Fußball-Nationalmannschaft: Nagelsmann will gegen Ghana nachlegen für WM-Hochgefühl
Julian Nagelsmann kann sich bestätigt fühlen, doch der Bundestrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft will mehr. Nach dem beeindruckenden 4:3-Sieg in der Schweiz soll am Montagabend in Stuttgart gegen Ghana das nächste kraftvolle Statement folgen. So plant Nagelsmann, mit einem echten Hochgefühl und gefestigter Siegermentalität zur Weltmeisterschaft nach Amerika abzuheben.
Völler als Stimmungs-Seismograph fordert Nachlegen
Sportdirektor Rudi Völler, der als bewährter Seismograph für Stimmungsschwankungen im DFB-Team gilt, unterstützt diesen Kurs entschieden. „Nach vorne war es sehr ansehnlich. Wir haben sehr gut kombiniert. Am Montag wollen wir nachlegen“, forderte der 65-Jährige nach dem Schweizer Erfolg. Das Ghana-Spiel markiert den letzten Test vor der entscheidenden Kadernominierung am 12. Mai und soll positive Signale für den WM-Countdown senden.
Völler weiß genau, wie wichtig jetzt Aufbruchstimmung und ungetrübte WM-Vorfreude sind – als wirksames Gegenmittel gegen die toxischen Zweifel an der Titelfähigkeit des viermaligen Weltmeisters. „Ich wünsche mir für uns, dass wir gute Spiele machen, erfolgreiche Spiele machen und damit am Montag gern weitermachen können“, sagte Nagelsmann vor der Kraftprobe gegen die nach einer 1:5-Niederlage in Österreich ramponiert angereisten Afrikaner.
Wirtz-Show als Blaupause für Ghana-Duell
Die Offensivkraft um den überragenden Doppeltorschützen Florian Wirtz in Basel half Nagelsmann enorm, die eklatanten Abwehrfehler als individuelle Mängel relativieren zu können. Der 19-Jährige zeigte Weltklasse und gab damit die Richtung vor: „Wir haben eine sehr gute Mannschaft. Wir sind eine große Nation, die sich vor niemandem kleinmachen muss“, betonte Wirtz nach seinem spektakulären Auftritt.
Doch der Bundestrainer will keine elf Wochen vor dem Turnier-Anpfiff gegen Außenseiter Curaçao wieder groß denken lassen. Sein Einwort-Motto für den März lautet „Einspielen“, und so wird er, Fitness vorausgesetzt, wenig an seiner Schweizer Sieger-Elf herumdoktern. Auch wenn sich für Ersatztorwart Alexander Nübel vor dem Stuttgarter Heimpublikum eine Bewährungschance andeutet.
Stuttgart als Prüfstein mit schmerzhafter Vergangenheit
Stuttgart ist für Nagelsmann mit zwei schmerzhaften Erinnerungen verbunden: Dort endete 2024 im Viertelfinale gegen Spanien der EM-Traum, und elf Monate später demonstrierte Frankreich beim 0:2 in der Nations League die Distanz zur Weltspitze. Einen Demotivations-Hattrick im Ländle will der Trainer nun unbedingt vermeiden.
Die in Basel indisponierten Leroy Sané und Nico Schlotterbeck bekamen bereits das Signal für einen Ghana-Einsatz, während sich bei Kai Havertz nach langer Verletzungspause zeigen muss, ob er bereit ist. „Er muss gesund sein und zu einer guten Fitness finden. Dann ist das für uns auf dem Niveau wie Florian Wirtz oder Jamal Musiala“, sagte Nagelsmann über den Arsenal-Angreifer.
Ghana als Blaupause für Elfenbeinküste
Ghana kommt zwar als Verlierer aus Wien, soll aber nicht unterschätzt werden. Trainer Otto Addo, aus Bundesliga-Zeiten bei Borussia Dortmund bestens bekannt, wechselte neunmal gegen Österreich. Bayern-Verteidiger Jonathan Tah warnte: „Der afrikanische Fußball ist ein bisschen anders. Sehr intensiv, sehr viele Zweikämpfe, gute Eins-gegen-eins-Spieler“.
Nagelsmann hat Ghana bewusst als Gegner ausgewählt, nachdem ein geplantes Duell mit der Elfenbeinküste obsolet geworden war. Der viermalige Afrika-Champion soll nun als Blaupause für genau diesen WM-Gegner dienen, dem Deutschland am 20. Juni in Toronto begegnen wird. Während Curaçao gegen China verlor und Ecuador gegen Marokko nur remis spielte, setzte die Elfenbeinküste mit einem 4:0 gegen Südkorea ebenfalls ein Offensiv-Statement – sogar ohne Gegentor.
Der 19. Juli, das Endspielstadion in East Rutherford vor den Toren von New York, bleibt der Fixpunkt. Doch zunächst heißt es: Nachlegen in Stuttgart, um das WM-Hochgefühl weiter zu befeuern.



