Manchester United: Die große Trainer-Debatte um den Thron der Roten Teufel
Trotz des deutlichen sportlichen Aufschwungs bei Manchester United beschäftigt den traditionsreichen englischen Fußballklub eine zentrale und brennende Frage, die Fans, Experten und Verantwortliche gleichermaßen umtreibt. Ein renommierter Experte nennt in diesem Zusammenhang sogar einen prominenten deutschen Namen als mögliche Alternative.
Von der Krise zum Aufschwung: Carricks Interimserfolg
Noch Anfang Januar 2026 bezeichnete Trainer Ruben Amorim sich und seine Mannschaft nach einer enttäuschenden Niederlage im FA-Cup gegen Brighton & Hove Albion als „vielleicht das schlechteste Team in der Geschichte von Manchester United“. Diese Aussage spiegelt die Tiefe der Krise wider, in der sich der Klub nach einer enttäuschenden Vorjahressaison mit Platz 15 – der schlechtesten Platzierung seit dem Abstieg 1974 – befand.
Doch Mitte März 2026 hat sich das Bild dramatisch gewandelt. Bei den Fans und Verantwortlichen der Red Devils herrscht plötzlich Jubel und Aufbruchsstimmung. Der Traditionsklub rangiert aktuell auf dem dritten Tabellenplatz der Premier League und zeigt eine Form, die an die glorreichen Zeiten unter Sir Alex Ferguson erinnert. Von den letzten neun Partien gewann United sieben Spiele und musste lediglich bei der 1:2-Niederlage in Newcastle einen kleinen Rückschlag hinnehmen.
Der Lohn dieser beeindruckenden Serie: Mit Platz drei nach 30 Spieltagen winkt die erste Teilnahme an der Champions League seit der Saison 2023/24. Dieser bemerkenswerte Aufschwung ist eng mit einem Namen verbunden: Michael Carrick.
Die Carrick-Frage: Interimslösung oder Dauerlösung?
Der 44-jährige Engländer übernahm im Januar das Team in einer schwierigen Phase und führte es zurück in seit vielen Jahren unbekanntes Terrain – unter die besten Mannschaften der Premier League. Nach der Saison 2021/22, in der er drei Spiele ungeschlagen blieb, übernahm der ehemalige United-Spieler den Klub nun zum zweiten Mal als Interimstrainer.
Genau hier liegt der Kern der aktuellen Debatte: Carrick ist nur interimsmäßig beschäftigt bei den Red Devils. Die zentrale Frage, die sich nun stellt, lautet: Muss Manchester United den Ex-Profi jetzt zum Cheftrainer über die aktuelle Spielzeit hinaus machen? Oder anders formuliert: Ist Carrick wirklich bereit für den Thron bei den Roten Teufeln?
Ratcliffes zögerliche Haltung und Expertenmeinungen
Eine Antwort müssen nun Miteigentümer Sir Jim Ratcliffe, der Ineos-Vorstandsvorsitzende, und sein Führungsstab finden. „Er leistet hervorragende Arbeit. Natürlich denken wir darüber nach. Aber es stehen noch sieben oder acht Spiele aus. Es ist noch eine Weile hin“, ließ sich der britische Milliardär bei Sky Sports in der Entscheidungsfindung nicht in die Karten schauen und zeigte sich bewusst zögerlich.
Ex-Profi und United-Legende Roy Keane äußerte sich ebenfalls zur Thematik und vertrat eine klare, ablehnende Position. „Ich würde es nicht tun“, sagte der Ire und führte aus: „Ich glaube, es gibt weitaus bessere Optionen für den nächsten Trainer von Manchester United.“
Alternative Kandidaten: Tuchel, Simeone und Enrique
Auf Nachfrage nannte der als Haudegen bekannte Ex-Profi konkrete Namen als mögliche Alternativen. „Da gibt es jede Menge: Diego Simeone und Luis Enrique zum Beispiel. Versuch doch mal, die Besten zu finden. Tuchel hast du gerade erst erwähnt“, gab er schlagfertig zurück. Dass diese Trainer allerdings bei derzeit weitaus erfolgreicheren Top-Klubs unter Vertrag stehen, ließ Keane in seiner Argumentation gekonnt unter den Tisch fallen.
Obwohl er Carrick für seine bisherige Arbeit lobt, sieht Keane bei einer Festverpflichtung vor allem einen zentralen Haken: „Um Manchester United zu trainieren, braucht man jemanden, der viel mehr Erfahrung darin hat, Titel zu gewinnen und in Europa zu bestehen, und das hat er nicht.“
Rooneys klare Befürwortung und historische Parallelen
Ganz anderer Meinung ist Wayne Rooney. Der heute 40-Jährige, der seine erfolgreichste Zeit ebenfalls bei Manchester United hatte, äußerte sich gegenüber BBC Radio 5 Live deutlich positiver zur Personalie Carrick: „Er sollte den Job auf jeden Fall bekommen. Ich kenne seinen Charakter und seine Persönlichkeit. Es braucht jemanden mit kühlem Kopf, der sich hier aber auch auskennt. Die Spieler brauchten etwas Zuwendung, und die hat er ihnen gegeben.“
So stellte auch Rooney die eine brennende Frage in den Raum: „Warum sollte man etwas ändern, wenn es so gut läuft?“
Die Vergangenheit liefert allerdings zumindest einen triftigen Grund zur Vorsicht. Im Dezember 2018 übernahm mit Ole Gunnar Solskjaer bereits ein ehemaliger United-Profi als Interimstrainer die Nachfolge des damals entlassenen José Mourinho. Es folgte ein ähnlich beeindruckender Lauf mit 14 Siegen aus 19 Pflichtspielen, wofür der Norweger mit einer Festanstellung belohnt wurde.
Carricks besonnene Haltung und weitere Kandidaten
Dauerhaft war dieses Kapitel aber nicht von Erfolg geprägt. Im Dezember 2021 trennten sich die Wege von Solskjaer und Manchester United nach einer sportlichen Krise. Ein Argument, das auch Keane im Zuge der Carrick-Thematik vorbringt: „Seine Aufgabe in den letzten Monaten bestand darin, Fußballspiele zu gewinnen. Ich weiß, dass das überall die Aufgabe eines Trainers ist, aber er hatte selbst als Trainer keinerlei Ablenkungen.“
Carrick selbst will übrigens nicht über die aktuelle Saison hinausblicken und zeigt sich besonnen: „Es ist nur Trubel, wenn man darauf achtet. Mich berührt das ehrlich gesagt überhaupt nicht. Ich bin gerade in dieser Situation, gebe mein Bestes und genieße es natürlich sehr. Aber was auch immer passieren wird, wird passieren.“
In den vergangenen Tagen hatte mit Jamie Carragher bereits ein weiterer TV-Experte einen Namensvorschlag für den Trainerposten bei United in den Hut geworfen. In seiner Kolumne bei The Telegraph bezeichnete er Unai Emery als „einen der besten, aber noch immer unterschätztesten Trainer Europas“ und nannte ihn als ernsthaften Kandidaten.
Neben der Frage, ob sich Kult-Fan Frank Ilett jemals die Haare wieder schneiden darf, bleibt die Trainerfrage somit die brennendste Angelegenheit in der Hölle der Roten Teufel – eine Entscheidung, die die Zukunft des Klubs maßgeblich prägen wird.



