Felix Nmecha: Vom Fehleinkauf zum WM-Star der DFB-Elf
Felix Nmecha: Vom Fehleinkauf zum WM-Star

Ein neuer Star im DFB-Mittelpunkt: Felix Nmecha (25) zieht rund um unseren WM-Auftakt gegen Curacao (7:1) plötzlich die ganze Aufmerksamkeit auf sich: der wichtige Führungstreffer in Houston. Ein neuer spielerischer Taktgeber. Seine Gebetsrunde am Mittelkreis. Ganz viel Experten-Lob. Aber auch ein umstrittener Ruf.

Sein Glaube

Nmecha lieferte Szenen mit Seltenheitswert: Vor dem Spiel stieg Nmecha mit der Bibel aus dem Team-Bus, nach Abpfiff betete er mit Kollege Jonathan Tah (30) und fünf Curacao-Spielern auf dem Platz (BILD berichtete). Begründung: „Vom Ergebnis her ist es schön für uns, aber auch im Ganzen glauben wir alle, dass Jesus durch das Spiel verherrlicht wird. Deswegen haben zusammen gebetet.“

Nmecha ist bekennender Christ, wird der freikirchlich-evangelikalen Bewegung zugeordnet. Er positioniert seinen Glauben bewusst in der Öffentlichkeit. Tore bejubelt er oft mit Fingerzeig Richtung Himmel. Gute Leistungen erklärt er auch beim BVB in Interviews regelmäßig zu einem Geschenk Gottes. Auf seinem Instagram-Profil (368.000 Follower) schreibt er: „Fußball ist meine Leidenschaft, Jesus ist mein Fundament.“ Dort postet er auch Psalmen aus der Bibel und christliche Botschaften („He is risen“, „prayer works“). Teil seines Umfelds soll zudem die christliche Fußballer-Community „Ballers in God“ sein.

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Sein Ruf

Sein Glaube sorgte in der Vergangenheit mehrfach für Kontroversen. Einige Posts wurden von Kritikern als homophob gewertet. 2023 veröffentlichte er einen Post, in dem die LGBTQIA+-Bewegung mit dem Teufel verglichen wurde. Er teilte auch einen Beitrag des US-Rechtsextremisten Matt Walsh, der sich gegen die LGBTQ-Rechte stellt. Hinterher ordnete er seine Äußerungen jeweils distanzierend ein. Anfang dieser Saison sorgte Nmecha mit einem Post für Diskussionen, in dem er um den verstorbenen rechtsradikalen US-Aktivisten Charlie Kirk trauerte.

Der DFB hatte wegen eines Beitrags rund um sein Länderspieldebüt 2023 ein „Gespräch vor der nächsten Nominierung“ angekündigt. Sein BVB-Vertrag beinhaltet nach BILD-Informationen sogar eine Klausel, wonach bei Verstößen gegen Grundwerte des Vereins empfindliche Strafen drohen.

Seine Spielweise

Nmecha ist beim BVB und zunehmend auch beim DFB der entscheidende Schlüsselspieler. BILD-Experte Lothar Matthäus (65) prognostizierte: „Ich glaube, dass Nmecha für mich ein Spieler ist, der bei dieser WM durch die Decke schießen kann.“ Kollege Kai Havertz (26) betonte nun auf BILD-Nachfrage: „Er hat alles. So ein gutes Gesamtpaket: offensiv, intensiv, am Ball überragend, groß, körperlich stark.“

Nmechas Spielweise: Er erobert Bälle in der Defensive, lenkt mit seiner Übersicht das Spiel, schleppt die Bälle aus der Tiefe in die gefährliche Zone und füttert die Offensiv-Stars mit Pässen. Entscheidend für seine Karriere war nach BILD-Infos auch ein Gespräch mit BVB-Trainer Niko Kovac (54) auf der vorherigen gemeinsamen Station in Wolfsburg. Spieler und Coach hatten zunächst unterschiedliche Auffassungen über die Position, Kovac machte ihm im Einzelgespräch klar, dass Nmecha auf der „Sechs“ die größten Qualitäten habe.

Von dort aber steigt seine Torgefahr: Fünf Saison-Pflichtspieltreffer für den BVB, gegen Curacao machte er häufig den Weg in die Spitze. Wegen seiner athletischen Figur und seiner langen Beine hatten Mitspieler ihm beim BVB mal den Spitznamen „Krake“ verpasst. Auch Bundestrainer Julian Nagelsmann (38) ist großer Bewunderer der Nmecha-Qualitäten, hielt ihm den WM-Platz auch während seiner Verletzungsphase offen und gab ihm den Vorzug vor Konkurrent Leon Goretzka (31). Bislang eine Entscheidung mit sportlicher Tragweite.

Sein Vertrag

Nmecha galt nach seinem 30-Mio.-Transfer aus Wolfsburg zum BVB zwischenzeitlich als überteuerter Fehleinkauf, alle Beteiligten glaubten aber stets an die steile Entwicklung. Inzwischen ist er 50 Mio. Euro wert, verdient rund zehn Mio. Euro Gehalt plus Boni pro Saison. In seinem neuen BVB-Vertrag bis 2030 soll nach BILD-Info eine Ausstiegsklausel enthalten sein: 2027 soll er für 80 Mio., 2028 für 70 Mio. Euro vorzeitig gekauft werden können. Real Madrid hat ihn nach BILD-Info bereits seit Längerem unter Beobachtung, auch englische Klubs wie Manchester United und City.

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Sein Umfeld

Nmecha, der mit zweitem Vornamen Kalu heißt, hätte auch für England oder Nigeria spielen können! Sein Vater ist Nigerianer, seine Mutter Deutsche, Nmecha wuchs nach Geburt in Hamburg in England auf. In der Jugend spielte er für Manchester City, wechselte mehrfach zwischen den U-Teams des DFB und der FA. Die Entscheidung pro Deutschland fiel erst in der U21.

Übrigens: Bruder Lukas Nmecha (27) spielte lange vor ihm in der Nationalelf, machte zwischen 2021 und 2022 sieben Länderspiele. Vergangenen Sommer wechselte er ablösefrei aus Wolfsburg zu Leeds United in die Premier League.