Kap Verdes WM-Sensation gegen Spanien
Eine Ansammlung von Fußballern, die kaum jemand kannte, hat den großen Favoriten Spanien zum WM-Auftakt blamiert. Das 0:0 wurde von den Spielern des Turnierneulings Kap Verde wie ein Sieg gefeiert. Die Mannschaft hat zweifellos Geschichte geschrieben – und besteht dabei aus Spielern mit außergewöhnlichen Karrieren.
LinkedIn-Profi Roberto Lopes
Roberto Lopes dachte zunächst an eine Spam-Nachricht. Als der in Dublin geborene Verteidiger vor rund acht Jahren eine Nachricht auf Portugiesisch im Karriere-Netzwerk LinkedIn erhielt, ignorierte er sie. Erst als neun Monate später eine Nachricht auf Englisch mit der Frage kam, ob er über den Vorschlag nachgedacht habe, wurde Lopes stutzig. Er kopierte die erste Nachricht in einen Übersetzer und traute seinen Augen kaum: Es war ein Angebot, für die Nationalmannschaft von Kap Verde zu spielen. „Der Weg über LinkedIn war etwas ungewöhnlich, aber der Verband sagte mir, sie hätten Probleme gehabt, meinen Club zu kontaktieren“, erklärte Lopes. Der 33-Jährige, den alle nur Pico nennen, sagte sofort zu. Die Einladung verdankt er seinem Vater, der aus dem Inselstaat stammt und auf einem Kreuzfahrtschiff arbeitete, das vor Jahrzehnten in Dublin anlegte. Lopes hat sein ganzes Leben in Irland verbracht und dort für Bohemian FC und die Shamrock Rovers gespielt. Sein Großvater, der heute 98 Jahre alt ist, lebt noch in Kap Verde. „Ich habe heute alle Menschen repräsentiert, die mir beigestanden haben. Das war eine unglaubliche Motivation“, sagte Lopes.
Ex-Erfurter Sidny Lopes Cabral
Sidny Lopes Cabral ist mit 23 Jahren vergleichsweise jung, hat aber schon viel von der Fußballwelt gesehen – sogar Deutschland. Von 2022 bis 2024 kickte der linke Verteidiger bei Rot-Weiß Erfurt. „Ich lebe einen Traum“, sagte Lopes Cabral. „Vor vier Jahren war ich noch in der vierten Liga in Deutschland. Und nun habe ich bei der WM gegen Spanien ein Unentschieden erreicht. Ich kann das gar nicht glauben.“ Geboren und ausgebildet in den Niederlanden, ging es dort in der A-Jugend nicht weiter. Also zog er nach Schweden, von der U21 Helsingborgs nach Erfurt und später zu Viktoria Köln. „Die Jahre in Deutschland haben aus mir den Spieler gemacht, der ich heute bin“, sagte Cabral. Bei Viktoria wurden Scouts des portugiesischen Erstligisten Estrela Amadora auf ihn aufmerksam. Er wechselte im Sommer 2025 dorthin – und es kam der Durchbruch. Nur ein halbes Jahr später verpflichtete Benfica Lissabon mit Star-Trainer José Mourinho den Verteidiger für sechs Millionen Euro. In der kommenden Saison spielt er beim türkischen Pokalsieger Trabzonspor, der inklusive Bonuszahlungen fast zehn Millionen Euro für Cabral gezahlt haben soll. Davon profitiert auch Erfurt: Als Ausbildungsentschädigung erhielten die Thüringer bereits 50.000 Euro beim Wechsel zu Benfica. Nun könnten weitere 100.000 Euro folgen. „Wir haben den Jungen ausgebildet, hier hat er das Laufen gelernt. Jetzt hat er eine tolle Karriere und da sollten wir partizipieren“, sagte RWE-Manager Franz Gerber.
Torwart-Oldie Vozinha
Die Tränen von Vozinha unmittelbar nach dem Abpfiff gegen Spanien gingen um die Welt. Ebenso die Geschichte dahinter: die Gedanken an seine Großeltern, bei denen er aufgewachsen war und die vor einigen Jahren gestorben sind. Was der Torwart bis dahin nicht wusste: Er war plötzlich ein Social-Media-Star. Der brasilianische Sender Caze TV hatte in der Halbzeit dazu aufgerufen, Vozinha auf Instagram zu folgen, damit er mehr als 100.000 Follower erreicht. Vor dem Anpfiff waren es rund 20.000, am Ende des Spiels 1,5 Millionen, wenige Stunden später bereits 2,6 Millionen. Zum Vergleich: Kap Verde hat rund 600.000 Einwohner. Dabei hätte der 40-Jährige fast nicht im Tor gestanden. „Ich habe erst mit 25 Jahren angefangen, professionell Fußball zu spielen. Das ist schon recht spät“, berichtete der Keeper. „Und ich hatte darüber nachgedacht, aus dem Nationalteam zurückzutreten. Doch ich bin dabei geblieben, denn ich hatte diesen Traum von der WM.“



