FIFA führt Werbe-Trinkpausen bei WM ein - Kontroverse um Kommerz
Bei der anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada steht eine grundlegende Veränderung bevor: Die FIFA plant die Einführung von Werbe-Trinkpausen, die das Spiel in Viertel unterteilen. Diese Neuerung sorgt für hitzige Debatten unter Experten und Fans gleichermaßen.
Pro: Der letzte Bollwerk fällt
Von Felix Alex
In den vergangenen Jahren gab es zahlreiche Einschnitte in den traditionellen Fußball. Von der Torlinientechnik über den Videobeweis bis hin zu Wechselfenstern – all diese Veränderungen verfolgten zumindest im Kern das Ziel, den Sport gerechter zu gestalten. Mit der Einführung der Werbe-Trinkpausen bei der WM zerbricht nun jedoch etwas endgültig: Der Fußball unterwirft sich vollständig dem Kommerz.
Es handelt sich keineswegs um eine Nutzung natürlich entstehender Pausen, wie es den Fans gerne verkauft wird. Vielmehr sind diese streng geplanten Unterbrechungen bei jedem Wetter ausschließlich dazu da, zahlungskräftigen Werbekunden eine Bühne zu bieten – mitten im Spielgeschehen. Die Fußballbranche beugt sich damit dem Diktat des Geldes, und die Reaktion der Fans bleibt bemerkenswert verhalten.
„Ab sofort scheint alles egal. Was soll da noch kommen? Die Fußballbranche unterwirft sich damit vollends dem Diktat des Geldes, und die Fans reagieren kaum.“
Zwar betrifft diese Neuerung zunächst nur die WM in Nordamerika, doch dies ist mit Sicherheit nur der Anfang. Wenn Werbekunden kräftig investieren, werden Wettbewerbe wie die Champions League und möglicherweise nationale Ligen nachziehen. Der Aufschrei wird dann groß sein, doch die Argumente fehlen: Bei der WM hat es schließlich niemanden gestört.
Die Fans sollten sich daher jetzt der Tragweite dieser Veränderung bewusst sein. Sie verändert das Spiel fundamental und wird weitere Kommerzialisierungen nach sich ziehen. Denn ab dem Sommer ist der Fußball, wie wir ihn jahrzehntelang kannten, endgültig dem Kommerz unterworfen.
Contra: Kein großer Eingriff ins Spielgeschehen
Von Martin Deck
Zugegeben: Mehr Unterbrechungen des Spielgeschehens wünscht sich kein Fußballfan – schon gar nicht zu Werbezwecken. Doch der Plan der FIFA, bei der WM Trinkpausen einzuführen und Fernsehsendern in diesen Pausen Werbung zu erlauben, ist bei weitem nicht so dramatisch, wie von Traditionalisten dargestellt.
Der Eingriff hält sich mit drei Minuten pro Spiel in Grenzen, wovon laut FIFA-Vorgaben nur 130 Sekunden für Werbung genutzt werden dürfen. Zudem sind zusätzliche Pausen in der Hitze Nordamerikas während der Sommermonate nach den Erfahrungen der Club-WM im Vorjahr dringend notwendig.
Dass die FIFA versucht, aus jeder Möglichkeit zusätzliche Einnahmen zu generieren, ist alles andere als überraschend. Der Ärger der Fans sollte sich daher in Grenzen halten. Ob sie den Spielern beim Trinken zusehen oder die kurze Pause für eigene Erfrischungen nutzen, dürfte den meisten relativ egal sein – insbesondere in Deutschland.
Die meisten Zuschauer hierzulande werden von der Zusatzwerbung ohnehin nichts mitbekommen. Wer die Spiele der Nationalmannschaft nicht bei MagentaTV, sondern in den öffentlich-rechtlichen Sendern verfolgt, läuft keine Gefahr, durch neue Werbeblöcke etwas Entscheidendes zu verpassen. Der Rundfunkstaatsvertrag verbietet ARD und ZDF Werbung nach 20 Uhr.
Daher heißt es für alle Fans am Fernseher: Ruhig bleiben und sich über die neuen Möglichkeiten für Toilettengänge oder Getränkenachschub freuen.
Auswirkungen auf den Fußball
Die Einführung der Werbe-Trinkpausen markiert einen Wendepunkt im Profifußball:
- Strukturänderung: Die Partien werden künftig in Viertel unterteilt, was eine neue Spielablaufstruktur bedeutet.
- Kommerzialisierung: Der direkte Eingriff ins Spielgeschehen zu Werbezwecken setzt neue Maßstäbe.
- Fanreaktionen: Die bisher verhaltenen Reaktionen der Fans könnten sich ändern, wenn ähnliche Neuerungen in nationalen Ligen Einzug halten.
- Mediale Verbreitung: Die Auswirkungen variieren je nach Sender, wobei öffentlich-rechtliche Programme von Werbeeinschüben verschont bleiben.
Die Diskussion um diese Neuerung zeigt, wie sehr sich der Fußball in den letzten Jahren gewandelt hat. Während einige den traditionellen Charakter des Sports bedroht sehen, betrachten andere die Veränderungen als unvermeidliche Anpassung an moderne Vermarktungsstrategien.



