Deutsche Bahn und Finanzvorständin Karin Dohm gehen nach nur vier Monaten getrennte Wege
Die Deutsche Bahn hat die Trennung von ihrer Finanzvorständin Karin Dohm nach nur etwa vier Monaten im Amt bestätigt. In einer gemeinsamen Mitteilung erklärten beide Seiten, man habe sich einvernehmlich auf eine Beendigung der Zusammenarbeit geeinigt. Der Konzern betonte ausdrücklich, dass diese Entscheidung nicht aufgrund der in der Öffentlichkeit diskutierten Vorwürfe oder Mutmaßungen getroffen wurde, mit denen sich der Aufsichtsrat eingehend befasst hatte.
Medienberichte und interne Konflikte
Bereits vor gut vier Wochen hatte die Süddeutsche Zeitung über eine mögliche Entlassung Dohms berichtet. Ihr wurde vorgeworfen, als Finanzvorständin zahlreiche Menschen gegen sich aufgebracht zu haben, darunter Politiker und Arbeitnehmervertreter. Sie soll sich immer wieder mit anderen Führungskräften wegen Kleinigkeiten angelegt haben. Kurz nach ihrem Amtsantritt zog Dohm den Zorn der einflussreichen Bahngewerkschaft EVG auf sich, als sie ohne Rücksprache mit den Arbeitnehmern eine Gesellschafteranweisung zur Aufspaltung der Bahn-Tochter DB Services unterzeichnete.
Konzernbetriebsratschefin Heike Moll äußerte sich in einem internen Newsletter, der dem SPIEGEL vorliegt, kritisch: "Was bei der DB Services passiert ist, lässt sich mit Worten allein nicht wiedergutmachen. Es müssen klare Konsequenzen folgen!" Zudem wurde Dohm ein unsensibler Führungsstil nachgesagt. So soll sie intern gesagt haben, wer Freunde wolle, solle sich einen Hund kaufen. Eine kolportierte Anekdote berichtet, dass Dohm ihren Wagen vor dem Bahn-Tower in Berlin abstellte und den Schlüssel am Empfang mit der Aufforderung abgab, das Auto zu parken.
Offizielle Begründung und Auswirkungen
Die Deutsche Bahn äußerte sich nicht zu diesen Berichten, sondern verwies darauf, dass sich unterschiedliche Vorstellungen über die zukünftige Ausgestaltung der Funktion sowie zentrale Fragen der Unternehmensentwicklung gezeigt hätten. Dohm war erst seit Anfang Dezember Finanzvorständin bei der Bahn, nachdem sie zuvor Finanzchefin bei der Baumarktkette Hornbach war. Ihre Abberufung steht im Widerspruch zum Vorhaben, wonach der krisengeschüttelten Bahn unter der neuen Chefin Evelyn Palla ein Neustart gelingen soll.
Trotz ihrer sehr kurzen Amtszeit hat Karin Dohm Anspruch auf eine hohe Abfindung. Nach SPIEGEL-Informationen dürfte diese zwei volle Jahresgehälter betragen. Diese Entwicklung unterstreicht die anhaltenden Herausforderungen, mit denen die Deutsche Bahn als Konzern in der Krise konfrontiert ist.



