Der offizielle Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe in China ist im Juni überraschend auf 50,3 gestiegen, nachdem er im Mai noch bei 50 gelegen hatte. Die 50-Punkte-Marke trennt Expansion von Schrumpfung. Auch der PMI für Bau und Dienstleistungen legte leicht auf 50,2 zu, während der Hightech-Index sogar bei 53,5 notierte. Dies zeigen Zahlen des Nationalen Statistikamts vom Dienstag.
Exportboom stützt Konjunktur
Die Daten deuten darauf hin, dass Chinas Wirtschaft weiterhin stark von den Exporten profitiert, während die Binnenwirtschaft unter Druck bleibt. Einzelhandelsumsätze waren zuletzt auf einen neuen Tiefstwert gefallen. „Die PMI-Daten für Juni sind als moderat positive Überraschung für die Märkte zu werten“, sagte Hao Zhou, Chefökonom bei Guotai Junan International Holdings, gegenüber Bloomberg.
Abhängigkeit von externen Faktoren
Die boomende Exportwirtschaft entlastet die lahmende Inlandskonjunktur, bleibt aber anfällig für externe Einflüsse. So zeigte sich zuletzt die Sperrung der Straße von Hormus in der Iran-Krise als Risiko. China diversifiziert seine Energieversorgung, bleibt aber auf Ölimporte aus dem Nahen Osten angewiesen. Die Lage hat sich nach der vorläufigen Verständigung zwischen den USA und Iran jedoch wieder entspannt.
Preise für KI-Komponenten steigen
Die Nachfrage nach technologischen Komponenten rund um Künstliche Intelligenz treibt die Preise für chinesische Produkte. Im Mai stiegen die Exportpreise unerwartet stark – eine Gegenbewegung zur langen Phase rückläufiger Preisniveaus.
Handelskonflikte mit der EU
Zusätzlicher Druck entsteht durch Handelsstreitigkeiten, insbesondere mit der Europäischen Union. Die EU erwägt schärfere Maßnahmen gegen chinesische Exporte, die unter dem Schlagwort „China-Schock 2.0“ für Arbeitsplatzverluste in Europa verantwortlich gemacht werden. Am Montag verständigten sich beide Seiten darauf, bis Oktober Fortschritte zu erzielen, wie EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič nach Gesprächen mit Chinas Handelsminister Wang Wentao sagte. Die Frist fällt mit dem nächsten EU-Gipfel am 15. Oktober zusammen. Im September könnte Chinas Staatschef Xi Jinping US-Präsident Donald Trump treffen.
Zoll auf Pakete ab Juli
Ab Juli verteuert die EU günstige Waren, die als Paket aus dem Ausland eingehen. Auch für Bestellungen unter 150 Euro wird eine Zollabgabe fällig. Dies betrifft chinesische Billiganbieter wie Temu, das zur PDD-Gruppe gehört, und könnte das Exportgeschäft weiter belasten.



