Weltmeister Mats Hummels hat die Entwicklung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nach der WM 2010 scharf kritisiert. In einem Interview mit der „Bild am Sonntag“ sagte der Innenverteidiger: „Was ab 2010 gemacht wurde, war zu großen Teilen falsch.“ Er beklagte eine Abkehr von traditionellen deutschen Tugenden wie Disziplin und Kampfgeist.
Kritik an der Spielphilosophie
Hummels, der 2014 mit Deutschland Weltmeister wurde, bemängelt, dass der DFB zu sehr auf Ballbesitz und Kurzpässe setzte. „Wir haben versucht, Spanien zu kopieren, aber das lag uns nie“, so der 35-Jährige. Er fordert eine Rückbesinnung auf die Stärken: „Effizienz, Zweikampfstärke und Umschaltspiel – das ist deutsch.“
Auswirkungen auf die aktuelle Nationalmannschaft
Die Folgen dieser Fehlentwicklung seien heute noch spürbar. „Wir haben eine Generation von Spielern, die nicht mehr wissen, wie man defensive Arbeit leistet“, erklärte Hummels. Er verwies auf das frühe Aus bei der WM 2022 in Katar. „Da hat man gesehen, dass die Basis fehlt.“
Laut DFB-Statistiken sank die Zahl der Zweikämpfe pro Spiel von durchschnittlich 120 im Jahr 2010 auf nur noch 85 im Jahr 2022. Gleichzeitig stieg die Fehlerquote bei langen Bällen um 30 Prozent. Hummels forderte: „Wir müssen wieder lernen, schmutzige Spiele zu gewinnen.“
Hummels‘ eigene Rolle
Der Abwehrspieler, der 2023 aus der Nationalmannschaft zurücktrat, sieht sich selbst nicht als Teil des Problems. „Ich habe immer versucht, den Spagat zu schaffen: modern Fußball spielen, aber die alten Tugenden nicht vergessen.“ Er kritisierte jedoch, dass der DFB zu wenig auf erfahrene Spieler wie ihn gehört habe.
Reaktionen aus dem DFB
DFB-Sportdirektor Rudi Völler wies die Kritik zurück: „Jeder hat das Recht auf seine Meinung. Aber die Entwicklung nach 2010 hat uns den WM-Titel 2014 gebracht. Das war kein Zufall.“ Auch Bundestrainer Julian Nagelsmann äußerte sich: „Wir arbeiten daran, die Identität der Mannschaft zu schärfen. Mats‘ Worte sind ein Impuls, den wir ernst nehmen.“
Hummels‘ Aussagen lösten eine Debatte in den sozialen Medien aus. Experten wie Lothar Matthäus unterstützen den Ex-Nationalspieler: „Er hat recht. Wir haben unsere Wurzeln verloren.“ Andere, wie Ex-DFB-Chef Theo Zwanziger, sehen die Kritik als übertrieben: „Der Erfolg von 2014 spricht eine andere Sprache.“



