Die Entscheidung der FIFA, die Rotsperre für US-Stürmer Folarin Balogun für das WM-Achtelfinale aufzuheben, sorgt bei Sportrechtsexperten für Empörung. Der Münchner Fachanwalt für Sportrecht, Thomas Summerer, erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: „Der Beschluss der FIFA, die Rote Karte für das nächste Spiel aufzuheben und zur Bewährung auszusetzen, ist rechtswidrig. Die FIFA ignoriert die fundamentalen Grundsätze des Sportrechts, nämlich Regeltreue und die Unumstößlichkeit von Tatsachenentscheidungen durch die Schiedsrichter.“
Kein Ermessensspielraum bei Roter Karte
Der 25-jährige Balogun hatte im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina die Rote Karte gesehen. Laut übereinstimmenden Medienberichten soll US-Präsident Donald Trump bei FIFA-Boss Gianni Infantino angerufen und Druck ausgeübt haben, die Sperre zu überprüfen. Summerer betonte: „Die Sperre für das nächste Spiel tritt automatisch in Kraft und eröffnet keinen Ermessensspielraum. Das hatte die FIFA in einem Schreiben an die Fußballverbände vor Beginn der WM sogar noch bekräftigt. Deshalb ist ein Rückgriff auf die Aussetzungsoption nach Artikel 27 Disziplinar-Code systemwidrig.“
Juristische Folgen bei US-Sieg mit Balogun möglich
Der Fall könnte weitreichende juristische Konsequenzen haben. Summerer, Präsident der Deutschen Vereinigung für Sportrecht, warnte: „Falls der Spieler im nächsten Spiel eingesetzt wird, ist dieses Spiel durch einen Verstoß gegen die Statuten infiziert und würde dazu führen, dass Belgien im Fall einer Niederlage das Ergebnis anfechten kann. Damit wäre der gesamte weitere Turnierverlauf gefährdet. Im Übrigen hat die FIFA durch diesen Fauxpas ihren eigenen Slogan 'For the good of the game' ins Gegenteil verkehrt.“
Auch der Sportrechts-Anwalt Christoph Schickhardt zeigte sich verständnislos. Er sagte der „Ludwigsburger Kreiszeitung“: „Die Regel, dass ein Platzverweis mindestens ein Spiel Sperre bedeutet, ist eingemeißelt in das internationale Sportrecht. Das ist eine Grundregel, die unerschütterlich ist. Der ganze Vorgang wirft eindeutig Fragen auf. Unter erfahrenen Sportrechtlern löst das nur Kopfschütteln aus, weil so ein Fall eigentlich ausdiskutiert ist.“
Die FIFA selbst hat sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert. Der Fall Balogun könnte jedoch ein Präzedenzfall werden, der die Glaubwürdigkeit des Weltverbandes weiter untergräbt. Sollte die USA mit Balogun das Achtelfinale gewinnen, drohen nicht nur sportliche, sondern auch rechtliche Turbulenzen.



