EU führt Bearbeitungsgebühr gegen Paketflut ein: Neue Abgaben für Online-Importe
EU führt Bearbeitungsgebühr gegen Paketflut ein

EU führt Bearbeitungsgebühr gegen Paketflut ein: Neue Abgaben für Online-Importe

Im Kampf gegen die stetig wachsende Flut kleiner Pakete aus dem internationalen Online-Handel führt die Europäische Union eine neue Bearbeitungsgebühr ein. Ab dem 1. November 2026 soll diese Abgabe für jedes im Internet bestellte und in die EU eingeführte Produkt gelten und von den nationalen Behörden erhoben werden. Diese Einigung erzielten Unterhändler des Europaparlaments und der EU-Länder in Brüssel.

Die konkrete Höhe der Gebühr muss noch von der EU-Kommission festgelegt werden. Mit der neuen Abgabe sollen die steigenden Kosten durch die wachsende Zahl kleiner Sendungen aus dem Online-Handel gedeckt werden – insbesondere für aufwändige Sichtungs- und Kontrollprozesse bei der Einfuhr.

Zusätzliche Zollgebühren ab Juli 2026

Die Bearbeitungsgebühr kommt zusätzlich zu bereits geplanten neuen Zollgebühren. Bislang können Pakete mit einem Warenwert von bis zu 150 Euro zollfrei in die EU eingeführt werden. Um jedoch unerwünschten Billigimporten entgegenzuwirken, gilt ab Juli 2026 für jedes Paket mit einem Warenwert bis 150 Euro eine Abgabe in Höhe von drei Euro.

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Diese Maßnahme soll vorübergehend gelten, bis eine neue digitale Plattform zur Abwicklung und Kontrolle an den Start geht. Ab diesem Zeitpunkt werden alle in die EU importierten Waren ab dem ersten Euro zollpflichtig sein – derzeit ist die Einführung für 2028 geplant.

Mit dem Abschaffen der Freigrenze soll sichergestellt werden, dass alle Händler – unabhängig von ihrem Standort – die gleichen Wettbewerbsbedingungen haben. Ob günstige Produkte durch die neuen Abgaben tatsächlich teurer werden, ist noch unklar. Theoretisch könnten auch die Produzenten oder Importeure die Mehrkosten übernehmen.

Exponentielles Wachstum der Paketflut

Die neuen Regeln dürften insbesondere große Online-Händler wie Shein, Temu, AliExpress oder Amazon betreffen. Der Online-Handel hat in den vergangenen Jahren zu einem exponentiellen Anstieg bei Lieferungen kleiner Warenpakete mit geringem Wert in die EU geführt.

Laut EU-Kommission kamen 2024 täglich rund zwölf Millionen Pakete in der EU an – deutlich mehr als in den beiden Vorjahren. Diese massive Zunahme stellt die Zollbehörden vor erhebliche logistische und finanzielle Herausforderungen.

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Nach Angaben des Handelsverbandes Deutschland (HDE) werden täglich etwa 400.000 Pakete von Shein und Temu an deutsche Kunden verschickt. Der Umsatz der beiden Portale in Deutschland lag 2024 zwischen 2,7 und 3,3 Milliarden Euro. Laut HDE kauften im vergangenen Jahr mehr als 14 Millionen Menschen in Deutschland bei Temu und Shein ein.

Temu ist ein Online-Marktplatz, auf dem zahlreiche Unternehmen verschiedene Waren verkaufen. Das chinesische Unternehmen ist seit Frühjahr 2023 in Deutschland aktiv und sorgt regelmäßig mit Minipreisen und hohen Rabatten für Aufsehen. Produkte werden häufig direkt vom Hersteller zum Kunden geliefert.

Der in China gegründete und heute in Singapur ansässige Modekonzern Shein ist sowohl Hersteller und Händler als auch Marktplatz. Beide Anbieter sind jedoch umstritten. Politiker, Handelsvertreter und Verbraucherschützer kritisieren unter anderem die Produktqualität, mangelnde Kontrollen und unfaire Wettbewerbsbedingungen.

Umfassende Reform des EU-Zollrahmens

Neben der neuen Bearbeitungsgebühr sollen weitere Maßnahmen im Rahmen der Reform des EU-Zollrahmens dafür sorgen, den globalen Handel zu erleichtern, Zölle effizienter zu erheben und die Kontrollen von nicht konformen, gefährlichen oder unsicheren Waren zu verschärfen. Die EU-Länder betonen, dass diese Reform notwendig sei, um mit den Herausforderungen des digitalen Handels Schritt zu halten und faire Wettbewerbsbedingungen für alle Marktteilnehmer zu gewährleisten.

Die steigende Zahl von Paketlieferungen aus Drittstaaten stellt nicht nur eine finanzielle Belastung für die Zollbehörden dar, sondern wirft auch Fragen nach Produktsicherheit, Umweltschutz und fairen Arbeitsbedingungen in der globalen Lieferkette auf. Die neuen Regelungen sollen hier für mehr Transparenz und Kontrolle sorgen.

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