Das WM-Märchen der Kap Verden geht weiter. Sechs Tage nach dem sensationellen 0:0 gegen Titelfavorit Spanien erkämpfte sich der kleine Inselstaat ein 2:2 (1:2) gegen den zweimaligen Weltmeister Uruguay. Vor 64.003 Zuschauern in Miami brachte Kevin Pina Kap Verde mit dem ersten Tor in der WM-Geschichte des Landes in Führung. Der Defensivspieler aus der russischen Liga versenkte einen 25-Meter-Freistoß in der 21. Minute direkt.
Uruguays Doppelschlag vor der Pause
Kurz vor der Halbzeit kassierte das neue Lieblingsteam vieler Fußball-Fans zwei Gegentore in nur sieben Minuten: Maxi Araujo (44.) und Agustin Canobbio (45.+6) trafen für die ansonsten einfallslosen und erneut enttäuschenden Südamerikaner. Doch Kap Verde zeigte erneut ein großes Herz.
Slapstickartiger Ausgleich
Der drei Minuten vorher eingewechselte Helio Varela nutzte in der 61. Minute eine dramatische Fehlerkette Uruguays. Verteidiger Mathias Olivera spielte dem Torschützen den Ball völlig unbedrängt in den Fuß, und Keeper Fernando Muslera hatte unnötigerweise sein Tor verlassen. So gelang der Ausgleich, der die Außenseiter-Story weiterschrieb.
Torwart-Mama live im Stadion
Rund 25.000 Uruguayer machten die Partie zu einem Heimspiel für den Weltmeister von 1930 und 1950. Weltweit drückten viele Fans dem WM-Debütanten die Daumen. Dessen Geschichte von Torwart Vozinha, der über sich hinauswuchs und seine Mutter im Stadion vermisste, bewegte viele. Nach Klärung aller Visa-Probleme war Mama Ana Candida Evora diesmal live dabei. Sie schickte eine Video-Botschaft ans Team („Seid stark und mutig, blaue Haie!“) und sah Bemerkenswertes: Zum ersten Mal bei einem WM-Spiel waren beide Torhüter über 40. Anders als gegen Spanien bekam ihr Sohn diesmal kaum etwas zu tun.
Uruguay geschockt, Kap Verde kämpft
Uruguay zeigte sich durch den 0:1-Rückstand geschockt und blieb bis zum Doppelschlag komplett harmlos. Nach der Pause machte der Favorit den Fehler, die 2:1-Führung nur noch verwalten zu wollen. Das hielt Kap Verde im Spiel und führte zum slapstickartigen Ausgleich. In einer wilden Schlussphase drängte Uruguay auf ein drittes Tor, vergab aber mehrere Chancen: Ein Schuss von Brian Rodriguez wurde geblockt (86.), ein Freistoß von Fede Valverde flog knapp über das Tor (90.), und Canobbio schoss bei einem Konter daneben (90.+3).
VAR-Entscheidung und Abseitstor
Vozinha stand nur vorher noch einmal im Blickpunkt: Nach einem Eckball lenkte der Torwart den Ball an den Pfosten, Maxi Araujo staubte aus kurzer Distanz ab – doch Schiedsrichter und VAR entschieden auf Abseits (70.). Vozinhas Mutter tänzelte und zitterte auf der Tribüne mit.
Gegen den Gruppenletzten Saudi-Arabien hat der Außenseiter nun am kommenden Samstag die Chance, sich gleich bei seiner ersten WM-Teilnahme für die K.o.-Runde zu qualifizieren.



