Ein russischer Ukraine-Veteran, der Präsident Wladimir Putin mit einer Meuterei gedroht hatte, ist zu einer elftägigen Haftstrafe verurteilt worden. Das Gericht in der Region Woronesch befand Alexander Lunin schuldig, „extremistische Symbole“ gezeigt zu haben. Lunin selbst gab die Haftdauer auf Telegram bekannt; das Gericht machte keine Angaben zu den Symbolen oder zur genauen Strafe.
Lunins Drohung und die Folgen
Der 39-jährige Lunin hatte sich 2022 freiwillig zum Krieg in der Ukraine gemeldet und war laut Medienberichten an der Front. In der vergangenen Woche veröffentlichte er auf Instagram Videos, in denen er ein Treffen mit Putin forderte. Er warf russischen Kommandeuren Folter und Missbrauch von Soldaten vor, die sich weigerten, „sinnlose, selbstmörderische Anweisungen“ zu befolgen. „Wenn ich nicht bald in den Kreml komme und live spreche, direkt neben Ihnen, wird die Armee ihre Waffen gegen den Kreml richten“, drohte Lunin. Das Video erzielte Millionen Aufrufe. Russland hat seit Beginn der Offensive vor mehr als vier Jahren weitreichende Zensurmaßnahmen eingeführt, um Kritik an der Regierung und Militärführung zu unterdrücken.
Fünf Tote bei russischen Angriffen
Bei russischen Angriffen im Südosten und Nordosten der Ukraine sind mindestens fünf Menschen getötet worden. In Saporischschja starben zwei Menschen, 16 wurden verletzt, teilte Gouverneur Iwan Fedorow mit. In der Region Charkiw kam in Smijiw eine Person durch einen Raketenangriff ums Leben, acht wurden verletzt, darunter zwei Kinder. Ein Beamter starb bei der Evakuierung von Anwohnern. In der Region Sumy wurde eine ältere Frau getötet, so der dortige Gouverneur.
Putin lehnt ukrainischen Vorschlag ab
Russlands Präsident Wladimir Putin hat einen ukrainischen Vorschlag für einen gegenseitigen Verzicht auf Langstreckenangriffe abgelehnt. Russland werde stattdessen an seinem Ziel festhalten, die vier Regionen Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja vollständig einzunehmen, sagte Putin in einem Interview des russischen Staatsfernsehens. Er werte den Vorstoß als Versuch, den Druck auf die ukrainischen Truppen zu lindern. Eine Stellungnahme des ukrainischen Präsidialamtes lag zunächst nicht vor.
Polen fürchtet russische Übergriffe an Nato-Ostflanke
Die polnische Führung sieht ein wachsendes Risiko russischer Provokationen an der Nato-Ostflanke. „Wir sehen die Ereignisse in der Ukraine und dass der Krieg für Russland derzeit nicht gut läuft. Das ist ein Grund zur Besorgnis, dass Moskau die Situation weiter eskalieren könnte“, sagte der Chef des polnischen Auslandsgeheimdienstes, Oberst Pawel Szota, der Zeitung „Rzeczpospolita“. Ein begrenzter Angriff auf die baltischen Staaten könnte so aussehen, dass dort „grüne Männchen“ auftauchen – ein Begriff für russische Soldaten ohne Hoheitsabzeichen, die 2014 die Krim unter Kontrolle brachten. „Russland überschreitet systematisch rote Linien, um die Reaktion der Nato zu testen“, so Szota.
Putin gibt sich siegessicher und betreibt Täter-Opfer-Umkehr
Beim Parteitag von „Einiges Russland“ in Moskau zeigte sich Putin kämpferisch. „Dem Westen gelingt es nicht, Russland auf dem Schlachtfeld zu besiegen, deshalb versucht er, die politische Lage zu destabilisieren, doch auch das gelingt ihm nicht“, sagte er. Er warf dem Westen vor, die Angriffe Kiews zu ignorieren und unrechtmäßige Sanktionen zu verhängen. Trotz anderslautender Berichte behauptete Putin, die ukrainischen Truppen zögen sich „in alle Richtungen zurück“. Bei einem Treffen mit Regierungsvertretern räumte er Engpässe bei der Treibstoffversorgung ein und erwägt ein Exportverbot für Diesel. Die Benzinreserven beliefen sich auf 1,7 Millionen Tonnen, vier Prozent unter dem Vorjahresniveau.
Ukrainische Energiebranche bereitet sich auf Winter vor
Der ukrainische Stromversorger DTEK bereitet sich intensiv auf den nächsten Kriegswinter vor. „Wir haben im vergangenen Winter unsere Lektion gelernt, die Energiefirmen, die Regierung, alle Beteiligten“, sagte DTEK-Vorstandschef Maksym Timtschenko auf der Wiederaufbau-Konferenz in Danzig. Im vergangenen Winter hatten russische Luftangriffe die Energienetze schwer beschädigt. DTEK habe im Krieg dreimal bis zu 80 Prozent seiner Stromerzeugungskapazitäten verloren und sie wiederhergestellt. Das Unternehmen unterzeichnete eine Absichtserklärung mit GE Vernova über den Bau eines Gasturbinenkraftwerks mit 650 Megawatt Leistung in der Westukraine.



