Samir Arabi (47) war sich bewusst, dass er eine Mammutaufgabe übernimmt. Dass Fortuna in einem desolaten Zustand steckt, sehen selbst Außenstehende sofort. Wie schlimm es wirklich ist, merkt man jedoch erst, wenn man tief im Verein drinsteckt, wo an der Spitze toxische Kräfte walten.
Probleme mit dem Aufsichtsrat
Arabi wird gerade eindrucksvoll vor Augen geführt, warum seine Vorgänger Klaus Allofs (69) und Sven Mislintat (53) so große Schwierigkeiten mit dem Aufsichtsrat hatten. Das Gremium ist mittlerweile dafür berüchtigt, Dinge in Aussicht zu stellen, die einfach nicht umgesetzt werden. Ein Beispiel: Mislintat versuchte wochenlang vergeblich, unter ihm eine Direktoren-Ebene aufzubauen. Da es dort überhaupt nicht voranging, musste er im Sport nahezu alleine arbeiten – so wie nun Arabi.
Leere Versprechen
Leere Versprechen sind beim Kontrollgremium an der Tagesordnung. Bei der Vorstellung von Arabi meinte AR-Chef Björn Borgerding (44): „Wir übernehmen Verantwortung und werden so früh es geht eine Mitgliederversammlung stattfinden lassen.“ Das Problem: Diese Ansage war laut BILD-Informationen nicht abgesprochen und ist gar nicht zu halten. Viel früher als am bisher angedachten 15. November kann keine richtige Mitgliederversammlung mit AR-Wahlen und finanzieller Jahresbilanz stattfinden, weil eine längere Vorbereitungszeit nötig ist und der Finanzbericht erst im September fertig wird. Mehr als zwei oder bestenfalls drei Wochen früher ist die MV nicht möglich. Bis dahin werden längst Mitgliederforen stattgefunden haben.
Solche Vorgänge haben Methode beim ehrenamtlich arbeitenden Kontrollgremium. Die eigene Haut zu retten, steht offenbar ganz oben auf der To-do-Liste. Ein weiteres Beispiel: Aktuell ist ein Aufreger, dass Mislintat für die 3. Liga viel zu teure Verträge abgeschlossen habe – alles abgenickt vom Aufsichtsrat, gemotzt wird dennoch nur über Mislintat. Da stellt sich die Frage: Was kontrolliert das Kontrollgremium eigentlich? Oder ist es eher ein „Außer-Kontrolle-Gremium“? Gemeckert wurde auch nach der Einstellung von Alexander Ende (46), dass Friedhelm Funkel (72) hätte kommen sollen. Vorher war das Gremium noch den Weg mitgegangen – wie es auch erlaubt hatte, dass Allofs und Christian Weber (42) so gut wie keine Verträge für die 3. Liga abschlossen. Die Folgen sind bekannt: Die Entlassung von 67 Mitarbeitern der Geschäftsstelle bleibt die mit Abstand größte Ungerechtigkeit.
Interne Streitigkeiten
In den letzten Wochen war oft von der notwendigen Strukturänderung die Rede. Jetzt wird klar, was damit gemeint ist: Mit einem so arbeitenden Aufsichtsrat kann ein Verein nicht erfolgreich sein. Schlechte Entscheidungen, keine Fehlerkultur, Rechthaberei, falsche Versprechen und menschlich bedenkliches Verhalten wie beim unwürdigen Aus für Arnd Hovemann (52) prägen das Bild.
Aber wie soll der AR als Einheit stark sein, wenn er untereinander zerstritten ist? Laut BILD-Informationen sorgen zwei Themen für Zündstoff. Erstens gibt es eine „Ich habe es euch doch gesagt“-Mentalität: Einige scheinen sich über den Absturz zu freuen, weil ihre Vorschläge nicht übernommen wurden. Zweitens wird heftig diskutiert, dass Transfer-Interna immer genau dann bekannt werden, wenn der Vorstand mit dem Aufsichtsrat gesprochen hat – teilweise dauert es keine Stunde, bis Berichte über neue Spieler oder Vertragsinhalte online sind. Ein Zufall? Auf den ersten Blick scheint ein früher Leak nicht schädlich, auf den zweiten ist es katastrophal: Eine Vertrauensbasis zwischen Vorstand und Aufsichtsrat gibt es so gar nicht, und im Gremium selbst auch immer weniger. Ein Insider zu BILD: „Die bekriegen sich gerade!“
Trotz allem Mist, den die Fans in den letzten Monaten ertragen mussten, halten sie dem Verein die Stange: Am ersten Tag gab es bereits 6.000 Dauerkartenbestellungen – für die 3. Liga. Zum Dank spielt Düsseldorf weiter munter das Intrigantenstadl, viel zu oft geht es nur um eigene Befindlichkeiten. Dazu passt: Niemand aus dem Aufsichtsrat hat bisher gesagt, er würde nach all dem, was verbockt wurde, auf eine Wiederwahl im November verzichten. Dabei könnte der Verein auf das Gremium total verzichten, wenn es so arbeitet. Der Fisch stinkt vom Kopf? Bei Fortuna gewaltig!



