 legten Musiala und Wirtz als erste Turnier-Torschützen einen Knallstart hin. Zwei Jahre später funkt es einzeln und zusammen noch nicht wie nötig. Bei Wirtz fehle ein Tor, „die Dosenöffner-Aktion“, sagte Nagelsmann. „Aber das wird kommen, ganz sicher.“ Bei Musiala gehe es nur um Rhythmus. „Wir wissen alle, was für Fähigkeiten er hat. Das müssen wir alle gemeinsam aus ihm rauskitzeln – er auch. Er muss an sich glauben und nicht so viel nachdenken.“
Positive Nachrichten: Sané trifft, Brown fit
Es gab immerhin auch zwei positive Nachrichten. Der oft gescholtene Leroy Sané traf endlich und arbeitete auch defensiv gut mit. Youngster Nathaniel Brown wird nach seinen muskulären Problemen im ersten K.o.-Spiel fit zurückerwartet, um den überforderten David Raum zu ersetzen. Nagelsmann zeigte sich kämpferisch: „Es ist ein neues Spiel am Montag.“



