Das Karl-Liebknecht-Stadion, liebevoll „KarLi“ genannt, feiert am Samstag seinen 50. Geburtstag. Die Arena im Babelsberger Kiez ist seit einem halben Jahrhundert Schauplatz unvergesslicher sportlicher Momente – von DDR-Oberliga-Spielen über Länderspiele bis hin zu Frauenfußball und American Football.
Einweihung mit einem 5:0-Sieg der DDR-Nationalmannschaft
Am 10. Juli 1976, drei Wochen vor dem Gewinn der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Montreal, legte die DDR-Nationalmannschaft unter Trainer Georg Buschner mit einem 5:0-Erfolg gegen die BSG Motor Babelsberg den Grundstein für eine Erfolgsgeschichte. Dieses Spiel war zugleich die Einweihung des Stadions. Potsdams Oberbürgermeisterin Noosha Aubel betont: „Wo einst DDR-Oberliga-Spiele, Länderspiele und Pokalfights stattfanden, sowie gestern und heute Spitzenfußball der Frauen und Männer begeistert, sind unzählige Erinnerungen entstanden. Das Karli ist weit mehr als ein Stadion – es ist ein Ort der Leidenschaft, des Miteinanders und der Identifikation mit unserer Stadt mitten im Kiez.“
Vom Sportplatz zur modernen Arena
Bereits ein halbes Jahrhundert vor dem Stadionbau wurde auf dem Gelände Fußball gespielt, damals in der Stadt Nowawes. Nach der Eingliederung in Potsdam durch die Nationalsozialisten und dem Zweiten Weltkrieg wurde ab 1949 auf dem Karl-Liebknecht-Sportplatz wieder gespielt. Anfang der 1970er Jahre entstanden Pläne für ein Stadion, der Bau begann 1974. Unter Mithilfe sowjetischer Militärfahrzeuge und Feierabendbrigaden entstand innerhalb von zwei Jahren die neue Arena – zur Enttäuschung der Leichtathleten ohne Laufbahn. Historiker Klaus Gallinat berichtete der „Märkischen Allgemeinen Zeitung“: „Die Sowjetarmee hat damals dabei geholfen, die Bäume zu beseitigen. Das Material für die Mauer zur Grenzstraße war tatsächlich laut dem Architekten und Planer aus Mauerteilen für die Grenze 'abgezweigt' worden.“
Rekordbesuch und einzigartige Flutlichtmasten
Bis zu 15.000 Zuschauer fasste das Stadion ursprünglich. Nur beim WM-Qualifikationsspiel 1977 gegen Malta war es voll besetzt – die Zuschauer sahen ein 9:0, den höchsten Länderspielerfolg der DDR-Geschichte. Elf weitere Länderspiele folgten. Im Alltag war Motor Babelsberg im KarLi beheimatet und pendelte zwischen zweiter und dritter Liga. Nach der Wende wurde der Verein in SV Babelsberg 03 umbenannt. Mit dem Aufstieg in die zweite Liga wurden auch die in Europa einzigartigen klappbaren Flutlichtmasten aufgestellt. Die 38 Meter hohen Masten haben ein Knickgelenk in 23 Metern Höhe und geben den Blick zwischen Flatow-Turm und Jagdschloss Stern frei. „Echt Potsdam eben“, sagt Aubel.
Erfolge der Frauen von Turbine Potsdam
Neben den unterklassig spielenden Babelsbergern sorgten vor allem die Frauen des sechsmaligen gesamtdeutschen Meisters Turbine Potsdam für Sternstunden. 2005 gewann die Mannschaft von Trainerlegende Bernd Schröder den UEFA Women’s Cup, fünf Jahre später die Champions League. Das Stadion wurde im Laufe der Jahre erneuert und bietet heute Platz für 10.000 Gäste. Aubel, die selbst häufiger im Familienblock steht, sagt: „Das Karli steht vor allem für emotionale sportliche Momente im Fußball der Frauen und Männer sowie für das unermüdliche Engagement der vielen Ehrenamtlichen, ohne die Vereinsleben nicht denkbar wäre. Die besondere Atmosphäre auf den Rängen, die Nähe zum Spielfeld und die Begeisterung der Zuschauerinnen und Zuschauer machen den Ort einzigartig.“
Festakt mit St. Pauli zum 50. Geburtstag
Am Samstag wird der 50. Geburtstag mit einem offiziellen Festakt gefeiert, bei dem auch Brandenburgs Sportminister Gordon Hoffmann erwartet wird. Regionalligist SV Babelsberg 03 begeht zugleich die Saisoneröffnung und empfängt ab 15:30 Uhr den FC St. Pauli. Möglicherweise werden die Gäste aus Hamburg ähnlich dominant auftreten wie vor 50 Jahren die DDR-Nationalmannschaft gegen Motor Babelsberg.



