Nagelsmann dosiert mit Weitblick: Letzter WM-Test gegen Ghana vor Kadernominierung
Nagelsmann dosiert: Letzter WM-Test gegen Ghana

Nagelsmann plant mit Weitblick: Letzter Härtetest vor der WM-Nominierung

Julian Nagelsmann könnte einfach die Wiederholungstaste drücken. Noch einmal der Fußball-Wirbel von Florian Wirtz, noch einmal der kraftvolle Offensivfußball wie beim Vier-Tore-Erfolg in der Schweiz. Doch der Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft denkt weiter – der letzte Test vor der WM-Kadernominierung am 12. Mai erfordert Weitsicht und kluge Dosierung.

Fitness im Fokus vor dem Ghana-Duell

„Ich bin nicht völlig verblendet und ziehe das auf Teufel komm raus durch“, betonte Nagelsmann vor dem Länderspiel gegen Ghana am Montagabend in Stuttgart. Beim Abschlusstraining schaute der Trainer genau hin: Wer ist fit, wer benötigt eine Pause? Die langfristige Fitness seiner Turnierkandidaten steht im Mittelpunkt, denn im Sommer zählt es in Amerika für die DFB-Elf.

Mit einer gefestigten Siegermentalität soll es zur Weltmeisterschaft gehen. Das nächste Erfolgserlebnis nach dem 4:3 in der Schweiz soll dabei helfen, die positive Stimmung zu verstärken. Sportdirektor Rudi Völler, der als bewährter Seismograph für Stimmungsschwankungen im DFB-Team gilt, forderte: „Nach vorne war es sehr ansehnlich. Wir haben sehr gut kombiniert. Am Montag wollen wir nachlegen.“

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Wechsel im Tor und neue Gesichter

Für das Spiel gegen Ghana setzt Nagelsmann auf einige Veränderungen. Ersatztorwart Alexander Nübel wird vor heimischem Publikum in Stuttgart mit seinem dritten Länderspieleinsatz belohnt und ersetzt Oliver Baumann. Auch Nübels VfB-Kollege Deniz Undav erhält Einsatzminuten versprochen, während der Frankfurter Nathaniel Brown als Linksverteidiger sogar in der Startelf stehen soll.

Weitere Anpassungen sind möglich – Nagelsmann nannte bei der Pressekonferenz Kapitän Joshua Kimmich und dessen Bayern-Kollegen Serge Gnabry als Spieler mit besonders hoher Belastungsintensität. „Ich wünsche mir für uns, dass wir gute Spiele machen, erfolgreiche Spiele machen und damit am Montag gern weitermachen können“, sagte der Bundestrainer vor der Kraftprobe gegen die Afrikaner.

Ghana als Blaupause für die Elfenbeinküste

Ghana reist nach einer 1:5-Niederlage in Österreich ziemlich ramponiert an, doch Nagelsmann warnt vor Unterschätzung. Der Gegner wurde bewusst ausgewählt, nachdem ein geplantes Duell mit der Elfenbeinküste nach der WM-Auslosung obsolet geworden war. Nun soll der viermalige Afrika-Champion als Blaupause für genau diesen WM-Gegner dienen, der am 20. Juni in Toronto auf die deutsche Mannschaft trifft.

Jonathan Tah, der den Afrika-Cup intensiv verfolgt hat, mahnte zur Vorsicht: „Der afrikanische Fußball ist ein bisschen anders. Sehr intensiv, sehr viele Zweikämpfe, gute Eins-gegen-eins-Spieler. Wir werden da gefordert sein.“ Ghana-Trainer Otto Addo, aus Bundesliga-Zeiten bei Borussia Dortmund bestens bekannt, wechselte gegen Österreich neunmal aus.

Baustellen und Hoffnungsträger

Frei von Problemen ist die DFB-Auswahl natürlich nicht. Die Offensivkraft um den überragenden Doppeltorschützen Florian Wirtz beim 4:3 in Basel half Nagelsmann zwar, die eklatanten Abwehrfehler als individuelle Mängel zu relativieren. Doch elf Wochen vor dem Turnier-Anpfiff gegen Außenseiter Curaçao kann nicht wieder groß gedacht werden.

Wirtz selbst zeigte sich nach seinem Weltklasse-Auftritt in Basel zuversichtlich: „Wir haben eine sehr gute Mannschaft. Wir sind eine große Nation, die sich vor niemandem kleinmachen muss. Es ist noch ein Weg, der vor uns liegt. Aber ob du Favorit bist oder nicht, ist egal, wenn du ins Finale kommst.“ Der 19. Juli, das Endspielstadion in East Rutherford vor den Toren von New York, bleibt der Fixpunkt.

Stuttgart als emotionaler Ort

Für Nagelsmann ist Stuttgart mit zwei schmerzhaften Erinnerungen verbunden. Dort endete 2024 im Viertelfinale gegen Spanien beim 1:2 nach Verlängerung der Traum vom Titel bei der Heim-EM auf dramatische Weise. Elf Monate später demonstrierte Frankreich beim 0:2 im Spiel um Platz drei der Nations League, dass die Fußball-Weltspitze enteilt ist.

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Einen Demotivations-Hattrick im Ländle will Nagelsmann nun unbedingt vermeiden. „Einspielen“ hat er schon als Einwort-Motto für seinen WM-Kader im März ausgegeben. Ob Kai Havertz nach langer Verletzungspause bereit ist, muss sich zeigen – beim Reha-Training in Freiburg humpelte der Arsenal-Angreifer aus dem Teambus.

Nagelsmann über Havertz: „Er hat sechs, sieben sehr gefährliche Situationen. Und ja, er muss gesund sein und zu einer guten Fitness finden. Dann ist das für uns auf dem Niveau wie Florian Wirtz oder wie Jamal Musiala.“

WM-Gegner unter der Lupe

Der Stab um Nagelsmann beobachtet die Leistungen der WM-Kontrahenten genau. Curaçao verlor gegen China mit 0:2, das hochgelobte Ecuador kassierte kurz vor Schluss den 1:1-Ausgleich gegen Marokko. Die Elfenbeinküste aber schaffte beim 4:0 gegen Südkorea ein beeindruckendes Offensivstatement – sogar ohne Gegentor.

Das Ghana-Spiel ist der letzte Test vor der Kadernominierung. Nagelsmann dosiert mit Weitblick, denn Aufbruchstimmung und WM-Vorfreude können als Gegenmittel gegen die toxischen Zweifel an der Titelfähigkeit des viermaligen Weltmeisters nicht früh genug beginnen.