Hertha BSC: Keine Zeit für Trauer nach Pokal-Drama
Die Wunden sind noch frisch, doch die nächste Herausforderung wartet bereits. Nur vier Tage nach dem emotionalen Pokalaus gegen den SC Freiburg muss Hertha BSC im Berliner Olympiastadion gegen Hannover 96 antreten. Für Trainer Stefan Leitl und seine Mannschaft bedeutet dies: schnell umschalten, regenerieren und volle Konzentration auf das wichtige Ligaduell.
Mentale Regeneration im Fokus
„Wir müssen nicht nur physisch regenerieren, sondern vor allen Dingen mental“, betonte Herthas Trainer Stefan Leitl nach dem unglücklichen Pokalaus. Das Duell gegen den Bundesligisten Freiburg hatte die Berliner über 120 Minuten bis ins Elfmeterschießen gefordert – am Ende blieb die bittere Enttäuschung. Leitl reagierte mit einem ungewöhnlichen Schritt: Am Tag nach der Niederlage gab es kein Training, nicht einmal das übliche Auslaufen.
„Die Spieler sollten Körper und Geist komplett runterfahren“, erklärte der Trainer. Selbst am Folgetag blieb das Programm gemäßigt. „Ein ganz easy Aufgalopp“ sei das Training gewesen, so Leitl. „Das Thema Hannover hat noch nicht stattgefunden.“ Doch genau dieses Thema wird am Samstagmittag (13 Uhr) zur Realität.
Hannover 96: Der nächste anspruchsvolle Gegner
Die Niedersachsen präsentieren sich als einer der stärksten Kontrahenten der Saison. Hannover 96 ist nicht nur das zweitbeste Auswärtsteam der Liga, sondern nach drei Siegen in Folge auch die beste Rückrundenmannschaft der Zweiten Liga. „Qualitativ ist das eine Top-Mannschaft“, analysiert Leitl. „Die drei Wintertransfers unterstreichen noch mal eindeutig Hannovers Ambitionen.“
Wie Hertha BSC strebt auch Hannover 96 den Aufstieg in die Bundesliga an. Das direkte Duell könnte daher wegweisend sein. Bei einer Niederlage müssten die Berliner die Hannoveraner auf sieben Punkte davonziehen lassen. Ein Sieg würde den Abstand dagegen auf nur einen Punkt schrumpfen lassen.
Körperliche und mentale Herausforderungen
Das Pokalspiel gegen Freiburg endete erst kurz vor Mitternacht, viele Spieler kamen entsprechend spät zur Ruhe. „Das daraus resultierende Schlafdefizit ist nach wie vor vorhanden“, gibt Leitl zu bedenken. „Wir müssen uns einen guten Plan zurechtlegen, damit wir am Samstag genügend Körner haben.“
Die Statistik zeigt die Schwierigkeit solcher Situationen: Seit dem Abstieg 2023 hat Hertha zehn Pokalspiele bestritten. Von den Ligapartien danach ging exakt die Hälfte verloren, nur drei Begegnungen konnten gewonnen werden. Bei Pokalspielen in englischen Wochen fällt die Bilanz mit vier Niederlagen und zwei Siegen in den folgenden Ligaspielen sogar noch dürftiger aus.
Personelle Rotation erwartet
Vor dem dritten Spiel innerhalb kurzer Zeit dürfte die Rotation größer ausfallen als zuvor. Josip Brekalo, erst vor wenigen Tagen verpflichtet, könnte nach zwei Kurzeinsätzen erstmals in der Startelf stehen. Auch Jeremy Dudziak wäre ein Kandidat für mehr Spielzeit. Da Dawid Kownacki in der Liga noch zwei Spiele gesperrt ist, könnte zudem Luca Schuler wieder ins Team rücken.
„Mental sind die Jungs schon ordentlich beisammen“, berichtete Leitl nach der letzten Trainingseinheit. „Es arbeitet noch in jedem. Aber es wird nicht kaschiert mit übermäßiger Freude oder Sarkasmus.“ Die Mannschaft will das große Ziel Aufstieg nicht aus den Augen verlieren.
Benchmark für die kommenden Wochen
Kapitän Fabian Reese sieht im Pokalspiel gegen Freiburg eine wichtige Messlatte: „Das muss die Benchmark sein für die nächsten Wochen.“ Die Leistung gegen den Bundesligisten habe gezeigt, dass Hertha über genügend Qualität verfügt, um ernsthaft um den Aufstieg mitzuspielen.
Doch der Übergang vom Pokalfieber zurück in den Ligaalltag stellt eine besondere Herausforderung dar. „Es ist etwas anderes, jetzt wieder in den Ligaalltag zu kommen“, sagt Leitl. Die Aussicht auf ein Pokal-Halbfinale im eigenen Stadion hätte die Mannschaft zu besonderen Leistungen antreiben können. Nun gilt es, diese Energie in die Ligapartie gegen Hannover zu kanalisieren.
Für Hertha BSC beginnt am Samstag eine neue Bewährungsprobe. Nach dem Pokalaus müssen frische Beine und freie Köpfe gefunden werden, um gegen das starke Hannover-Team zu bestehen. Der Aufstiegstraum bleibt lebendig – doch er erfordert jetzt eine schnelle Reaktion auf die jüngste Enttäuschung.



