In der kleinen Küstenstadt Forrest Beach nördlich von Townsville im Nordosten Australiens sorgten sechs graue, kugelförmige Objekte für einen Großeinsatz der Feuerwehr. Die Funde seit Freitag lösten zunächst Rätselraten aus, doch am Montag gab die Australian Space Agency Entwarnung: Es handele sich um Druckbehälter einer Trägerrakete, also Weltraummüll. Die Behörde warnt die Bevölkerung jedoch dringend, die Gegenstände nicht zu berühren.
Herkunft der Kugeln geklärt
Laut Australian Space Agency stammen die Objekte wahrscheinlich von einer Rakete, die kürzlich aus ihrer Umlaufbahn in die Erdatmosphäre zurückgekehrt ist. „Die Gegenstände scheinen Druckbehälter einer Trägerrakete zu sein“, erklärte ein Behördenvertreter. Fundstelle und Beschaffenheit passen zu Überresten eines Raketenkörpers. Man arbeite mit ausländischen Behörden zusammen, um Rakete und Startland endgültig zu identifizieren. Trotz der Entwarnung lautet die Devise: „Vermutlichen Weltraummüll darf man auf keinen Fall anfassen, bewegen oder einsammeln“, so die Behörde. Finder sollten die Rettungsleitstelle verständigen.
Experten erklären das Phänomen
Alice Gorman, Professorin für Weltraumarchäologie an der Flinders University, bezeichnete den Vorfall als nichts Außergewöhnliches. Die kugelförmigen Druckbehälter gehören zu den häufigsten Sorten von Weltraummüll und werden umgangssprachlich „Space Balls“ genannt – nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen US-Komödie. „Viele Raketen und Raumfahrzeuge verfügen über Flüssigtreibstoffsysteme, bei denen die Treibstoffe unter hohem Druck in besonders robusten Druckbehältern gespeichert werden“, erläuterte Gorman dem Sender ABC. „Diese Komponenten des Treibstoffsystems überstehen den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre häufig, weil ihre Schmelzpunkte über den Temperaturen liegen, die dabei entstehen.“
Fundumstände und Reaktionen
Der Feuerwehr von Queensland zufolge wurden insgesamt sechs Gegenstände an den Strand gespült. Fünf seien in Behältern aufbewahrt worden, ein sechstes gesichert. Die Polizei leitet kein Ermittlungsverfahren ein. Dass es ausgerechnet Australien trifft, ist kein Zufall: „Weltraummüll kommt meistens über dem Meer herab, aber Australien hat eine riesige Landfläche, weshalb hier relativ viel Weltraummüll landet“, erklärte Gorman. Schätzungen zufolge befinden sich über 30.000 Trümmerteile in der Umlaufbahn, von funktionsfähigen Satelliten bis zu ausgedienten Raketensegmenten.
Lokale Folgen und Ausblick
Die mysteriösen Kugeln bescherten Forrest Beach unverhoffte Berühmtheit. Der lokale Imbiss „Forrest Beach Takeaway“ nahm eine „Weltraumschrott-Snackbox“ in sein Angebot auf und bewarb diese auf Facebook mit einem Außerirdischen und einer startenden Rakete. Die Space Agency hält es für möglich, dass weitere Trümmerteile an Land gespült werden. Gorman warnt: „Wir werden das öfter erleben – je mehr Raketenstarts, desto mehr Weltraummüll.“



