Gündoğans Warnung vor Überlastung trifft auf Draxlers Kritik
Der ehemalige Nationalspieler İlkay Gündoğan hat sich auf der Plattform LinkedIn besorgt über die zunehmende Belastung von Fußball-Profis geäußert. Der 35-Jährige schreibt: „Zwischen neuen Champions-League-Formaten, der erweiterten Fifa-Weltmeisterschaft und Klub-Weltmeisterschaft bewegen wir uns auf dünnem Eis.“ Er betont, dass die langfristigen körperlichen und psychischen Folgen für die Spieler noch nicht absehbar seien und fordert einen gesunden Dialog zwischen wirtschaftlichen Interessen und dem Wohlergehen der Hauptakteure.
Draxler: Das Gejammer der Multi-Millionäre
Journalist Alfred Draxler reagiert mit deutlichen Worten auf Gündoğans Äußerungen. „Ich kann das Gejammer der Multi-Millionäre in kurzen Hosen nicht mehr hören! Es geht mir auf den Geist!“, so Draxler. Er hinterfragt, warum es immer mehr Wettbewerbe und Spiele gebe – und liefert gleich die Antwort: „Vor allem, weil die Hauptakteure für ihr finanzielles Wohlergehen immer mehr Geld einfordern und auch bekommen.“
Draxler verweist auf die exorbitanten Gehälter im Profifußball. Beim FC Bayern seien 20 Millionen Euro Jahresgehalt und mehr fast schon normal, dazu kämen hohe Signing Fees bei Vertragsverlängerungen. Auch Gündoğan habe bei Barcelona und Manchester City sicher nicht schlecht verdient. „Es muss immer mehr Geld in das System Profi-Fußball gepumpt werden. Und das geht vor allem über mehr Spiele“, analysiert Draxler.
Die Rolle der Spielerberater
Ein weiterer Kritikpunkt sind die mächtigen Spielerberater, die zuletzt von Fußball-Größen wie Matthias Sammer, Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge scharf kritisiert wurden. Rummenigge brachte es auf den Punkt: „Beim letzten Transfermarkt haben die Berater 1,37 Milliarden Dollar eingenommen.“ Dieses Geld sei nicht mehr im Kreislauf des Profifußballs – es sei einfach weg.
Zurück auf Los mit Gehaltsobergrenze?
Draxler stellt die grundsätzliche Frage, wie lange die Fans noch bereit sein werden, viel Geld für Stadionbesuche oder Pay-TV-Abos zu bezahlen. „Irgendwann ist der Fußball vor die Wand gefahren“, warnt er. Als radikale Lösung schlägt er vor, noch einmal von vorne anzufangen und eine Gehaltsobergrenze einzuführen – vielleicht bei 2 oder 3 Millionen Euro pro Saison.
„Das ist immer noch sehr viel Geld“, so Draxler. „Dann gäbe es auch keine Agenten mehr, weil es ja nicht mehr viel zu verhandeln gäbe. Und dann könnte man auch wieder die Anzahl der Spiele ein bisschen reduzieren.“ Der Journalist gibt jedoch zu, dass dieser Vorschlag blauäugig sein mag und schwer durchzusetzen wäre. Auch von Gündoğan erwartet er keine Zustimmung – der Ex-Profi habe schließlich nichts über Gehaltsverzicht bei weniger Spielen geschrieben.
Die Diskussion zeigt die tiefe Spaltung im modernen Fußball: Einerseits die berechtigte Sorge um die Gesundheit der Spieler, andererseits die ungebremste Finanzspirale, die immer mehr Spiele und immer höhere Gehälter erfordert. Eine Lösung ist nicht in Sicht, doch die Debatte wird weitergehen.



