Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko ist die erste mit 48 Mannschaften. Dieser Modus führt zu langen Pausen zwischen den Gruppenspielen – oft fünf oder sechs Tage. Viele Teams nutzen die Zeit für Aktivitäten abseits des Platzes. Die norwegische Nationalmannschaft um Erling Haaland flog in der ersten WM-Woche mit einem Privatjet zu einem Kurzurlaub nach New York. Thomas Tuchel, Trainer der englischen Nationalmannschaft, besuchte mit seinen Spielern ein Baseballspiel. Auch die deutschen Profis hatten in der Frühphase des Turniers ausreichend Freizeit. Doch von einem Ausflug in die Millionenmetropole New York ist keine Rede.
Nagelsmann: „Wir sind nicht auf einer Freizeitfahrt“
Bundestrainer Julian Nagelsmann stellte sofort klar: „Wir sind, ehrlich gesagt, nicht auf einer Freizeitfahrt.“ Nach dem 2:1-Sieg gegen die Elfenbeinküste in Toronto dementierte der DFB Spekulationen über einen New-York-Trip. Auch wenn das Team bereits als Gruppensieger feststeht, will Nagelsmann keine Laissez-faire-Haltung zulassen. Beim Familientag am Montag im Basecamp in Winston-Salem wurde die WM zwar für einige Stunden ausgeblendet, doch ansonsten gilt höchste Konzentration. „Sie können trainieren, wenn sie wollen. Sie können aber auch eine Runde Golf spielen“, sagte Norwegens Trainer Ståle Solbakken nach dem 4:1-Auftaktsieg gegen den Irak. Die Norweger nutzten diese Freiheit für einen Abstecher zum Big Apple – mit Erlaubnis des Trainers und auf eigene Kosten.
Freizeitaktivitäten im DFB-Quartier
Im Teamquartier The Graylyn Estate dreht sich nicht immer alles um Fußball. Joshua Kimmich berichtete: „Es gibt einiges, was man hier so treiben kann.“ Kartenspielen, Basketball, Tischtennis und Padel stehen hoch im Kurs. Bei Temperaturen um 30 Grad ist der Pool ein beliebter Treffpunkt. Cocktails werden dort jedoch nicht getrunken, denn Alkohol ist während des Turniers verpönt. Kimmich erklärte: „Wenn du auf dem Platz zusammen alles raushaust, kannst du das verstärken, indem du mal am Abend ein stilles Wasser miteinander trinkst.“
Portugal: Strandfotos sorgen für Kritik
Ein entspanntes WM-Leben kann schnell zum Bumerang werden, wenn die Leistung nicht stimmt. Portugal erlebte dies nach dem enttäuschenden 1:1 gegen die DR Kongo. Stars um Cristiano Ronaldo hatten aus dem luxuriösen Teamquartier in Palm Beach Strandfotos in sozialen Medien gepostet und ernteten dafür heftige Kritik aus der Heimat. Abwehrspieler Ruben Dias wehrte sich: „Es ist biologisch gesehen gut für uns, wenn wir regenerieren. Natürlich nur zum passenden Zeitpunkt.“ Er warf den Medien vor, eine unnötige Geschichte zu konstruieren.
England: Ausgangssperre und Baseball
Die englische Nationalmannschaft geht entspannter mit der freien Zeit um, muss aber Regeln einhalten. Harry Kane brach einen Ausflug zu einem Konzert der Countrysängerin Ella Langley vorzeitig ab, um die Ausgangssperre im WM-Quartier einzuhalten. Dan Burn von Newcastle United berichtete: „Leider haben wir die letzten drei Songs – die besten – verpasst, um rechtzeitig zum Beginn der Ausgangssperre wieder im Hotel zu sein.“ Zuvor hatten die „Three Lions“ ein Baseballspiel der Kansas City Royals besucht. Kane schrieb auf X: „Großartiger Erholungstag mit den Jungs beim Baseball.“
Familienzeit bei USA und Kanada
Generell hoch im Kurs stehen gemeinsame Aktivitäten mit Angehörigen. Das US-Team feierte nach dem siegreichen WM-Start ein Familien-Grillfest, ebenso Co-Gastgeber Kanada nach dem ersten WM-Sieg der Historie. Spätestens in der K.o.-Phase wird der Druck jedoch steigen, wenn die Spiele enger takten. Dann stellt sich die Frage nach der Freizeitgestaltung nicht mehr. (dpa)



