Emotionen kochen über: Fan-Angriff auf LASK-Trainer Kühbauer nach Ösi-Pokal-Halbfinale
Der österreichische Fußballpokal schrammte am Mittwochabend haarscharf an einem handfesten Eklat vorbei. Nach dem mit großer Spannung erwarteten Halbfinale zwischen der SV Ried und dem Linzer ASK, das der LASK mit 2:1 nach Verlängerung für sich entschied, entluden sich die aufgeheizten Emotionen in gefährlichen Szenen direkt am Spielfeldrand.
Brenzlige Momente nach Schlusspfiff
LASK-Trainer Dietmar Kühbauer, der bereits während des Spiels von Teilen der Rieder Heimfans massiv beschimpft worden war, feierte den Sieg seines Teams nach dem Abpfiff provokant in Richtung der gegnerischen Tribüne. Diese Geste brachte das Fass zum Überlaufen. Mehrere, teilweise vermummte Personen verließen ihre Plätze und machten sich auf den Weg in Richtung des 54-jährigen Trainers, der gerade ein Interview mit dem ORF in unmittelbarer Nähe zur Fankurve gab.
Nur das beherzte Eingreifen von Ried-Torwart Andreas Leitner und Sportdirektor Wolfgang Fiala verhinderte Schlimmeres. Die beiden schirmten Kühbauer ab und konnten die aufgebrachten Fans zurückdrängen, bevor es zu körperlichen Übergriffen kommen konnte. Dennoch blieb eine äußerst brenzlige Situation zurück, die den Trainer sichtlich mitnahm.
Kühbauers emotionale Reaktion und weitere Provokationen
Bei der anschließenden Pressekonferenz zeigte sich Kühbauer außer sich. Nachdem er bereits während des Spiels mit mehreren Bierduschen aus den Rängen bedacht worden war, redete er sich in Rage: „Muss ich angeschüttet werden? Habe ich was falsch gemacht? Habe ich das 2:1 geschossen? War ich am Feld?“
Doch damit nicht genug. Nach Abschluss seiner Medientermine betrat der erfahrene Trainer erneut das Spielfeld der BWT-Arena und richtete weitere provokante Worte an die noch verbliebenen Heimfans. Dieser Ausbruch markiert den vorläufigen Höhepunkt von emotional aufgeladenen Derby-Wochen zwischen den beiden oberösterreichischen Klubs.
Vorgeschichte: Nebel, Spionagevorwürfe und brennender Schal
Die angespannte Stimmung zwischen den Vereinen hat eine längere Vorgeschichte. Ursprünglich sollte das Halbfinale bereits zwei Wochen zuvor stattfinden, wurde jedoch wegen dichten Nebels abgesagt. Diese Absage sorgte bereits für ersten Unmut.
Hinzu kamen gegenseitige Vorwürfe: Ried-Coach Max Senft beschuldigte den LASK der Trainingsspionage, woraufhin Kühbauer konterte: „Ich bin bald 20 Jahre Profitrainer, in dieser Zeit habe ich noch nie einen meiner Mitarbeiter auf einen anderen Platz geschickt.“
Ein Video, das SVR-Präsident Thomas Gahleitner zeigte, wie er im VIP-Bereich des Rieder Stadions einen LASK-Schal anzündete, heizte die Stimmung weiter an. Kühbauer kommentierte diese Aktion mit den Worten: „Das war sinnbefreit vom Präsidenten.“
Handshake-Eklat und verbale Scharmützel
Nach dem Spiel kam es zu einem weiteren Eklat, als Kühbauer seinem Kollegen Senft den traditionellen Handschlag verweigerte. Senft zeigte sich enttäuscht: „Ich habe weder in Österreich noch während meiner Zeit in England, wo es zwischen den Trainerbänken oft noch hitziger zugeht, erlebt, dass ein Handshake verweigert wird.“
Kühbauer begründete seine Entscheidung mit dem Verhalten des jüngeren Trainers an der Seitenlinie: „Wie der Senft sich über 90 Minuten auf der Bank präsentiert, und zwar jede Woche, und dann auch noch seine Spieler zur Rudelbildung auffordert ...“ Und er legte nach: „Da gibt's kein Zurück mehr. Ich wünsche ihm das Allerbeste, aber im Finale sind wir.“
Spieler reagieren auf Fan-Provokationen
Auch auf dem Feld blieb es nicht ruhig. LASK-Stürmer Sasa Kalajdzic, ehemaliger Bundesliga-Profi bei VfB Stuttgart und Eintracht Frankfurt, reagierte auf Beschimpfungen aus den Rängen mit einer provokativen Geste – er griff sich demonstrativ ans Ohr. Der österreichische Nationalspieler erklärte später: „Ich bin normalerweise keiner, der provoziert, das mache ich nicht gerne. Aber heute war so ein Tag, an dem wirklich übertrieben wurde. Manche Dinge sind unter der Gürtellinie gewesen.“
Kühbauer fasste die Atmosphäre in Ried zusammen: „Ich will nicht Hass in den Mund nehmen, aber es fühlt sich hier so an. Du kommst her und bist immer der Feind, du wirst teilweise mit Beleidigungen überhäuft, die in Österreich ohnehin Überhand nehmen.“
Ausblick auf das Finale
Mit dem 2:1-Sieg nach Verlängerung hat sich der LASK für das ÖFB-Cup-Finale am 1. Mai qualifiziert, wo der Klub aus Linz auf den SCR Altach treffen wird. Die Ereignisse des Halbfinales werden jedoch noch lange nachhallen und die Diskussionen über Fanverhalten, Trainer-Etikette und die Emotionalität im österreichischen Fußball weiter anheizen.



