Bayern-Trainer Kompany übt scharfe Kritik an Spendenpraxis von Fußball-Millionären
Der Cheftrainer des FC Bayern, Vincent Kompany, hat bei einer Veranstaltung der Europäischen Union in Brüssel deutliche Worte zur finanziellen Situation von Spitzenfußballern gefunden. Der ehemalige belgische Nationalspieler betonte, dass Fußballprofis zwar in der glücklichen Lage seien, viel Geld zu verdienen, jedoch verlören die meisten dieses Vermögen innerhalb weniger Jahre nach ihrem Karriereende wieder.
Spenden ohne nachhaltiges Konzept
Kompany erklärte, dass Fußballer oft großzügig spenden, aber diese Hilfen meist ohne klaren Rahmen erfolgen. "Wir geben für alles und jeden, manchmal auch für Taschen von Louis Vuitton, oft für unsere Communities – wir kommen oft aus verarmten Gegenden und geben viel zurück", sagte der 39-Jährige. Allerdings hätten diese Spenden aufgrund mangelnder Struktur nur begrenzt nachhaltige Auswirkungen auf die betroffenen Gemeinschaften.
Der Bayern-Trainer verwies auf seine eigenen Erfahrungen und betonte, dass er aus einer benachteiligten Gegend stamme. Um hier aktiv gegenzusteuern, kaufte Kompany vor gut zehn Jahren den insolventen Fußballverein BX Brussels in der Nähe von Brüssel, wo er aufgewachsen ist. Mit diesem Projekt will er einen konkreten Beitrag zu mehr Chancengleichheit leisten.
BX Brussels als Modellprojekt für gesellschaftlichen Zusammenhalt
Bei BX Brussels geht es nicht nur um Sport. Das Projekt umfasst:
- Unterstützung bei der Vermittlung von Praktikumsplätzen
- Hilfe beim Sprachenlernen
- Aufzeigen von beruflichen und persönlichen Perspektiven
"In Gegenden, wo ich aufgewachsen bin, siehst du oft nicht, dass es offene Türen gibt – du siehst niemanden, der Erfolg hat", beschrieb Kompany die Situation in vielen benachteiligten Stadtteilen.
Appell an die Politik: Sport als gesellschaftlicher Kitt
Der Trainer des FC Bayern appellierte an politische Entscheidungsträger, Sportvereine und kulturelle Angebote als entscheidende Werkzeuge für den gesellschaftlichen Zusammenhalt anzuerkennen. Diese seien ebenso wichtig wie Bildung, insbesondere in multikulturellen Gesellschaften, die unvermeidlich die Zukunft Europas prägen würden.
Kompany verwies auf seine eigenen multikulturellen Erfahrungen: "Brüssel ist eine der multikulturellsten Städte der Welt. Sport war der Ort, an dem ich realisiert habe, dass ich nicht durch die Farbe meiner Haut definiert werde, sondern durch die Farbe meines Shirts." Sein Vater wurde in Belgisch-Kongo geboren und floh nach Belgien, wo Kompany 2018 laut Medienberichten der erste schwarze Bürgermeister des Landes wurde.
Der Bayern-Trainer beschrieb seine persönlichen Erfahrungen mit Integration durch Sport: In seiner Nachbarschaft befand sich die Einwanderungsbehörde, und wenn irgendwo auf der Welt ein Krieg ausbrach, wusste er, gegen wen er bald im Park Fußball spielen würde. Diese Erfahrungen prägten sein Verständnis von Sport als verbindendem Element in einer vielfältigen Gesellschaft.



