Hertha BSC: Warum sieben Punkte Rückstand noch lange nicht das Ende bedeuten
Beim Blick auf die aktuelle Tabelle der 2. Fußball-Bundesliga spricht auf den ersten Blick wenig für einen Aufstieg von Hertha BSC in die Bundesliga. Die Berliner liegen derzeit sieben Punkte hinter den Aufstiegsrängen. Doch ausgerechnet der Hamburger SV kann den Hauptstädtern jetzt Mut machen - jener HSV, der sieben lange Jahre im Fußball-Unterhaus festhing.
Das Hamburger Beispiel: Sieben Punkte in fünf Spielen
Der HSV liefert den lebendigen Beweis, dass sieben Punkte Rückstand noch lange kein Grund sind, das Aufstiegsrennen abzuhaken. In der Saison 2021/22 hatte Hamburg am 29. Spieltag, bei nur noch fünf ausstehenden Spielen, genau diesen Rückstand auf die Aufstiegsplätze. Mit fünf Siegen in Folge schafften die Norddeutschen dennoch den Sprung auf den Relegationsrang, auch wenn sie dort ausgerechnet an Hertha BSC scheiterten.
Heute ist es der Hauptstadt-Klub, der mit sieben Punkten Rückstand auf Platz drei blickt. Allerdings bei noch zwölf ausstehenden Spielen - das bedeutet maximal 36 Punkte, die noch zu holen sind. Herthas Kapitän Fabian Reese (28) bejubelte zwar den Anschlusstreffer im jüngsten Spiel gegen Hannover (2:3), doch die Niederlage war ein weiterer Nackenschlag. Dennoch zeigt Paul Seguin (30) nach dem Spiel Kampfgeist: „Wir haben es immer noch in eigener Hand und werden bis zum Ende daran glauben.“
Historische Aufholjagden: Frankfurt, Bochum und Paderborn
Die Geschichte der 2. Liga zeigt eindrucksvoll, dass Wunder durchaus möglich sind. Der größte Rückstand, den ein späterer Aufsteiger ab dem 22. Spieltag noch aufholte, betrug acht Punkte. Dieses Kunststück vollbrachten sowohl Eintracht Frankfurt in der Saison 2004/05 als auch der VfL Bochum 2001/02. Beide Teams starteten starke Serien und kletterten in den letzten zwölf Spieltagen jeweils noch auf Rang drei, der damals direkt für den Bundesliga-Aufstieg reichte.
Die wohl spektakulärste Aufholjagd legte jedoch der SC Paderborn in der Saison 2018/19 hin. Nach 25 Spieltagen lagen die Ostwestfalen, bei nur noch neun ausstehenden Partien, neun Punkte hinter dem Relegationsrang und sogar zwölf Punkte hinter dem zweitplatzierten HSV. Was dann folgte, war eine geradezu irre Serie: Paderborn marschierte durch, zog an der Konkurrenz vorbei und stieg am Ende als überraschender Zweiter direkt in die Bundesliga auf.
Das erste Endspiel wartet bereits
Um dem eigenen Wunder überhaupt eine Chance zu geben, muss Herthas Aufholjagd am kommenden Sonntag gegen genau diesen SC Paderborn (13.30 Uhr Anpfiff) mit einem Dreier beginnen. Dieses Spiel ist für die Berliner nichts anderes als das erste von vielen Endspielen, die in den verbleibenden zwölf Spieltagen auf sie warten.
Die Lage ist für Hertha BSC zweifellos bescheiden, aber eben nicht hoffnungslos. Die historischen Beispiele zeigen deutlich, dass selbst größere Rückstände in der Rückrunde noch aufgeholt werden können. Ob die Berliner diesen historischen Vorbildern folgen können, wird sich in den kommenden Wochen zeigen - beginnend mit dem entscheidenden Duell gegen Paderborn.



