Pionierin Grings verurteilt Sexismus gegen erste Cheftrainerin der Bundesliga
Als Wegbereiterin im Männerfußball hat Inka Grings klare Worte für den Sexismus gefunden, der derzeit Marie-Louise Eta bei Union Berlin entgegenschlägt. Die 47-jährige ehemalige Nationalspielerin, die 2019 beim SV Straelen als erste Frau einen Männerverein der ersten vier Ligen trainierte, bezeichnete solche Äußerungen als widerwärtig und zeigte sich schockiert über die gesellschaftlichen Tendenzen.
Ein historischer Schritt für Union Berlin
Grings betonte im Gespräch mit dem SID, dass die Ernennung von Marie-Louise Eta zur Cheftrainerin bei Union Berlin bis zum Saisonende ein „ganz großartiger“ und längst überfälliger Schritt sei. „In der Stärke und der Außendarstellung ist das ein richtiger, logischer Schritt, der mich als Frau sehr, sehr freut“, so die zweimalige Europameisterin. Sie sieht sich selbst als Pionierin, die den Weg für solche Entwicklungen geebnet hat, und erinnert sich an ihre eigene Zeit beim SV Straelen, die medial extrem aufgeladen war, aber von den Spielern positiv aufgenommen wurde.
Keine geschlechtsbedingten Konflikte erwartet
Die erfahrene Trainerin erwartet für Eta keine Probleme mit den Spielern aufgrund ihres Geschlechts. „Diese Problematik wird nicht bestehen“, sagte Grings und fügte hinzu, dass die Spieler einfach die Anweisungen des Trainerstabs befolgen müssten – andernfalls würden andere zum Zug kommen. Sie berichtete von ihrer eigenen Erfahrung mit einem muslimischen Nationalspieler aus Tunesien, der nach ihrem Abschied bedauerte, dass sie ging, und bis heute Kontakt zu ihr hält.
Sexismus als gesellschaftliches Problem
Den Sexismus gegen Eta auf Social-Media-Plattformen verurteilte Grings scharf. „Die Schwachköpfe, die diese Äußerungen tätigen, interessieren mich wenig. Dumme Sprüche aus der Ferne sind immer einfach“, erklärte sie. Gleichzeitig zeigte sie sich besorgt über das Bild, das dies von der Gesellschaft zeichnet, betonte aber, dass es nur einen kleinen Teil betreffe. Die Personalie Eta könne der Gesellschaft insgesamt gut tun, da es nicht ums Geschlecht, sondern um Erfahrung, Kompetenz und Qualifikation gehe – ein Punkt, den Grings nicht mehr hören könne und der sie müde mache.
Insgesamt unterstreicht Grings' Stellungnahme die Bedeutung von Diversität und Professionalität im Fußball und setzt ein starkes Zeichen gegen Diskriminierung.



