Apple hat seinen Kunden eine drastische Preiserhöhung verpasst. Wer sich ein neues Basis-iPad kaufen will, zahlt nun 32 Prozent mehr. Bei der TV-Box mit 128 GByte-Speicher liegt der Preisaufschlag sogar bei rund 58 Prozent. Der Grund: Für den gewaltigen Ausbau von Rechenzentren sind die Kosten für Speicherchips massiv in die Höhe geschossen. Das merkt jeder, der sich zuletzt einen USB-Stick gekauft hat.
Apple-Chef Cook: Preiserhöhungen „unvermeidlich“
Apple-Chef Tim Cook sagte dem „Wall Street Journal“, die Preiserhöhungen seien daher „unvermeidlich“ gewesen. Die Frage ist nur: Für wen sind sie unvermeidlich und wer profitiert davon? Apple führt als Grund „gestiegene Komponentenkosten“ an. Das spielt sicherlich in die Überlegung hinein. Der Kontext ist aber viel größer. Für Künstliche Intelligenz werden gerade Rechenzentren in bislang ungekannten Dimensionen gebaut. Und die Kosten dafür landen gerade Stück für Stück bei den Endkunden, ohne dass dies jemand so klar ausspricht.
Intransparenz bei Rechenzentren: Kosten und Verbrauch verschleiert
Noch sind die Preise für iPhones stabil. Das könnte sich aber genauso schnell ändern wie bei den anderen Apple-Produkten. Der Ausbau von Rechenzentren geht weiter. Amazon, Microsoft, Google und Meta bauen und bauen. Dafür brauchen sie Chips, Glasfaserkabel, Speicher und vieles mehr. Die Preise steigen auf den Weltmärkten. Die Infrastruktur des nächsten Jahrzehnts muss irgendwie finanziert werden. Es ist normal, dass die Verbraucher daran beteiligt werden. Dieses Mal ist der Ablauf nur besonders intransparent.
Zwar sprechen alle beteiligten Firmen davon, besonders offen zu sein. In Wahrheit ist das nicht der Fall. Der Ausbau von Rechenzentren ist an vielen Stellen verschleiert. Die Betreiber berufen sich auf Betriebsgeheimnisse. Diese Antwort ist ungenügend. In vielen Fällen ist nicht einmal klar, wie groß der Strom- und Wasserverbrauch von neuen Rechenzentren überhaupt ist. Gerne führen Chipkonzerne wie Nvidia, AMD und Intel an, dass ihre Halbleiter immer effizienter arbeiten. Dass sie gleichzeitig viel mehr Anfragen bearbeiten müssen und so der gesamte Stromverbrauch massiv steigt, wird nicht so betont.
Klimabilanz von KI-Infrastruktur wird schöngerechnet
Ein beliebtes Beispiel ist die Art des Stroms, den Rechenzentren nutzen. Viele Betreiber rühmen sich, zu „100 Prozent“ erneuerbare Energien zu verwenden. Die Wahrheit sieht oft anders aus. Denn im Kleingedruckten wird vielfach das Wort „bilanziell“ genutzt. Anders ausgedrückt: Die Firmen unterstützen Windparks und Solaranlagen, die rechnerisch so viel Strom produzieren, wie die Rechenzentren verbrauchen. Damit die Chips aber auch in der Nacht laufen, wenn keine Sonne scheint, oder bei einer Windflaute funktionieren, werden andere Stromquellen genutzt. In vielen Fällen werden Gaskraftwerke neben Rechenzentren gebaut, um den Stromhunger zu decken. Damit sind die Auswirkungen für Anwohner und für die Gemeinschaft viel höher, als es bei der bloßen Ankündigung eines Datencenters scheint.
Wir brauchen dringend mehr Ehrlichkeit. Betreiber sollten verpflichtet werden, die kompletten Kosten und Konsequenzen von Datencentern vor dem Bau offenzulegen. Sonst gibt es bald auch in Deutschland ein Aufbegehren der Bevölkerung gegen KI-Infrastruktur wie in den USA, so der Kommentator Stephan Scheuer.



