Ghana-Coach Otto Addo vor Deutschland-Spiel: „Ein ganz besonderes Duell“
Die Vorfreude bei Ghanas Nationaltrainer Otto Addo auf das Länderspiel gegen Deutschland ist trotz einer enttäuschenden Generalprobe ungebrochen groß. „Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen, lebe jetzt in Düsseldorf – für mich wird das ein ganz besonderes Spiel“, betonte der 50-Jährige im Interview der Funke-Mediengruppe. Das Testspiel der beiden WM-Teilnehmer am Montagabend in Stuttgart ist jedoch eher zufällig zustande gekommen.
Zufällige Planung beim Frühstück in Washington
„Das haben wir beim Frühstück in Washington eingefädelt“, verriet Addo. Der ghanaische Fußballverband war während der WM-Auslosung im selben Hotel wie der Deutsche Fußball-Bund untergebracht. „Als dann feststand, dass Deutschland gegen die Elfenbeinküste spielen wird, wurde ich von Julian Nagelsmann, Rudi Völler und Andreas Rettig gefragt, ob wir an einem Testspiel Interesse hätten“, erklärte der Trainer, dessen Mannschaft am Freitagabend noch mit 1:5 gegen Österreich verlor.
Ghana fühlt sich in Außenseiterrolle wohl
Bei der in den USA, Kanada und Mexiko stattfindenden WM trifft Ghana in der Gruppenphase auf England, Kroatien und Panama. „Wir haben nichts zu verlieren“, sagte Addo. Teams wie Ghana würden häufig unterschätzt, „und genau das kann unsere Chance sein“, so der Ex-Bundesligaprofi, der seine Mannschaft bewusst in der Underdog-Position sieht.
Überraschende Nominierungen im Kader
Im Kader für die Partie gegen die DFB-Auswahl stehen unter anderem:
- Derrick Köhn von Union Berlin
- Jonas Adjetey vom VfL Wolfsburg
- Innenverteidiger Patric Pfeiffer von Zweitligist Darmstadt 98
„Ich freue mich für Patric, dass er sich aufgrund seiner Leistungen wieder für die Nationalmannschaft empfohlen hat“, sagte Addo. Zudem wurde Stürmer Ransford Königsdörffer vom Hamburger SV nachnominiert, was weitere Überraschung im Aufgebot bedeutet.
Beeindruckende Worte gegen Rassismus
Addo, dessen Eltern aus Ghana stammen und der sich seit Jahren gegen Diskriminierung engagiert, fand in dem Interview auch deutliche Worte zum Thema Rassismus. Besonders beeindruckt zeigte er sich von der viel beachteten Rede Vincent Kompanys. Bayern Münchens Trainer hatte sich vor einigen Wochen nach mutmaßlich rassistischen Beleidigungen gegen Real Madrids Vinícius Junior klar positioniert.
„Die Rede war überragend“, sagte Addo, der mit Kompany in der Saison 2007/2008 noch gemeinsam beim HSV spielte. Kompany habe das Thema differenziert erklärt und deutlich gemacht, dass es keine Rechtfertigung für rassistische Äußerungen gebe. Diese klare Haltung findet bei Addo großen Anklang und unterstreicht sein eigenes Engagement gegen Diskriminierung im Fußball.



