Hertha BSC: Ernüchternde Bilanz der Transfers von Sportdirektor Benjamin Weber
Geld schießt keine Tore – diese alte Fußballweisheit bewahrheitet sich bei Hertha BSC auf schmerzhafte Weise. Das 2:5-Debakel in Paderborn hat den Aufstiegstraum der Berliner endgültig platzen lassen und die Saison vorzeitig beendet. Nun steht CEO Peter Görlich vor der schwierigen Aufgabe der Aufarbeitung. Im Fokus steht dabei der Zweitliga-Luxuskader von Sportdirektor Benjamin Weber, der seit Januar 2023 die Transfergeschäfte verantwortet.
Die Transfers im Detail: Viele Flops, wenige Erfolge
Die Analyse der Weberschen Transfers offenbart eine ernüchternde Bilanz. In der Wintersaison 2022/2023 kam Tolga Ciğerci für 350.000 Euro von MKE Ankaragücü – sein Marktwert sank von damals einer Million auf heute 175.000 Euro. Der Sommer 2023/2024 brachte zahlreiche ablösefreie Verpflichtungen wie Jeremy Dudziak, Anderson Lucoqui und Smail Prevljak, deren Werte ebenfalls deutlich fielen.
Einige Spieler kosteten Ablösesummen: Marius Gersbeck wechselte für 300.000 Euro vom Karlsruher SC, Palkó Dárdai für 800.000 Euro vom FC Fehérvár. Besonders enttäuschend entwickelten sich Bilal Hussein (Ablöse: 350.000 Euro) und Andreas Bouchalakis (Ablöse: 400.000 Euro), deren Marktwerte dramatisch einbrachen.
Wenige Lichtblicke in der Transferhistorie
Nur zwei Spieler stechen positiv hervor: Haris Tabakovic, der für 500.000 Euro von Austria Wien kam und für drei Millionen Euro an Borussia Mönchengladbach verkauft wurde, steigerte seinen Marktwert von 2,2 auf drei Millionen Euro. Michaël Cuisance, für 300.000 Euro von Venizia verpflichtet, erhöhte seinen Wert von 1,8 auf 3,5 Millionen Euro.
Die jüngsten Transfers der Saison 2025/2026 umfassen Leihgaben wie Maurice Krattenmacher vom FC Bayern und ablösefreie Verpflichtungen wie Sebastian Grönning von Ingolstadt. Mit David Kownacki (Leihgebühr: 500.000 Euro) und Josip Brekalo (ablösefrei) kamen weitere namhafte Spieler nach Berlin.
Wirtschaftliche Zwänge und sportliche Realität
Hertha BSC steht unter erheblichem finanziellen Druck. Sportdirektor Weber muss jedes Jahr den Balanceakt meistern, durch Verkäufe dringend benötigte Einnahmen zu generieren und gleichzeitig einen konkurrenzfähigen Kader aufzubauen. Beim Verkauf von Top-Talenten wie Ibrahim Maza (12 Millionen Euro) und Derry Scherhant (2 Millionen Euro) bewies er Geschick, doch diese Abgänge rissen Qualitätslücken, die durch die meist ablösefreien Neuzugänge nicht geschlossen werden konnten.
Die Vertragsverlängerung von Fabian Reese zeigt Webers Verhandlungsgeschick, war jedoch kostspielig. Insgesamt bleibt die Bilanz enttäuschend: Nur Tabakovic entwickelte sich zum Volltreffer mit 25 Toren und einem Transferplus von 2,5 Millionen Euro. Für viele andere Spieler wurde Hertha zum Karriereknick.
Kosten-Nutzen-Analyse fällt negativ aus
Hertha BSC verfügt mit einem Gesamtmarktwert von 64 Millionen Euro und einem Personal-Etat von 23 Millionen Euro über den teuersten Kader der 2. Bundesliga. Sportlich entspricht dies jedoch nicht der Investition: Die Mannschaft liegt auf Platz 7 mit elf Punkten Rückstand auf die Aufstiegsplätze. Zum Vergleich: Die Profis von Elversberg verdienen etwa 15 Millionen Euro weniger.
Fazit: Viel investiert, zu wenig Ertrag – sowohl sportlich als auch wirtschaftlich. Die entscheidenden Fragen, die CEO Peter Görlich beantworten muss: Wird sich Hertha diesen teuren und sportlich mittelmäßigen Kader weiter leisten? Oder erfolgt im Sommer ein personeller Schnitt? Und vor allem: Wird Benjamin Weber im Sommer erneut den Kader gestalten dürfen?



