Debatte um Videobeweis: Matthäus stellt Video-Assistenten in Frage
Der ehemalige Rekordnationalspieler Lothar Matthäus hat nach einem weiteren kontroversen Vorfall in der Bundesliga deutliche Kritik am Videobeweis-System geäußert. In seiner aktuellen Kolumne für den Sender Sky äußerte der TV-Experte massive Zweifel an der Arbeitsweise der Video-Assistenten.
'Sitzen die im Keller und trinken Kaffee?'
Matthäus stellte provokant in Frage, ob die VAR-Experten ihrer Aufgabe stets mit der nötigen Konzentration nachkommen. „Ich frage mich auch, was die Leute im Keller manchmal machen. Sitzen sie die ganze Zeit vor den Monitoren und prüfen jede einzelne Szene? Ab und zu hat man das Gefühl, die gehen zwischendurch mal einen Kaffee trinken“, so die pointierte Aussage des Fußball-Experten.
Zwar räumte Matthäus ein, dass durch den Videobeweis viele Fehlentscheidungen korrigiert würden, doch betonte er: „Es gibt immer noch zu viele Fehler.“ Der ehemalige Nationalspieler formulierte es deutlich: „Man fragt sich: Wozu haben wir ihn überhaupt?“
Kontroverse Szene in Köln sorgt für Aufregung
Der konkrete Anlass für Matthäus' Kritik war eine umstrittene Szene beim Bundesliga-Spiel zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Dortmund. In der Nachspielzeit der Partie hatte Stadionsprecher Michael Trippel über die Lautsprecheranlage geschimpft, weil der Video-Schiedsrichter bei einem möglichen Handspiel im Strafraum nicht eingegriffen hatte.
Trippel kommentierte die Situation mit den Worten: „In der 95. Minute hat es ein klares Handspiel eines Dortmunders im Strafraum gegeben und das guckt sich noch nicht einmal einer an!“ Matthäus teilte diese Einschätzung und forderte genauere Prüfungen: „Bei so einer Szene wie der in Köln muss man noch genauer draufschauen, wenn man nicht erkannt hat, was alle anderen, die die Bilder gesehen haben, erkannt haben.“
Forderung nach mehr Mut und internationalem Vorbild
Der Sky-Experte verglich die VAR-Praxis in Deutschland mit internationalen Standards und kam zu einem ernüchternden Ergebnis: „Ich habe das Gefühl, dass es in anderen Ländern, in der Champions League oder bei der Club-WM, besser funktioniert als bei uns.“
Matthäus forderte konkret mehr Entschlossenheit von den Video-Assistenten: „Die internationalen Spezialisten haben auch nur zwei Augen, aber es braucht den Mut, etwas anzuzeigen. Man sollte keine Angst haben, wenn man im Keller sitzt.“
Abschließend betonte der Fußball-Experte die grundsätzliche Rollenverteilung: „Der Keller entscheidet am Ende nicht, sondern immer noch der Schiedsrichter auf dem Platz.“ Die aktuelle Debatte zeigt, dass trotz der Einführung des Videobeweises weiterhin kontroverse Diskussionen über dessen Anwendung und Effektivität geführt werden.



