Dynamo Dresdens Trainer Thomas Stamm gibt intime Einblicke: Stärken, Schwächen und Vorbilder
Man spürt es in jedem Gespräch deutlich: Dynamo Dresdens Chefcoach Thomas Stamm (43) gilt als absoluter Fußball-Fachmann, der mit seiner unverwechselbaren Art und Weise polarisiert. Doch wie charakterisiert sich der Schweizer selbst – sowohl als Mensch als auch als Trainer? Jetzt gewährt er in einem ausführlichen Interview ungewöhnlich offene Einblicke in sein Innenleben und seine Arbeitsweise.
Persönliche Reflexionen im Fußballtrainer-Podcast
Im Fußballtrainer-Podcast „From Coach to Coach“ von Sportjournalist und Ex-Coach Dominik Theis spricht Stamm ausführlich über die schönste Nebensache der Welt, seinen Beruf und seine Philosophie. Doch darüber hinaus teilt er auch sehr persönliche Gedanken darüber, wie er selbst tickt und denkt. Die interessantesten Aussagen des Dynamo-Trainers werden hier zusammengefasst.
Stärken und Schwächen des Trainers
Seine Stärken: „Ich glaube wirklich, dass ich in der Denkweise, wie ich eine Mannschaft ausrichten kann, sehr variabel bin. Ich habe klare Prinzipien, die oft nicht verhandelbar sind. Aber gerade in der Struktur und Herangehensweise kann ich sehr flexibel und anpassungsfähig sein.“
Seine größte Schwäche: „Da gibt es viele, wie bei jedem Menschen. Sehr häufig habe ich im Austausch mit dem Trainerteam eine sehr klare Meinung, egal ob es um die Aufstellung oder Trainingsinhalte geht. Manchmal bin ich dabei zu wenig offen für andere Meinungen. Aber ich habe gelernt, konstruktive Vorschläge mitzunehmen und daraus zu lernen.“
Prägende Vorbilder und Einflüsse
Die Person, die ihn als Trainer am meisten geprägt hat: „Ganz eindeutig Johann Cruyff. Wie er über Fußball denkt und ihn hat spielen lassen, hat mich tief beeindruckt. Auch wenn ich ihn nie persönlich kennengelernt habe. Und natürlich nimmt man in neun Jahren bei SC Freiburg von ganz vielen Menschen etwas mit, nicht nur von Christian Streich.“
Die Fußball-Nation, die ihn am meisten fasziniert: „Definitiv Spanien. Besonders wegen der Art und Weise, wie im Jugendbereich systematisch gearbeitet wird. Ich konnte mehrere Hospitationen absolvieren, unter anderem in Sevilla und Barcelona. Diese Nation bringt so viele herausragende Fußballer hervor, weil sie von klein auf einen klaren Entwicklungsplan verfolgen.“
Trainingsphilosophie und persönliche Vorlieben
Der Trainer, mit dem er gerne mal einen Kaffee trinken würde: „Jürgen Klopp. Weil er eine äußerst spannende und charismatische Persönlichkeit ist.“
Was er am liebsten trainiert: „Alles mit Ball ist faszinierend. Weil dabei die entscheidende Basis für eine funktionierende Defensive entsteht.“
Seine Spielidee in drei Worten: „Mutig, intensiv, aktiv.“
Ist Stamm dabei eher detailverliebt oder pragmatisch? „Sehr detailverliebt, ohne Zweifel.“
Umgang mit Spielern und persönliche Entwicklung
Sein Credo im Umgang mit Spielern: „Wichtig ist, dass sie jederzeit wissen, woran sie sind. Dabei geht es um absolute Ehrlichkeit und Direktheit. Früher wollte ich es gefühlt jedem recht machen, heute setze ich auf klare Kommunikation.“
Welche Fragen er Profis stellt, die er verpflichten will: „Wie funktioniert er, wenn es mal nicht so läuft? Viele Trainer und Vereine machen das nicht ausreichend. Oft geht es nur darum, Spielern Honig ums Maul zu schmieren, statt ehrliche Gespräche zu führen.“
Die Anfänge und die Dynamo-Zeit
Seine Anfänge als Trainer: „Das begann mit 27, 28 Jahren. Ich wollte damals gar nicht zwingend in diese Richtung gehen, aber es hat sich dann organisch ergeben. Jede Phase war wichtig, besonders die Zeit ohne Co-Trainer, Athletik-Trainer und Physio. Im Umgang mit Spielern oder wie ich Dinge angehe, würde ich manches aber definitiv nie wieder so machen wie in diesen Anfangsjahren.“
Seine bisherige Zeit bei Dynamo Dresden mit Aufstieg, Hinrunden-Letzter und Rückrunden-Sechster: „Ganz schön viel Achterbahnfahrt, oder? Das passt aber irgendwie ganz gut zu Dynamo und dieser besonderen Vereinskultur.“



