Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft steht vor ihrem ersten K.-o.-Spiel bei einer Weltmeisterschaft seit dem Titelgewinn 2014. An diesem Montag (22.30 Uhr/ZDF und MagentaTV) trifft die DFB-Elf in Foxborough auf Paraguay. Nach dem enttäuschenden 1:2 gegen Ecuador zum Gruppenabschluss ist die Stimmung gedämpft. DFB-Sportdirektor Rudi Völler spricht von „Glaube“ und „Hoffnung“ statt von Siegesgewissheit.
Völler: „Glaube ist da, aber wir müssen liefern“
„Der Glaube ist da, dass wir alles herausholen, dass wir absolut ans Limit gehen, ein richtig gutes Spiel machen und in die nächste Runde einziehen wollen“, sagte Völler im Teamquartier in Winston-Salem. Die Wahl der Worte – „wollen“ statt „werden“ – zeigt die verhaltene Zuversicht. Noch deutlicher wurde DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig bei MagentaTV: „Wir wissen, dass wir nun das Messer am Hals haben in den K.o.-Spielen.“ Diese öffentliche Dramatik ist nicht im Sinne von Bundestrainer Julian Nagelsmann, für den nach dem Vorrunden-Aus 2018 und 2022 viel auf dem Spiel steht. Ein drittes Mal dürfte ein Bundestrainer nach einer WM-Enttäuschung wohl nicht bleiben.
Nagelsmann: Kreis schließt sich in Foxborough
Für Nagelsmann könnte sich ein Kreis schließen: In Foxborough hatte er 2023 seine ersten Länderspiele als Bundestrainer vorbereitet. Damals standen noch Thomas Müller und Mats Hummels im Kader. Nun geht es um alles. Völler erinnert sich an das Achtelfinale 2002 gegen Paraguay, als Oliver Neuville in der 88. Minute den Siegtreffer erzielte. „Da könnte ich diesmal auch sehr gut mit leben“, sagte Völler. Das Motto: Prinzip Hoffnung, Hauptsache weiter.
Völler fordert mehr von Musiala und Wirtz
Völler nahm die Offensive in die Pflicht. Kai Havertz, Jamal Musiala und Florian Wirtz müssten nun „zünden“. „Um die ganz großen Ziele zu erreichen, müssen diese Spieler liefern. Sie wissen auch, dass noch Luft nach oben ist“, sagte er. Zudem forderte er weniger Ballverluste im Mittelfeld – eine Schwachstelle, die Gegner ausnutzen. Paraguay werde sich genau darauf ausrichten. Personell gibt es Entwarnung: Linksverteidiger Nathaniel Brown kehrt nach Adduktorenproblemen zurück.
Nach elf Siegen: Ein Spiel verändert die Stimmung
Ein einziger missratener Nachmittag gegen Ecuador hat gereicht, um die Grundstimmung zu kippen. Elf Siege in Serie wiegen die Sorgen nicht auf. Rettig versicherte, man werde gegen Paraguay das „Slowakei-Gesicht“ zeigen – und meinte das 6:0 aus der WM-Quali. Dabei vergaß er das 0:2 gegen die Slowakei zwei Monate zuvor. Kapitän Joshua Kimmich gab den konstruktiven Ton vor: „Wir müssen die Dinge ansprechen, die wir nicht gut gemacht haben. Das wird der Trainer auch tun. Dann müssen wir unsere Schlüsse daraus ziehen.“ Für Kimmich steht viel auf dem Spiel: Endlich darf er bei einer WM in einem K.o.-Spiel ran.
Paraguay: Keine Übermacht, aber gefährlich
Paraguay kam als Gruppendritter hinter den USA und Australien weiter und ist keine Fußball-Großmacht wie Frankreich. Dennoch warnt Völler: „Es wird jetzt natürlich ganz anders sein. Es geht um ein K.o.-Spiel. Da geht es um alles, um eine Runde weiterzukommen oder nach Hause zu fahren. Das wissen die Spieler.“ Die Erinnerung an das mühsame 2:1 n.V. gegen Algerien 2014 im Achtelfinale zeigt: Auch ein glanzloser Sieg kann wie eine Befreiung wirken. Ein Nachmachen ist erwünscht.



