Nach dem 0:3 im WM-Achtelfinale gegen Marokko ist die Enttäuschung im Gastgeberland Kanada groß. Bayern-Star Alphonso Davies (25) kam aufgrund von Beschwerden im linken Oberschenkel nicht zum Einsatz, was viele Fans auf Social Media gegen ihn aufbrachte.
Davies nur 15 Minuten bei Heim-WM
Der Kapitän der kanadischen Nationalmannschaft hatte sich am 6. Mai beim Halbfinal-Aus in der Champions League gegen Paris einen Muskelbündelriss im linken hinteren Oberschenkel zugezogen. Trotz intensiver Reha mit Fitness-Guru Matthias Blankenburg, den Davies extra aus München mit ins Kanada-Camp in die USA brachte, reichte es in der Gruppenphase zu keinem Einsatz. Erst im Sechzehntelfinale gegen Südafrika (1:0) kam der Superstar in der 75. Minute zu seinem Comeback nach siebeneinhalb Wochen – insgesamt nur 15 Minuten plus Nachspielzeit.
„Bleib in München – ich hoffe, Deutschland nimmt Dich für die Weltmeisterschaft 2030 in die Nationalmannschaft auf“, schrieb ein User. Ein anderer kritisierte: „10 Minuten in 5 Spielen – das ist eine unverschämte Bayern-Steuer.“ Tatsächlich waren es 15 Minuten, aber die Enttäuschung über den Kurzeinsatz des Linksverteidigers ist groß.
Verletzungshistorie zwang zur Vorsicht
Davies hatte in den vergangenen Monaten mit mehreren Verletzungen zu kämpfen: Neben dem Muskelbündelriss erlitt er im Februar 2026 eine Zerrung und einen Faserriss im rechten Oberschenkel sowie im März 2025 einen Kreuzbandriss im rechten Knie. Nationaltrainer Jesse Marsch vertraute Blankenburg bei der heiklen Reha, um ein erneutes Risiko zu vermeiden. „Das ist eine Verletzung, bei der man kein Risiko eingehen darf. Vor allem mit meiner Vorgeschichte mit Oberschenkelverletzungen. Ich hatte das jetzt dreimal hintereinander in den letzten drei, vier Monaten. Das ist etwas sehr Empfindliches – besonders bei meiner Spielweise, die viel auf Schnelligkeit und Laufen basiert“, erklärte Davies nach dem Spiel.
In der Halbzeitpause gegen Marokko lief sich Davies trotz eines unguten Gefühls warm. „Ich habe versucht zu sehen, wie es läuft – vielleicht hätte ich ja reinkommen können. Aber ich habe bei jedem Schritt etwas gespürt. Ich habe die Entscheidung getroffen, mich auf die Bank zu setzen und den Spielern die Chance zu geben, die für das Land 100 Prozent geben können“, so Davies. „Ich wollte keine Last sein. Jedes Mal, wenn ich spiele, will ich mein Bestes geben und dieses Spiel mit voller Freiheit und ohne Verletzungen bestreiten. Mental war es hart für mich, das Spiel anzusehen und zu wissen, dass ich nicht bei 100 Prozent bin.“
Marsch verteidigt Entscheidung
Kanada-Coach Jesse Marsch sagte nach dem WM-Aus: „Wir wollten auf Nummer sicher gehen und kein Risiko eingehen. Ich denke, das war die richtige Entscheidung.“ Aus Sicht vieler Fans nicht: Sie werfen Davies mangelnde Aufopferung und übertriebene Vorsicht mit Blick auf die kommende Bayern-Saison vor. Einige fordern sogar, ihm die Kapitänsbinde wegzunehmen. Dennoch erhielt Davies unter seinem Instagram-Post auch aufbauende Kommentare von Fans, die seine schwierige Situation verstehen.



