Kompany verurteilt Mourinhos Verhalten als klaren Führungsfehler
Der Trainer des FC Bayern München, Vincent Kompany, hat seinen prominenten Kollegen José Mourinho nach dem Rassismus-Skandal um Real-Madrid-Star Vinicius Júnior ungewöhnlich scharf kritisiert. Der Belgier äußerte sich am Freitag emotional zu den Vorfällen nach dem Champions-League-Play-off-Spiel zwischen Benfica Lissabon und Real Madrid.
Angriff auf den Charakter des Spielers
Kompany wirft dem Trainer von Benfica Lissabon vor, nach dem Spiel "den Charakter von Vinicius Júnior attackiert" zu haben. "Er hat die Art, wie er jubelt, gegen ihn verwendet. Für mich ist das aus Führungsperspektive ein klarer Fehler", sagte der 39-jährige Bayern-Coach in Richtung Mourinho. Der Belgier betonte, dass er diese Herangehensweise für völlig unangebracht halte.
Besonders kritisch sieht Kompany Mourinhos Verweis auf Benficas Vereinsgeschichte. Der 63-jährige Portugiese hatte erklärt, dass Benfica "nicht rassistisch" sein könnte, "denn der wichtigste Spieler in ihrer Geschichte war Eusébio". Dazu entgegnete Kompany emotional: "Aber wissen sie, was Spieler in den 60er-Jahren durchgemacht haben? Mein Vater ist auch ein schwarzer Mann aus den 60ern - und damals hatten sie als einzige Option, ruhig zu bleiben, nichts zu sagen, darüber zu stehen, zehnmal besser zu sein, um dann vielleicht ein bisschen Anerkennung zu bekommen. Das war Eusébios Leben. Und heute seinen Namen dafür zu verwenden, um etwas gegen Vinicius Júnior zu sagen..."
Persönliche Erfahrungen mit Rassismus
Der Bayern-Trainer sprach auch aus persönlicher Erfahrung. In seiner Zeit als Profi sei er selbst mehrfach rassistisch beleidigt worden. "Mein Traum ist, dass es am Ende dieser Situation einen Raum gibt, wo jemand sagen kann: 'Es tut mir leid, ich bitte um Entschuldigung'", so Kompany. Er hoffe einfach, "dass dies nicht mehr so passieren wird, sodass wir nach vorne blicken können und wachsen können. Und schaut mal auf die Dinge, die wir zusammen schaffen können und nicht auf die, die uns trennen."
Für ihn persönlich sei dies "eine ganz schwierige Thematik. Denn ganz ehrlich, ich passe nicht in diese Welt und was da alles passiert, ich sehe da meinen Platz oftmals nicht", gestand der Belgier.
Hintergrund des Konflikts
Der Auslöser der Kontroverse war ein Vorfall nach dem 1:0-Sieg von Real Madrid im Play-off-Hinspiel der Königsklasse. Real-Star Vinicius Júnior hatte Benfica-Profi Gianluca Prestianni vorgeworfen, ihn als "Affe" bezeichnet zu haben. Mourinho hatte daraufhin nicht den mutmaßlichen rassistischen Vorfall thematisiert, sondern stattdessen die Art des Torjubels des Brasilianers moniert.
Interessanterweise betonte Kompany auch seine grundsätzliche Wertschätzung für Mourinho: "Ich habe 100 Menschen getroffen, die mit José Mourinho zusammengearbeitet haben. Und ich habe noch nie einen getroffen, der etwas Schlechtes über ihn gesagt hätte. Alle Spieler, die für ihn gespielt haben, lieben ihn. Aber da hat er einen Fehler begangen."
Die UEFA hat inzwischen Ermittlungen zu dem Vorfall eingeleitet. Der Fall hat eine breite Diskussion über Rassismus im Fußball ausgelöst und zeigt, wie emotional und persönlich dieses Thema für viele Beteiligte ist.



