Michael Hefele: Vom Aufstiegshelden zum WM-Co-Trainer mit Tunesien
Michael Hefele (35) lebt weiterhin seinen Fußballtraum, nun jedoch von der Seitenlinie aus. Der gebürtige Pfaffenhofener aus Oberbayern hat seit Januar einen spektakulären neuen Job: Er ist Co-Trainer der tunesischen Nationalmannschaft unter Chefcoach Sabri Lamouchi (54) und wird damit in diesem Sommer bei der Weltmeisterschaft dabei sein.
Ein Fußballmärchen mit internationaler Dimension
Als Profi erlebte Hefele bereits bemerkenswerte Erfolge. 2016 stieg er mit Dynamo Dresden in die 2. Bundesliga auf, nur ein Jahr später gelang ihm mit Huddersfield Town sogar der Aufstieg in die englische Premier League. Doch sein persönliches Fußballmärchen ist noch nicht zu Ende. „Das ist mehr als einmalig. Wann hat man schon mal die Chance, zu einer Weltmeisterschaft zu fahren?“, sagt Hefele über seine neue Rolle.
Tunesien trifft in der WM-Vorrunde auf Holland, Japan und einen europäischen Playoff-Sieger. Als besonderes Highlight bestreiten „seine“ Tunesier am 21. Juni in Monterrey (Mexiko) gegen Japan das 1000. Spiel in der Geschichte der FIFA-WM.
Die Zusammenarbeit mit Sabri Lamouchi
Wie kam Hefele zu diesem prestigeträchtigen Posten? „Sabri Lamouchi ist französischer Tunesier. Als er jetzt Nationaltrainer wurde, hat er mich mitgenommen“, erklärt Hefele. Die beiden kennen sich seit etwa acht Jahren, als Lamouchi Hefeles Trainer beim englischen Zweitligisten Nottingham Forest war. Seitdem arbeiten sie als Trainer-Duo zusammen, zuletzt verbrachten sie zwei Jahre in Saudi-Arabien.
„Dort ticken die Uhren anders, es ist ja auch eine ganz andere Kultur. Die zwei Jahre haben mir mehr gebracht, als zehn Jahre in Europa. Unglaublich, was ich da alles erlebt habe“, berichtet Hefele. Er erzählt von beeindruckenden Erlebnissen wie einer plötzlichen Vollbremsung des Mannschaftsbusses, weil eine Herde Kamele gemütlich über die Autobahn lief.
Verbindungsmann zwischen Verband und Spielern
In seiner neuen Funktion als Co-Trainer hat Hefele bereits reichlich zu tun. „Es gibt so viele tunesische Top-Spieler, die in ganz Europa und darüber hinaus aktiv sind. Sie alle müssen beobachtet, mit ihnen gesprochen werden“, sagt er. Zu den Spielern, die er zuletzt beobachtete, gehören Rani Khedira von Union Berlin und Sebastian Tounekti von Celtic Glasgow.
„Ich bin sozusagen der Verbindungsmann zwischen Verband und Spielern“, erklärt Hefele. In den nächsten Wochen wird er daher aus dem Koffer leben und von Spiel zu Spiel quer durch Europa reisen. Die Aufgaben sind aufgeteilt: Während sich Lamouchi hauptsächlich um Frankreich und Katar kümmert, ist Hefele für England und den deutschsprachigen Raum zuständig.
Dynamo Dresden bleibt der Herzensverein
Vor kurzem führte ihn eine Scouting-Reise nach Hannover, wo er sich Linksaußen Elias Saad ansah – ausgerechnet gegen Dynamo Dresden. „Da kommen dann gleich wieder die Erinnerungen hoch. Erst recht, als ich zum ersten Mal den neu gestalteten Teambus gesehen habe. Das ist und bleibt mein Herzensverein“, gesteht Hefele.
Aus dem aktuellen Kader von Dynamo Dresden hat er noch mit Stefan Kutschke und Niklas Hauptmann zusammengespielt. „Ich bin ganz gut im Bilde, wünsche ihnen den Klassenerhalt sehr“, sagt der ehemalige Kapitän, der 2016 den Aufstieg in die 2. Liga miterlebte.
Privates Glück und berufliche Herausforderungen
Neben seiner beruflichen Karriere erlebt Hefele auch privat glückliche Momente. 2023 heiratete er in Dresden seine Denise, und am 12. Februar wurden sie zum ersten Mal Eltern einer kleinen Tochter. „Ein unfassbares Glück, wir schweben auf Wolke sieben“, strahlt der frischgebackene Papa.
Auch wenn er seine Familie durch den neuen Fulltime-Job relativ selten sieht, nimmt er diese Entbehrung angesichts des bevorstehenden WM-Highlights gern in Kauf. „Unser Ziel ist es, bei der WM so viele Spiele wie möglich zu bestreiten. Das Land stolz zu machen und Sensationelles zu schaffen“, sagt Hefele mit großem Ambitionen.
Ein Michael Hefele, der als Spieler grandiose Triumphe feierte, denkt nun auch als Trainer groß – und könnte damit das nächste Kapitel seines Fußballmärchens schreiben.



