Jonas Hofmann: Gelassenheit durch Erfahrung und Familie
Seit Jahren gehört Jonas Hofmann zum festen Inventar der Bundesliga, doch auch seine Karriere blieb nicht von Rückschlägen verschont. Im ausführlichen Interview mit SPORT1 spricht der Mittelfeldspieler von Bayer Leverkusen über Selbstkritik, mentale Stärke und die wertvollste Perspektive seines Lebens: den Blick seines Sohnes, der ihn mehr beruhigt als jeder Sieg auf dem Platz.
Zwischen Super Bowl und Bundesliga-Alltag
Derzeit bewegt sich Jonas Hofmann in unterschiedlichen Welten: zwischen der Faszination des Super Bowls, dem anspruchsvollen Bundesliga-Alltag, dem Champions-League-Comeback und dem privaten Vaterglück. Der Leverkusener Profi nutzte die spielfreien Tage, um das Football-Spektakel zu verfolgen, auch wenn er das Spiel selbst als "eher langweilig" beschreibt. "Die Amerikaner verstehen es, solche Shows aufzubauen", so Hofmann, der besonders die Halbzeitshow beeindruckend fand.
Selbstkritik trotz positiver Ergebnisse
Obwohl Bayer Leverkusen nach einem schwachen Saisonstart mit drei Niederlagen wieder in die Spur gefunden hat – mit vier Siegen und einem Remis in den letzten Spielen – bleibt die Mannschaft selbstkritisch. "Punktetechnisch auf jeden Fall viel Freude. Gleichzeitig wissen wir, dass wir spielerisch mehr können", analysiert Hofmann. Trainer Kasper Hjulmand habe sogar angemerkt, dass die Spieler vielleicht zu kritisch mit sich selbst umgehen würden. Nach Siegen gehe man direkt in die Analyse, anstatt sich zunächst über den Erfolg zu freuen.
Doch Hofmann sieht dies positiv: "Es zeigt, dass wir alle grundsätzlich gewillt sind, das Maximum aus uns herauszuholen." Der erste Sieg gegen Bremen, wenn auch kein "spielerischer Leckerbissen", habe dem Team Selbstvertrauen gegeben. "Fußball ist eben ein Ergebnissport, und daran werden wir gemessen", betont der 33-Jährige.
Führungsrolle in jungen Mannschaft
In einer Mannschaft mit vielen jungen Spielern sieht Hofmann seine Führungsrolle gewachsen. "Wenn der Trainer etwas anspricht, versuche ich das aufzugreifen und mit anderen Spielern – gerade mit den Jüngeren – ins Gespräch zu gehen", erklärt er. Er erinnere sich selbst daran, wie es war, als jüngerer Spieler: "Da hält man sich öfter eher zurück, will sich einfach auf die eigene Leistung konzentrieren und bloß keine Fehler machen."
Die wichtigste Führungsqualität zeige man jedoch immer mit der eigenen Leistung auf dem Platz. Nachdem Hofmann zunächst nicht für die Champions League nominiert worden war, freut er sich nun umso mehr über seine Rückkehr in den europäischen Wettbewerb. "Allein die Hymne zu hören, das hat etwas Magisches", schwärmt der erfahrene Profi.
Gelernte Gelassenheit bei Rückschlägen
Die Nicht-Nominierung für die Champions League im vergangenen Spätsommer habe ihn zwar überrascht, aber nicht verunsichert. "Ich konnte die Situation ganz gut einschätzen. Es war nie so, dass ich dachte: 'Ich habe es nicht mehr drauf.' Im Gegenteil: Ich wollte es jetzt erst recht beweisen", so Hofmann.
Der Umgang mit Rückschlägen habe sich im Laufe seiner Karriere deutlich verändert: "Als junger Spieler hätte mich so etwas vielleicht stärker getroffen, da reagiert man emotionaler. Heute gehe ich damit gelassener um. Ich habe gelernt, solche Rückschläge zu verarbeiten." Diese Entwicklung sei auch auf die Arbeit mit einem Mental-Coach zurückzuführen, die Hofmann als Stärke und nicht als Schwäche betrachtet.
Familie als wichtigster Anker
Die größte Veränderung in seinem Leben brachte jedoch die Vaterschaft. "Hundertprozentig hat das vieles verändert", gesteht Hofmann. "Wenn man mal ein schlechtes Spiel absolviert hat oder verliert – dann zu Hause ankommt und der eigene Sohn lacht dich an – ist alles sofort relativiert."
Diese Erfahrung teilt er mit Teamkollegen Robert Andrich und Janis Blaswich, die ebenfalls Väter geworden sind. "Man tauscht sich aus – so wie Mütter es eben auch tun", schmunzelt Hofmann. Diese Verbindung auf einer anderen Ebene helfe, den Druck des Profifußballs besser zu verarbeiten.
Ausgleich neben dem Fußball
Trotz des anspruchsvollen Fußballalltags findet Hofmann Zeit für andere Projekte wie seinen Wein "Nummer Sieben", den er gemeinsam mit Patrick Herrmann auf den Markt gebracht hat. "Ich bin kein Freund dieser antiquierten Aussage, dass Fußballer für nichts anderes mehr Zeit hätten", betont er. Wichtig seien ausgewogene Eltern, denn "wenn wir als Eltern ausgeglichen und glücklich sind, ist es das Kind auch."
Seine Gelassenheit im Umgang mit Erfolg und Kritik erklärt Hofmann mit seiner langjährigen Erfahrung: "Ich bin jetzt lange genug dabei, um zu wissen, dass genau das Teil des Geschäfts ist." Diese Reife, gepaart mit der Freude am Familienleben und dem ungebrochenen Ehrgeiz auf dem Platz, macht Jonas Hofmann zu einem wichtigen Stabilitätsfaktor für Bayer Leverkusen in einer Phase des Umbruchs und der Neuorientierung.



