Kongo trotzt Ebola und Krieg: Rückkehr zur WM nach 52 Jahren
Kongo trotzt Ebola und Krieg: Rückkehr zur WM nach 52 Jahren

Kongo trotzt Ebola und Krieg: Rückkehr zur WM nach 52 Jahren

Die Demokratische Republik Kongo hat den Titel für die stilvollste Mannschaft dieser Weltmeisterschaft wohl schon sicher. Bei ihrer Ankunft am Flughafen von Houston am vergangenen Donnerstag erschienen die Spieler im Smoking, geschmückt mit einer Schärpe im Leopardenmuster – eine Hommage an ihren Spitznamen „Les Léopards“. Im Kongo legt man großen Wert auf elegante Kleidung, und das Team wollte einen guten Eindruck hinterlassen. Der Weg zur WM war jedoch alles andere als einfach: Zwischen Ebola, Krieg und den fast schon obligatorischen Visaproblemen hätten die Kongolesen es beinahe nicht geschafft. Doch nun sind sie da und bestreiten am Mittwoch gegen Portugal (19 Uhr, ZDF/Magenta) ihr erstes WM-Spiel seit 52 Jahren.

Ein Land im Ausnahmezustand

„Die Bedeutung dieser WM für das Land geht weit über den Sport hinaus“, sagt Louis Mukoma Fargues, Chefredakteur des kongolesischen Fußballportals „Léopardsfoot“. „Wir reden von einem Kontext, in dem das Land im Krieg ist und eine sehr, sehr schwierige Zeit durchlebt.“ Als das zentralafrikanische Land zum letzten Mal bei einer WM dabei war, waren die Zeiten ebenfalls schwierig. 1974 hieß es noch Zaire und wurde vom brutalen Militärregime des Mobutu Sese Seko regiert. Beim Turnier in Deutschland stand die Mannschaft unter enormem politischem Druck und verlor alle drei Gruppenspiele mit einem Gesamttorverhältnis von 0:14.

Diesmal ist die Stimmung viel besser, die Mannschaft deutlich stärker. Zum Kader gehören viele Spieler aus der kongolesischen Diaspora, die in England, Frankreich oder Spanien auf höchstem Niveau spielen. In der Qualifikation kegelten sie sogar die afrikanische Großmacht Nigeria sensationell im Play-off raus. Die Vorfreude auf die WM war entsprechend groß. Doch der Weg dorthin war komplizierter als die Navigation auf dem Kongo-Fluss. Die Qualifikation fand vor dem Hintergrund des andauernden Konflikts mit von Ruanda unterstützten Milizen statt. Dann klagte Nigeria gegen das Play-off-Ergebnis. Und zu allem Überfluss kam auch noch Ebola hinzu.

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Ebola-Ausbruch erschwert Vorbereitung

Erst Mitte Mai erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen Ausbruch in der Grenzregion zwischen Kongo und Uganda. Mittlerweile wurden fast 800 Fälle registriert. Die WM-Vorbereitung Kongos wurde dadurch ins Chaos gestürzt: Eine geplante Abschiedstour durch das Land wurde abgesagt, ebenso wie ein Freundschaftsspiel gegen Chile in Spanien. Stattdessen mussten sich die Spieler 21 Tage lang in Belgien isolieren, bevor sie in die USA einreisen durften. Für Mukoma Farges war das nicht unbedingt verhältnismäßig. In der internationalen Berichterstattung gehe oft verloren, wie groß der Kongo sei, sagt er. Das betroffene Gebiet liege weit entfernt von der Hauptstadt Kinshasa, wo Ebola „kein Thema“ gewesen sei.

Fans müssen zu Hause bleiben

Aufgrund der tödlichen Krankheit wollten die Gastgeber kein Risiko eingehen. Während die Mannschaft es gerade noch nach Nordamerika schaffte, mussten die Fans zu Hause bleiben. Stattdessen zählt man in Houston auf die Unterstützung der Diaspora, die in Texas durchaus nennenswert ist. Ein Fan aus dem Kongo wird die Mannschaft jedoch tatsächlich begleiten: Der 50-jährige Michel Kuka Mboladinga erlangte beim Afrika-Cup im vergangenen Winter weltweite Berühmtheit. Er stand bei jedem Spiel mit blauem Anzug und schwarzer Brille vorne im Fanblock und hielt 90 Minuten lang die gleiche Pose, ohne einen einzigen Muskel zu bewegen – eine Hommage an Patrice Lumumba, den kongolesischen Unabhängigkeitskämpfer und Ikone der panafrikanischen Bewegung, der 1961 mit Beihilfe des Westens ermordet wurde.

„Patrice Lumumba war nicht nur für den Kongo eine wichtige historische Figur, sondern für ganz Afrika, wenn nicht für den gesamten globalen Süden“, sagt Mukoma Fargues. Als lebende Lumumba-Statue verkörpere Mboladinga „die Geduld und die Resilienz, die die Kongolesen angesichts der vielen Schwierigkeiten haben zeigen müssen“. Der kongolesische Verband hat ihn nun als Teil der offiziellen Delegation mitgenommen. Beim Spiel gegen Portugal wird er zwar noch in Quarantäne sitzen, aber bei den folgenden Partien wird er wieder dabei sein. Ausgerechnet in den USA, die das Mobutu-Regime jahrzehntelang gestützt haben, wird Patrice Lumumba so auf globaler Bühne geehrt.

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Historische Genugtuung?

Als historische Genugtuung will Mukoma Fargues das jedoch nicht unbedingt sehen. Für die meisten Kongolesen gehe es in diesen Wochen nicht um Politik, sondern ausnahmsweise um alberne, fröhliche Dinge wie Stil und Sport. „Wir sind einfach froh, wieder bei der WM zu spielen“, sagt er. „In Kinshasa ist die Stimmung jetzt schon komplett verrückt.“