Trumps Ego-Trip: Feuerwerk zum 4. Juli erst nach 23 Uhr – Kinder diskriminiert
Trumps Ego-Trip: Feuerwerk zum 4. Juli erst nach 23 Uhr

Washington. Am Unabhängigkeitstag, dem 4. Juli, sollen in Washington 850.000 Feuerwerkskörper gezündet werden – ein Rekord. Doch das Spektakel beginnt erst nach 23 Uhr, denn Präsident Donald Trump will zuvor eine Rede halten. Für viele Kinder ist das viel zu spät.

Traditionell kinderfreundlich – diesmal nicht

Normalerweise ist der 4. Juli in der Hauptstadt ein Fest des kinderfreundlichen Patriotismus: Picknickdecke, klebrige Finger, Ballspiele, lauwarme Limonade auf der National Mall. Kurz vor halb zehn am Abend der erste große Knall am Washington Monument. Nach gut 20 Minuten Illumination schleppen tausende Eltern ihre übermüdeten Kinder zum Auto. So war es jahrelang. Dieses Jahr aber, zum 250. Geburtstag der Nation, wird das Feuerwerk zur Geisterstunde. Der Grund: Donald Trump will vorher zu seinem Volk reden.

Präsidiale Ansprache verschiebt Feuerwerk

Nach Planungen aus dem Weißen Haus soll Trump auf einer Bühne auf der National Mall ab etwa 22 Uhr eine 45-minütige Ansprache halten. Ein Vertreter des Secret Service sagte: „Er könnte eine halbe Stunde brauchen, er könnte auch länger brauchen.“ In Washington ist das die höfliche Formel für: Niemand weiß genau, wann dieser Präsident zum Punkt kommt. Noch-Bürgermeisterin Muriel Bowser sagte am Montag, das Feuerwerk werde „erst um 23 Uhr beginnen“. Freedom 250, die Trump-nahe Organisation hinter dem Programm, spricht von flexiblen Zeiten.

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Rekordverdächtiges Feuerwerk

Es wird nicht nur später, sondern auch sehr viel größer. Freedom 250 will den Guinness-Weltrekord für das größte Feuerwerk brechen. Geplant sind mehr als 850.000 Feuerwerkskörper in 40 Minuten. Zum Vergleich: Ein typisches Feuerwerk am 4. Juli auf der National Mall umfasst nach Angaben von Stephen Vitale, Chef der Firma Pyrotecnico, rund 20.000 Effekte. Diesmal wird von zehn Standorten geschossen: West Potomac Park, Reflecting Pool und Lastkähnen auf dem Potomac. Vitale hofft auf eine leichte Brise, damit der Rauch abzieht.

Trump inszeniert sich selbst

Für Trump ist das Spektakel keine bloße Geburtstagskerze. Er hat die Feier in sozialen Medien als „Kundgebung“ angekündigt, als „Trump Rally“ und „Tribute to America“. Kabinettsmitglieder und Kongressabgeordnete müssen teilnehmen. Dazu kommen militärische Überflüge und eine „riesige Formation aus 17 Flugzeugen“. Erstmals soll auch jene Boeing 747-8 gezeigt werden, die Katar den USA geschenkt hat und die künftig als Air Force One dienen soll. Ob Trump selbst in dem fliegenden Palast sitzen wird, war zunächst unklar.

Familien bleiben fern

Für Familien ist das alles unmajestätisch. Washington erwartet am Samstag Temperaturen um 40 Grad Celsius. Blitz und Donner nicht ausgeschlossen. Auf der Mall gelten Sicherheitsvorkehrungen wie bei einer Amtseinführung: Kontrollen auf TSA-Niveau, Kühlboxen und Liegestühle verboten, mehr als eine Flasche Wasser nicht erlaubt. Freedom 250 verweist auf vier kostenlose Trinkstationen für zehntausende Besucher – nicht gerade familienfreundlich. Bowser formulierte diplomatisch: Man dürfe bei dieser Hitze nicht vergessen, „dass es ein langer, langer Tag wird“. Sie rechne damit, dass Familien mit kleinen Kindern das Feuerwerk „im Fernsehen oder bei einer Veranstaltung in der Nachbarschaft“ anschauen. Übersetzt: Wer keinen Achtjährigen um Mitternacht aus der Sicherheitszone tragen will, sollte zu Hause bleiben.

Wetterrisiko und Sicherheitsbedenken

Und selbst 23 Uhr ist nicht sicher. Bei Gewitter könnte sich alles weiter verschieben. Laut National Weather Service liegt die Regenwahrscheinlichkeit bei 30 Prozent. Besonders kompliziert würde eine Evakuierung: Besucher müssten die Mall verlassen und später erneut durch die Kontrollen. Ein Feuerwerk in den ersten Stunden des 5. Juli sei nicht ausgeschlossen, sagte der Secret-Service-Vertreter. Für Kinder wäre das dann kein Independence Day mit „Aaaah“ und „Ooooh“, sondern eine Veranstaltung für Erwachsene.

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Stimmen zum Jubiläum

Danielle Alvarez, Beraterin von Freedom 250, nennt die Feier einen „Meilenstein, wie er nur einmal in einer Generation vorkommt“. „Das ist nicht einfach nur ein weiterer Unabhängigkeitstag. Es ist Amerikas 250.“ Pyrotecnico-Chef Vitale sprach von der Magie des Feuerwerks und davon, Erinnerungen zu schaffen, „die die Menschen über Generationen hinweg bewahren werden“. Feuerwerk kann etwas Kindliches freisetzen: den gemeinsamen Blick nach oben, das Schweigen vor dem ersten Knall, das kollektive Aufstöhnen. Doch benötigt so ein Feuerwerk 45 Minuten Vorspann präsidialer Selbstvergrößerung? Trump bringt mit seinem Ego-Trip Tausende Kinder um eine nicht wiederholbare Erfahrung. America First? Am 4. Juli nicht für die Jüngsten.