Final Four in Köln: Kein zweites Angriffsfeuerwerk – Füchse verlieren Finale der Königsklasse
Köln. Im Endspiel der Champions League müssen die Berliner Handballer dem FC Barcelona den Vortritt lassen. Das größte Problem: die Chancenverwertung. Von Nelis Heidemann, Entwicklungsredakteur
Ein schwieriger Start ins Finale
Bis zur Schmerzensgrenze: Mathias Gidsel und die Füchse Berlin hatten im Finale der Champions League gegen den FC Barcelona einen schweren Stand. © picture alliance / Marco Wolf | Marco Wolf
Schon der erste Angriff dieses Champions-League-Finals wurde zu einer unschönen Prophezeiung. Da hatten die Füchse Berlin das Deckungszentrum des FC Barcelona herrlich auseinandergespielt, Welthandballer Mathias Gidsel flog mit dem Ball in der Hand hindurch – und scheiterte völlig frei an Torhüter Emil Nielsen.
Über die gesamte weitere Spielzeit hinweg sollten die Berliner fortan immer wieder im dänischen Nationaltorhüter ihren Meister finden. Es wurde der Hauptgrund dafür, dass die Füchse am Sonntagabend in der ausverkauften Kölner Lanxess Arena vor 20.122 Zuschauern ihr zweites Champions-League-Finale hintereinander verloren: Nach der Finalpleite gegen Magdeburg im Vorjahr unterlagen sie nun Barca mit 34:27 (16:20).
Handball-Champions League: Füchse Berlin verlieren das Finale gegen Barcelona
Die schwache Angriffseffektivität war in diesem Jahr auch der größte Unterschied zum herausragenden Halbfinaltriumph gegen Magdeburg (40:35) am Vortag. „Wir haben gestern eine unfassbare Leistung gebracht“, hatte Gidsel angesichts dessen vor dem Endspiel bei Dyn gesagt. „Das müssen wir nochmal versuchen.“ Doch schon im ersten Angriff des Finals wurde eben deutlich, wie schwer es mit der Umsetzung dieses Versuchs werden würde. Nielsen kennt Welthandballer Gidsel bestens aus der Nationalmannschaft, dessen Pendant Lasse Andersson auf der linken Rückraumseite der Füchse ebenso. Und die ersten Fehlversuche gegen Nielsen, die ersten technischen Ungenauigkeiten der Berliner, sie sollten Wirkung zeigen.
Erster Treffer Mathias Gidsels erst in der 25. Minute
Das Team von Coach Nicolej Krickau wirkte schon bald etwas verunsichert. Bis zum ersten Gidsel-Treffer dauerte es bis zur 25. Minute, davor hatte der Linkshänder schon drei Fehlwürfe angehäuft. Andersson kämpfte auf der anderen Seite gleichermaßen mit seiner Wurfquote. Es war aber nicht nur Torhüter Nielsen, der den Füchsen das Leben schwermachte, sondern auch die offensive Deckungsformation Barcas. Emil Nielsen, Torhüter des FC Barcelona, trieb die Angreifer der Füchse Berlin regelmäßig zur Verzweiflung. © picture alliance / Marco Wolf | Marco Wolf
Die Katalanen traten dem agilen Füchse-Rückraum unerwartet früh entgegen und konnten ihm so Stück für Stück den Zahn ziehen. Es war nicht der einzige Bereich, in dem Barca die Berliner überraschte: Anstatt eines abgeklärten Positionsangriffs setzte der Rekordsieger der Champions League (elf Titel) nämlich darauf, das hohe Tempo der Füchse mitzugehen und selbst über hohe Geschwindigkeit Nadelstiche zu setzen.
Erinnerungen an das Finale der Vorsaison werden wach
Die bekam die Krickau-Sieben nicht unter Kontrolle. Obwohl Torwart Dejan Milosavljev anständig im Spiel war, gelangen Barca zwanzig Tore bis zum Pausenpfiff. Ein spektakulärer Gidsel-Treffer des Willens mit der Halbzeitsirene zum 16:20-Halbzeitstand war ein zarter Hoffnungsschimmer. „Füchse 3.0“: Berliner Handballer machen Adidas-Deal offiziell. Große Träume: Warum die Füchse Berlin einen Trainingsgast aus den USA empfangen. Transfercoup: Bei den Füchsen findet das beste Duo der Welt zusammen. Nicolej Krickau: „Wir könnten Real Madrid werden, wenn wir wollen“. Kommentar: Jetzt kann Nicolej Krickau bei den Füchsen eine Ära prägen.
Doch wer den Füchsen auf dem Weg in die Kabine ins Gesicht sah, erkannte ein kollektives Grübeln, ein gemeinschaftliches Hadern. Erinnerungen wurden wach an das Endspiel der Vorsaison: Auch da fehlte den Berlinern am großen Abend jegliche Leichtigkeit, jeglicher Flow der vorherigen Spiele. Beim 26:32 gegen Magdeburg kamen die Berliner damals im Grunde nie für Europas Krone infrage.
Künftiger Füchse-Zugang Dika Mem hält die Berliner auf Distanz
Diesmal waren die Berliner etwas näher dran. Aber letztendlich kamen sie auch im zweiten Durchgang nie aus dem stetigen Hinterherlaufen heraus – und scheiterten dabei eben trotz bester Chancen auch weiterhin regelmäßig an Nielsen. Es war dabei kein Problem eines Einzelnen: Hatten die Füchse-Angreifer am Vortag noch alle gemeinsam überzeugt, verzweifelten sie diesmal alle gemeinsam an den abgezockten, routinierten Katalanen. Die Berliner kämpften, sie rackerten und sie bäumten sich noch einmal auf: Aber näher als bis auf zwei Treffer kamen sie nach der Pause nicht mehr heran. Dika Mem, der ab 2027 für die Füchse spielen wird, aber noch Barcas Kapitän ist, führte die Katalanen in diesem umkämpften Endspiel (mit roten Karten gegen Barcas Ludovic Fabregas und Berlins Max Darj) zum Triumph.
Doppelte Silbermedaille für die Füchse
Zu allem Überfluss war es nicht die einzige Final-Niederlage der Berliner Handballer an diesem Tag. In der Youth Club Trophy, einer Art Champions League der Jugend, scheiterte die U18 am Sonntagvormittag ebenfalls im Endspiel. Gegen GOG Handbold musste das Team von Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning ein verdientes 26:32 hinnehmen. Eiszeit – der Eisbären-Newsletter. Jeden Donnerstag alles Wichtige von den Eisbären Berlin – Highlights, News und spannende Einblicke. Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu. So einte die Junioren wie die Profis, dass sie durchaus stolz auf ihre Leistungen dieses Wochenendes sein können. Am Ende einer langen Berliner Handballsaison aber eben nur mit der Silbermedaille dastanden.



