Messi bei WM: Rätsel, Wunder oder pure Effizienz?
Messi bei WM: Rätsel, Wunder oder pure Effizienz?

Lionel Messi spielt bei seiner sechsten Fußball-Weltmeisterschaft in einer Form, die selbst seinen Titeltriumph in Katar teilweise überstrahlt. Beim 3:0-Sieg Argentiniens gegen Algerien erzielte er einen Dreierpack, beim 2:0 gegen Österreich einen Doppelpack. Die Frage, wie das möglich ist, hat mehrere Antworten.

Krafteinteilung und Perfektion

Ein wesentlicher Faktor ist die kluge Einteilung der Kräfte. Im praktisch bedeutungslosen letzten Gruppenspiel gegen Jordanien in der Nacht auf Sonntag (4.00 Uhr/Magenta TV) in Dallas könnte Messi wie einige andere Stammspieler geschont werden. Doch tiefer liegt die Verbindung zur Mannschaft: „An den Mann, der unser Leben verändert, uns unvergessliche Momente beschert und uns daran glauben lassen hat, dass Träume wahr werden können. Das Schönste daran war nicht nur, es mitzuerleben – sondern es gemeinsam mit Dir zu erleben!“ – so die Botschaft auf den personalisierten Glückwunsch-T-Shirts zu Messis 39. Geburtstag im WM-Camp.

„Die Kollegen lieben es, für Messi zu laufen“, sagt Deutschlands Rekordnationalspieler und RTL-Experte Lothar Matthäus. „Sie wollen, dass er sie wieder zum Titel führt und sie geben alles für ihn“, ergänzt Schwedens Fußball-Ikone Zlatan Ibrahimovic. „Die Sache ist: Er gibt es auch zurück.“

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Angepasster Spielstil und Athletik

Messis Stil hat sich seinem Körper angepasst: Präzision, Schärfe, Genialität und Entschlossenheit, wenn es gilt – nicht mehr unbedingt die faszinierenden Solos über den halben Platz. Trainer Lionel Scaloni stellte die Mannschaft bereits 2022 perfekt auf Messi ein. Im Eins-gegen-Eins ist Messi weiterhin stark, technisch in einer eigenen Liga und physisch kraftvoll. Seine Statur hat sich im Laufe der sechs WM-Teilnahmen verändert – hin zum Athletischen. Zusammen mit Edel-Helfer Rodrigo de Paul, den er auch zu Inter Miami lotste, absolvierte er vor dieser WM zwei bis drei Monate zusätzliche Vorbereitungsschichten.

Fußball-Intelligenz und maximale Effizienz

Ein weiterer Messi-Faktor ist seine Gabe, ein Spiel zu lesen. „Nach 5, 10 Minuten hat er eine Karte im Kopf und vor Augen“, erzählte sein langjähriger Trainer beim FC Barcelona, Pep Guardiola. „Er läuft nicht, aber er sieht immer, was passiert.“ Die „New York Times“ nannte es den „Sechsten Sinn“. Messi geht oft nur, der Kopf und die Augen sind in Bewegung. Sobald er den Ball hat, gibt es kein Zögern. Sieht er für sich die Chance, versucht er es; steht ein Mitspieler besser, legt er auf. Er antizipiert nicht einen Spielzug, sondern den ganzen Angriff.

Der Trainingswissenschaftler Paco Seirul·lo, der über vier Jahrzehnte für den FC Barcelona arbeitete, sagte: „Jede Studie von Leo zeigt: Er läuft am wenigsten, er sprintet am wenigsten. Er beteiligt sich am wenigsten am Spiel.“ Sein Rat an Nachwuchskicker: „Ihr müsst Euch keine Gedanken machen, ob ihr zu klein oder zu groß seid. Macht Euch Gedanken, möglichst effizient zu sein. Leos Spiel ist maximale Effizienz.“

Antrieb und Liebe zum Fußball

Nach dem WM-Triumph von Katar lag die Frage nahe, warum Messi nicht seine Karriere beendete. Er hatte vorher von der letzten WM-Teilnahme gesprochen und das letzte große Ziel erreicht. Doch Messi kann nicht ohne Ball. Er war nie ein Fußball-Egomane, immer aber ein Fußball-Liebender. Spielen, Tore schießen, gewinnen – das einfachste Credo. Es galt für den zehn Jahre alten schmächtigen Messi, als er wegen Wachstumsstörungen mit Vater Jorge von Rosario nach Barcelona zog, und es galt mitten in seiner Hochzeit bei den Katalanen: „Ich liebe den Fußball genauso, wie ich ihn als kleines Kind geliebt habe.“

Auf seinem Anwesen in Castelldefels bei Barcelona kickte er hinterm Haus mit den Jungs, in Miami sieht man ihn nicht selten am Rand des Trainings oder bei Spielen der Söhne. Messi ist Fußball. Oder wie er nach seiner ersten Show bei dieser WM mit drei Toren betonte: „Ich genieße es – diese wunderbare Mannschaft und das Gefühl, auf dem Platz wieder ganz in meinem Element zu sein, so wie ich es immer geliebt habe.“

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Veränderung seit dem WM-Titel

Der Titel und Miami haben Messi lockerer werden lassen. Er schreibt Autogramme aus dem Auto heraus, überrascht Fans und wirkt nahbar. Barça war sein Herzensclub, PSG ein Missverständnis, Inter ist für Messi wieder eine Wohlfühloase. Small Talk mit Superstars aus anderen Branchen ist normal. „Ich bereue es, als Kind kein Englisch gelernt zu haben. Ich hatte Zeit dafür und habe es nicht getan“, sagte er in einem Interview in diesem Jahr. „Ich bereue es, weil man sich irgendwie wie ein Ignorant fühlt, wenn man mit tollen Persönlichkeiten ins Gespräch kommt.“ Messis Sprache bleibt der Fußball.