Kölns Wagnerspiel: Kessler setzt auf interne Lösung als Cheftrainer
Der 1. FC Köln steht in den kommenden Wochen vor einer entscheidenden Weichenstellung. Sportchef Thomas Kessler hat mit der Beförderung des bisherigen Co-Trainers René Wagner zum neuen Cheftrainer eine interne Lösung als Nachfolge für Lukas Kwasniok gewählt. Diese Entscheidung birgt sowohl große Chancen als auch erhebliche Risiken für den abstiegsbedrohten Bundesligisten.
Mutige Entscheidung in heikler Phase
Sicherlich hat Thomas Kessler in seiner Funktion als Sportchef nicht immer die richtigen Entscheidungen getroffen. Fehlenden Mut kann man dem ehemaligen Bundesliga-Torwart, der 46 Spiele für St. Pauli und Köln absolvierte, jedoch keinesfalls vorwerfen. In der aktuell kritischen Phase, in der sich der Verein so nah an den Abstiegsrängen befindet wie nie zuvor in dieser Saison, ernennt er den Assistenten zum neuen Chef. Damit eröffnet er dem Trainer, sich selbst und allen Fans die Möglichkeit, die kräftezehrende Saison noch mit wahren Wagner-Festspielen zu beenden. Viva Colonia!
Bedeutet dies nun allgemeine Aufbruchsstimmung in Köln? Zumindest während der 14 Tage ohne offizielle Wettbewerbsspiele, die dem FC nun zur Verfügung stehen, könnte dies der Fall sein. Die letzte Länderspielpause der Saison bietet die doppelte Gelegenheit, noch einmal neu zu justieren – sowohl im sportlichen Bereich zwischen dem neuen Cheftrainer und der Mannschaft als auch im Umfeld, das in Köln traditionell eine enorme Bedeutung besitzt. Die Stimmungslage! Geht es dem FC nicht gut, und das war über Monate hinweg der Fall, leidet unweigerlich die gesamte Stadt.
Das Maß für Kwasniok war voll
Mit dem Wechsel von Lukas Kwasniok zum bisherigen Trainer-Nobody René Wagner hat Kessler viel Ballast aus der laufenden Saison entsorgt. Es hatte sich, das war deutlich sichtbar, einiges angestaut. Denn sportlich blieben die Erfolge aus, und Kwasniok lieferte immer wieder Vorlagen – sei es durch sein Verhalten oder auf Pressekonferenzen –, die er nicht in positive Ergebnisse ummünzen konnte. Rund um ihren geliebten FC waren viele Anhänger zutiefst genervt.
Letzten Sonntag, nach dem leidenschaftlichen 3:3 gegen Borussia Mönchengladbach, traf Kessler die Entscheidung: Das Maß für Kwasniok war voll. Dabei war vieles von dem, was sich der neue Vorstand vor etwa neun Monaten von seinem Wunschtrainer erhofft hatte, tatsächlich eingetreten. Kwasniok könne „Mannschaften entwickeln, attraktiven und erfolgreichen Fußball spielen lassen und junge Spieler an höhere Aufgaben heranführen“, hatte Kessler im vergangenen Juni festgehalten. „Wir sind überzeugt, dass wir mit ihm den richtigen Trainer gefunden haben, um den FC in der Bundesliga weiterzuentwickeln und nachhaltig zu stabilisieren.“
Nicht ein einziges Mal stand Aufsteiger Köln unter Kwasniok auf einem direkten Abstiegsplatz, und keine einzige deutliche Niederlage musste hingenommen werden. Dennoch ging es in der Tabelle kontinuierlich bergab. So weit, dass Kesslers Sorgen vor einem erneuten Abstieg größer wurden als der Glaube daran – oder eben das Vertrauen in Kwasniok, die knappen Spiele bald wieder in Siege zu verwandeln.
In Wagner stecken die Hoffnungen einer ganzen Stadt
In René Wagner konzentrieren sich nun die Hoffnungen im Grunde einer gesamten Stadt. Das stellt eine enorme Bürde und eine riesige Verantwortung dar. Doch seine besonnene und ruhige Art wird ihm dabei helfen, den Druck nicht zu nah an sich heranzulassen.
Wagner hat einen äußerst spannenden Werdegang hinter sich – von Stationen in Hawaii über Florida bis hin zu Paderborn, von der Zusammenarbeit mit Steffen Baumgart bis zu Lukas Kwasniok. Stets zeigte er sich extrem wissbegierig, absolut loyal und vor allem selbstbestimmt. Wagner hat seine nächsten Karriereschritte jeweils bewusst gewählt, auch im vergangenen Sommer, als er sich eigeninitiativ bei Kessler meldete, um sich für einen Platz im Trainerstab zu bewerben.
Was bereits in dieser Woche deutlich zu erkennen ist: Wagner beruhigt die Lage am emotionalen Geißbockheim in Köln spürbar. Mit ihm fährt vieles noch einmal herunter, um dann – so die Hoffnung – in den verbleibenden sieben Saisonspielen richtig durchzustarten. Die angekündigten Wagner-Festspiele?
Dieses Saisonfinale stellt seine riesige Chance dar. Eben auch, um im Sommer als Cheftrainer bestehen zu bleiben. Und die Gesamtsituation, das kommt den Kölnern durchaus zugute, könnte deutlich aussichtsloser sein. Der VfL Wolfsburg auf Platz 17 ist bereits fünf Punkte entfernt. Im Kern geht es vor allem darum, nicht in die Relegation rutschen zu müssen, also nicht noch weiter abzusacken. Klar ist: Bei einem Abstieg hätte nicht nur Wagner, sondern in noch stärkerem Maße Kessler ein ernsthaftes Problem.
Das Motto scheint eindeutig: Verlieren verboten – sonst ist Feierabend.



